(Fast) Jeder zweite Einbruch scheitert

Die breite Masse der Täter tut sich immer schwerer, tatsächlich in Häuser und Wohnungen einzudringen. Die Gründe: private Hochrüstung und neue Polizeimethoden.

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imago/Kraehn

Wien. Es ist wahrlich nicht alles gut im Land: 15.516-mal dokumentierten Österreichs Sicherheitsbehörden im Vorjahr in Form von Anzeigen Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser. Gegenüber dem Jahr 2014 bedeutet das zwar einen Rückgang um 9,3 Prozent, dennoch wird das Niveau der Einbruchskriminalität unter Bürgern nach wie vor als hoch erlebt.

Da es kaum ein anderes Delikt gibt, das die öffentliche Meinung und das subjektive Sicherheitsgefühl stärker beeinflusst, kommt der Analyse dieses Feldes inzwischen ein hoher Stellenwert zu. Dabei ergeben sich erstaunliche Details. Fast die Hälfte aller Einbrüche scheitert inzwischen. Oder präziser: In 40 Prozent der aktenkundigen Fälle blieb es beim Versuch.

Aus Sicht der Analysten des Bundeskriminalamts ist das kein Placebo zur Beruhigung der Öffentlichkeit, sondern ein objektiv greifbarer Beleg dafür, dass die Aktivitäten von Bürgern und Polizei tatsächlich Wirkung zeigen. Vor zehn Jahren noch lag der Anteil der (gescheiterten) Versuche bei Einbrüchen in Wohnräume bei 29 Prozent. Was ist seither geschehen?

Eigentümer und auch Mieter haben ganz offensichtlich massiv in Sicherheitstechnik investiert. Mehrere Bundesländer förderten (und fördern) den Einbau von mechanischen Hindernissen wie zum Beispiel speziellen Türen. Das Gleiche gilt für Alarmanlagen. Eine aktuelle, interne Branchenstudie ergab, dass die Nachfrage nach Alarmanlagen bereits das zweite Jahr in Folge um mehr als zehn Prozent gestiegen ist. Aufgrund des starken Preisverfalls würden die Umsätze der zertifizierten Alarmanlagenbauer jedoch seit einigen Jahren stagnieren.

Dabei scheint bereits das bloße Entdecken mechanischer oder elektronischer Gegenmaßnahmen beim Einbruchsversuch Wirkung zu zeigen. Aus der Auswertung der Methoden der Einbrecher weiß man, dass die überwältigende Mehrheit mit einfachsten Tatmitteln, zum Beispiel Schraubenziehern, Zangen und Brecheisen arbeitet. Fast immer sind sie auf möglichst rasches Eindringen und Verschwinden aus. Bemerken sie, dass ein Einbruch – ein gutes Beispiel sind Sicherheitsbeschläge an Fenstern – nicht unmittelbar zum Ziel führt, brechen sie häufig ab. Jene Täter, die ganz gezielt bestimmte Objekte ins Visier nehmen, und einen erheblichen Aufwand betreiben, sind selten. Die technische Aufrüstung der Bürger wurde zumindest teilweise auch von der Polizei angestoßen.

Als das Innenministerium und die Landespolizeidirektionen gegen Mitte der 2000er-Jahre erkannten, dass man sich der Welle an professionalisierten Diebesbanden aus dem Osten nicht allein entgegenstemmen konnte, begann man, konzentriert kriminalpolizeiliche Beratungsgespräche zum Objektschutz anzubieten. Dieses kostenlose Angebot wird stark nachgefragt. Im Rahmen persönlicher und ausführlicher Besuche klären Beamte detailliert über offensichtlich vorhandene Schwachstellen auf, und wie man diese schließt.

Dem Phänomen Einbruchsdiebstahl in Wohnobjekte versucht die Polizei inzwischen jedoch auch mit ganz anderen Methoden zu begegnen. Beim Projekt „Crime Predictive Analytics“ (Cripa) geht es darum, auf Grundlage von Informationen über begangene Einbrüche die Schwerpunkte künftiger Einbruchsversuche vorherzusagen. Dabei geht es um die Bewertung von Wahrscheinlichkeiten, wann und vor allem wo Täter auf Basis kürzlich begangener Taten als Nächstes zuschlagen könnten.

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Computer „schickt“ Polizisten

Cripa wird von Bundeskriminalamt und Joanneum Research in Graz betrieben. Errechnet die Software eine erhöhte Gefahr für eine Region, zeigt die Polizei präventiv Präsenz. „Zugegeben, die Wirkung vorbeugender Maßnahmen ist kaum zu messen“, sagt der stellvertretende BK-Direktor Michael Fischer. Dennoch gebe es deutliche Indizien dafür, dass das Projekt funktioniere. „Immer wieder kommt es vor, dass Kollegen bei Fußstreifen in der Region Einbrecher auf frischer Tat festnehmen.“ Der Einsatzbereich der Software ist jedoch begrenzt. In Regionen, in denen es geringe Fallzahlen (Land) und damit eine dünne Datenbasis gibt, ist die Aussagekraft von Prognosen auf Basis vergangener Taten eher dürftig.

Das Lagebild zum Ausmaß von Einbruchsdiebstählen hat sich seit 2010 bundesweit auf 15.000 bis 17.000 Anzeigen pro Jahr stabilisiert. Nach der Jahrtausendwende waren die Zahlen auf über 20.000 geschnellt. Das Gefühl vieler, dass es vorher besser war, täuscht jedoch nicht. Zwischen 1980 und 2000 verzeichneten die Behörden jährlich nur zwischen 8000 und 12.000 aktenkundige Einbrüche.

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