Polizei: Geigers rätselhaftes Comeback

Ab Montag arbeitet Ex-Kripo-Chef Ernst Geiger (55) wieder für die Bundespolizeidirektion Wien. Wo genau, weiß er aber nicht. Er war im März 2006 wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses suspendiert worden.

(c) APA (Barabara Gindl)

WIEN.Ernst Geiger kehrt am Montag zur Wiener Polizei (Bundespolizeidirektion) zurück. Über die künftige Tätigkeit des 55-Jährigen herrscht Rätselraten. Geiger selbst erklärte am Freitag im Gespräch mit der „Presse“, er wisse immer noch nicht, welchen Job er ausüben werde, nicht einmal sein neues Büro kenne er.

Unter ehemaligen Kollegen Geigers gilt es als sicher, dass ihn Polizeipräsident Gerhard Pürstl – dieser hält erklärtermaßen viel von Geigers Fähigkeiten – direkt unter seine Fittiche nehmen wird. Zu Geigers Job-Description könnten künftig „Spezialaufträge“ (Erstellung von kriminalistischen Analysen etc.) gehören. Manche sprechen von „Koordinationstätigkeiten in der Verbrechensbekämpfung“, andere jedoch meinen, Pürstl habe noch gar keinen richtigen Job für Geiger gefunden.

Der einstige Topkriminalist – Geiger ist seit 30 Jahren Polizist – war im März 2006 wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses suspendiert worden. Er soll, so lautete damals die darauf folgende Anklage, einem befreundeten (und mittlerweile verstorbenen) Betreiber einer Rotlichtsauna den Termin einer Polizeirazzia verraten haben.

Geiger dementierte, wurde im Prozess aber – nicht rechtskräftig – schuldig gesprochen. Im März 2008 wurde das Verfahren neu aufgerollt, Geiger (verteidigt von Anwalt Manfred Ainedter) freigesprochen. Anfang Mai 2009 bestätigte der Oberste Gerichtshof diesen Freispruch. Geiger ist seither rehabilitiert. Der Polizeijurist stand seit seinem unfreiwilligen Aus bei der Polizei als „Global Security Manager“ im Dienste von Frank Stronachs Magna-Konzern.

 

Polizeispitze schweigt

Wiens Polizeivizepräsidentin Michaela Pfeifenberger wollte auch am Freitag noch keine Stellungnahme zu Geigers neuem Engagement abgeben. Polizeipräsident Pürstl ist derzeit auf Urlaub. Klar ist: Zum Zeitpunkt seiner Suspendierung war Geiger provisorischer Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung (KA). Dieser Posten wurde aber mittlerweile mit einem anderen Polizeijuristen, der ebenfalls einen guten Draht zu Pürstl hat, besetzt.

Geiger selbst beteuert zwar, seine neuen Aufgaben noch nicht zu kennen, dennoch (oder gerade deshalb?) sehe er seinem Comeback „mit Spannung“ entgegen. Aber: „Aufgeregt wie am ersten Schultag bin ich nicht. Ich war ja 30 Jahre dabei.“ Trotzdem: Seither habe sich viel geändert. Eine neue Strafprozessordnung sei in Kraft. Das System der Protokollierung sei umgestellt worden. Und seine alte Uniform könne er nicht mehr tragen: Statt Grün ist mittlerweile Blau die Farbe der Polizeibeamten.

Die Lehre aus seiner unfreiwilligen Auszeit: „Wenn man selber einmal verfolgt wurde, sieht man die Dinge nicht mehr nur aus der Sicht eines Verfolgers. Nun weiß ich: Wenn die Weichen in einem Strafverfahren einmal falsch gestellt sind, zum Beispiel durch gefälschte Beweismittel, dann kommt man aus dem Ganzen nur schwer wieder hinaus.“

Auf einen Blick

Hofrat Ernst Geiger arbeitet ab Montag wieder für die Wiener Polizei. Die Frage ist nur, was er dort tut. Auch am Freitag gab sich die Polizeispitze bedeckt. Eingeweihte glauben zu wissen, dass der 55-Jährige dem Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl direkt unterstellt ist und Spezialaufgaben – wie etwa das Erstellen von kriminalistischen Analysen – übernehmen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2009)

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