Den Schnee steuern

Beschneien, Wasser pumpen, Skifahrer befördern: Ein Blick in die Kommandozentrale am Berg.

17 01 2016 GES RR GES HEU Wintereinbruch in NRW Nordrhein Westfalen auf dem Kahlen Asten in
17 01 2016 GES RR GES HEU Wintereinbruch in NRW Nordrhein Westfalen auf dem Kahlen Asten in
Schnee – imago/Reichwein

Der Schnee, auf dem wir heute talwärts fahren, stammt zum Teil schon aus dem Spätherbst. Das galt zumindest für die vergangenen Saisonen. Immerhin kamen im Jänner ein großer Schub an Naturschnee plus die nötige Kälte, um mit technischem Schnee den Pistenbelag aufstocken zu können. Normalerweise wird im November mit der Herstellung von Schnee begonnen, erklärt Christian Kirchebner, Pistenchef am Hochzeiger im Pitztal. „Denn man kann das Risiko nicht eingehen, dass es nicht schneit.“ Aber die Lanzen und Kanonen laufen nicht die ganze Saison, sondern nur bei Bedarf: „Bis Ende Februar sollte die Beschneiung abgeschlossen sein. Damit am Ende der Saison nicht noch ganze Berge an technischem Schnee daliegen“, erläutert Friedrich Eiter, der technische Betriebsleiter, bei einer Technikführung (donnerstags um 13 Uhr) in der Kommandozentrale in der Mittelstation.

Der maschinengemachte ist nämlich kompakter als der natürliche Schnee, und auch trockener, wenn er länger liegt. Letzteren gilt es auch anders zu behandeln, schildert Kirchebner: „Man soll ihn ein paar Tage liegen lassen und später erst verschieben, das ist das Geheimnis der Beschneiung.“ Die ideale Mengenberechnung ist einfacher als die tatsächlichen Faktoren in der Schneeproduktion: Ein Kubikmeter Wasser ergibt 2,2 Kubikmeter Schnee. Und es kostet vier bis fünf Euro, einen Kubikmeter technischen Schnee zu produzieren, 500.000 bis 600.000 davon braucht es pro Saison auch in einem so hochgelegenen Skigebiet wie hier im Pitztal.

Schnee, nur wenn es Sinn macht. Diese Rechnung lässt sich optimieren. In der Mittelstation, im Büro, sitzen Eiter und seine Kollegen am Laptop, vor Bildschirmen, voll im Bilde über alle Details im Skigebiet – über den Betrieb der Lifte, den technischen Zustand der Anlagen, die Kapazität der Schneemaschinen, die Leistung in der Pumpstation und das Rohrsystem vom Speicherteich, aus dem das Wasser für den Schnee kommt, der nur produziert wird, wenn es Sinn macht. Ein Vokabel bei der einstündigen Technik-Lektion am Berg fällt dabei öfters: „Feuchtkugeltemperatur“, die sich aus Lufttemperatur und Luftfeuchte (sprich Lufttemperatur und Wassertemperatur) in Prozent ergibt. Je trockener es ist, desto wärmer darf es sein, damit noch Schnee aus den Düsen sprüht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2016)

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