Migration als Gratwanderung

Wien soll für Zuwanderer attraktiv werden; aber nur für Schlüsselarbeitskräfte.

WIEN. Es ist ein politisch brisantes Papier, das die Experten der Wiener Zuwanderungskommission Anfang November vorlegen werden. Diese Studie soll keine geringere Frage beantworten als: Welche Zuwanderer dürfen künftig nach Wien?

Wie „Die Presse“ erfuhr, hat die Zuwanderungskommission, die aus Migrationsexperten und Migranten besteht, bereits ihre Arbeit aufgenommen. „Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung stand die Migrationsentwicklung innerhalb der EU“, bestätigt Eugen Antalovsky (Europaforum), zuständig für die Organisation der Kommission, am Montag. Hintergrund der Sitzung: Nach dem Fall der Beschränkungen am heimischen Arbeitsmarkt könnte eine Migrationswelle aus den neuen EU-Ländern Richtung Wien einsetzen. Die Kommission soll klären, wie die Stadt damit umgehen und eine derartige Entwicklung steuern kann. Das Ziel: Wien soll für dringend benötigte Facharbeiter aus dem Osten attraktiver sein als andere europäische Metropolen: „Wir brauchen Zuwanderung. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung und Standortkonkurrenz entsteht aber ein Wettbewerb um die besten Köpfe“, erklärt dazu Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger: „Aus politischem Opportunismus die Schotten dichtzumachen wäre daher nicht nur realitätsfremd, sondern auch gesellschafts- und wirtschaftspolitisch unverantwortlich.“

Die Gratwanderung, welche die Kommission zu bewältigen hat: Für Schlüsselarbeitskräfte aus dem Osten soll Wien eine der attraktivsten Städte Europas werden; das gilt aber nicht für niedrig qualifizierte Migranten. Um diesen Spagat zu schaffen, sollen klare, transparente Regeln für Zuwanderer entworfen werden.

Womit sich die Kommission bis Anfang November noch beschäftigt: Wie soll Wien künftig mit dem Thema Familienzusammenführung umgehen? Und: Wie kann Wien auch für Schlüsselarbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern attraktiv sein?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2009)

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