Architekturschnitzeljagd durch Innsbruck

Mithilfe einer App kann man die architektonischen Höhepunkte Innsbrucks auf eigene Faust erkunden. Und dabei viel Neues entdecken.

Mit einer App kann die Innsbrucker Architektur erkundet werden.
Mit einer App kann die Innsbrucker Architektur erkundet werden.
Mit einer App kann die Innsbrucker Architektur erkundet werden. – (c) Privat

Die Sill entspringt am Brenner, fließt durch das Wipptal am Bergisel vorbei und mündet in Innsbruck in den Inn. Folgt man ihrem Lauf innerhalb von Tirols Landeshauptstadt, stößt man auf bemerkenswerte Architektur. Die App namens „architek[tour]“ des Tiroler Architekturzentrums aut. Architektur und Tirol weist einem dabei den Weg zu insgesamt 26 Stationen entlang der Sill.

Den Anfang macht – einem Torbogen gleich – eine 250 Meter weit gespannte Fuß- und Fahrradbrücke von Anton Widauer im Süden der Stadt. Sie führt über Bahngleise, den Frachtenbahnhof und die Sill. Die Web-App zeigt via Google Maps, wo man sich befindet. Sie informiert mit einem kurzen Einführungstext über das Bauwerk und hält einen Link zur österreichischen Architekturdatenbank Nextroom bereit, wo dann tatsächlich detailliertes Auskennerwissen zu finden ist.

Als nächstes kündigt der digitale Stadtführer ein ganzes Stadtviertel an: Das Tivoli-Areal auf dem Gelände des ehemaligen Fußballstadions wurde Mitte der Nullerjahre neu erschlossen. Vor allem sozialen Wohnbau gibt es hier, aber auch einen im Holzbau errichteten Kindergarten von Reitter Architekten und ein Altersheim von Noldin & Noldin. Ein kubischer Baukörper, der mit seinem Café als Zentrum für den neuen Stadtteil fungiert. Großzügige Freiflächen mit Brunnen, Sitzgelegenheiten und Spielplätzen geben den Blick frei auf die Bergkette im Norden der Stadt. Weiter führt der Spaziergang an zwei älteren Baujuwelen vorüber: Rechterhand liegt das Tivoli-Freibad, das von 1957 bis 1961 von Norbert Heltschl geplant wurde. Den markanten, skulpturalen Sprungturm in Sichtbeton sieht man auch im Vorübergehen. Etwas weiter Richtung Stadtzentrum gelangt man zum Städtischen Hallenbad, das in der Zwischenkriegszeit nach Plänen von Friedrich Konzert gebaut wurde und heute unter Denkmalschutz steht. 2014 wurde die Dachkonstruktion renoviert, ab Mai dieses Jahres ist das Innere des klar gegliederten Gebäudes an der Reihe.

Stationen. Die App geleitet von der einen Station zur nächsten, lockt mit Bildern und interessanten Beschreibungen. Suchenden Blickes ist man unterwegs. Das Jagdfieber erwacht: Kein Bauwerk will man auslassen, alles entdecken, was die Tour bereithält. Wie praktisch, dass da auch ein Lokal mit ambitionierter vegetarischer Küche auf der Route liegt: Oscar kocht wurde 2014 von Christian Dummer und Teresa Stillebacher geplant. Ein weißer Stahlblechkörper zieht sich von der Straße in den kleinen Raum. Der ist winzig, bietet lediglich acht Gästen Platz – eine Reservierung ist dringend zu empfehlen.

Wieder etwas weiter westwärts gerät bald ein markantes, das Stadtbild neu formulierendes Gebäude in den Blick: Headline, im Volksmund Pema-Turm genannt, von Henke Schreieck. Der 49 Meter hohe Turm beheimatet die Redaktionsräume der „Tiroler Tageszeitung“ ebenso wie ein Hotel, an dessen Bar im zwölften Stock eine herrliche Aussicht über die Stadt und guter Kaffee zum Verweilen einladen. Gestärkt geht es weiter an der Sill, die als Naherholungsraum erschlossen wurde und Jogger, Radfahrer und spielende Kinder nach draußen lockt. Direkt am Fluss, auf einer Insel zwischen zwei Armen des Gewässers, thront in beige und schwarz gehalten die Sillinsel. Auf dem ehemaligen Gelände der Spinnerei Herrburger & Rhomberg, das jahrelang verwilderte und als Parkplatz genutzt wurde, entstand 2014 ein hochwertiger Wohnbau. Konzipiert von Johann Obermoser als gestapelte Stadtvillen. Stolzer Quadratmeterpreis inklusive.

Wohnen ist hier an der Sill überhaupt ein wichtiges Thema. Und zwar verdichtetes Wohnen: Viele der aktuellen Wohnbauvorhaben der Stadt sind links und rechts des kleinen Flusses zu finden. So wird die Tour wohl in naher Zukunft um das eine oder andere Projekt weiterwachsen. Wer sich Zeit lässt, ist mit dem Architekturspaziergang gut und gerne einen halben Tag lang beschäftigt. Und hat am Schluss, an der neu errichteten Tiflis-Brücke von Hans Peter Gruber angekommen, das Gefühl, einen Ausschnitt aus dem Alltagsleben der Tiroler Landeshauptstadt gesehen zu haben.

Die App

ARCHITEKTOUR

Die App „architek[tour]“ bietet 14 Routen durch Innsbruck und Tirol. Etwa „not to miss“, architektonische Highlights der Landeshauptstadt von Zaha Hadids Bergiselschanze bis zum Kaufhaus Tyrol von Chipperfield. Ab Sommer soll mit „Ins Land eineschauen“ eine Tour zu den neuen Gemeindezentren verfügbar sein.
Download unter: www.aut.cc

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2016)

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