Hitler-Gruß bei FPÖ-Veranstaltung?

Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt. Gleichzeitig hat der Vorfall in Ebensee, wo Jugendliche eine Gedenkfeier im früheren Konzentrationslager mit Sieg-Heil-Rufen gestört hatten, eine Diskussion über den Unterricht an Schulen ausgelöst.

WIEN (red.). Teilnehmer der FPÖ-Kundgebung vom Freitag in Graz sollen den Arm zum Hitler-Gruß ausgestreckt haben. Ein Verfahren gegen unbekannt werde eingeleitet, hieß es laut „Falter“ (Mittwoch-Ausgabe) seitens der Staatsanwaltschaft Graz. FP-Generalsekretär Herbert Kickl sagte der Zeitschrift zufolge, nachdem er mit den Fotos konfrontiert wurde: „Sollte sich herausstellen, dass das der Hitlergruß ist, hat das bei uns keinen Platz.“ FPÖ-EU-Spitzenkandidat Andreas Mölzer erklärte, man sei nicht verantwortlich für alles, was die etwa 1000 Teilnehmer dieser Veranstaltung gemacht hätten.

Gleichzeitig hat der Vorfall in Ebensee, wo Jugendliche eine Gedenkfeier im früheren Konzentrationslager mit Sieg-Heil-Rufen gestört hatten, eine Diskussion über den Unterricht an Schulen ausgelöst. Die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Luitgard Derschmidt, forderte am Dienstag mehr politische Bildung an den Schulen: „Sie ist Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Jugendliche werden damit befähigt, plakative Sager oder angstmachende Parolen zu durchschauen.“

 

Holocaust: 30 Stunden Unterricht

Was sehen die Lehrpläne vor? In der achtenSchulstufe stehen 20 bis 30 Geschichtsstunden über totalitäre Systeme, NS-Zeit und das jüdische Leben vor und nach dem Holocaust auf dem Lehrplan. An höheren Schulen ist das Dritte Reich in der siebten Klasse erneut Thema. Doch obwohl Lehrer versuchen würden, das Thema mit Empathie zu vermitteln und durch Vorträge von Zeitzeugen fassbar zu machen, „sind wir ratlos, wie wir Aktionen Jugendlicher wie jene in Ebensee verhindern können“, sagt Manfred Wirtitsch, Leiter der Abteilung für Politische Bildung im Unterrichtsministerium.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2009)

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