Unwetter ziehen Spur der Verwüstung durch Österreich

Sturmböen, Starkregen und Hagelschlag wüteten in der Nacht, Tausende Feuerwehrleute waren im Einsatz. Am schwersten betroffen waren Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Niederösterreich, die Steiermark und Wien.

UNWETTER IN �STERREICH: FLACHGAU/SALZBURG
UNWETTER IN �STERREICH: FLACHGAU/SALZBURG
(c) APA/NEUMAYR/MMV (Neumayr/mmv)

Schwere Schäden haben Unwetter am Donnerstagabend und in der Nacht auf Freitag in weiten Teilen Österreichs angerichtet.

In Wien wurde ein Mann von einem Ast getroffen und lebensgefährlich verletzt. Der 32-Jährige erlitt nach 22:00 Uhr an der Alten Donau in einem Gastgarten eine Gehirnblutung, zahlreiche Wirbelbrüche, die zumindest eine Querschnittslähmung nach sich ziehen dürften, sowie einen Bruch des Gesichtsknochens.


Übersichtskarte

Am schwersten betroffen waren Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Niederösterreich, die Steiermark und Wien. Nur Kärnten kam gänzlich regenfrei durch die Nacht.
>> Karte: Die Unwetterschäden im Überblick <<


Die Wiener Feuerwehr war im Dauereinsatz, vor allem in Döbling, Floridsdorf und in der Donaustadt. Allein in der Nacht gab es rund 450 Einsätze zusätzlich.


Schiffs-Havarie auf der Donau

Auf der Donau lief das Ausflugschiff Tegetthoff in Döbling auf Grund und musste ausgepumpt werden. Die 250 Passagiere wurden von einem anderen Schiff aufgenommen und in Sicherheit gebracht.

Schwere Schäden gab es in den Wiener Parkanlagen, der Donaupark wurde teilweise gesperrt. In der Donaustadt wurde das Dach des Geriatriezentrums zum Teil abgetragen. Die Wiener Landwirtschaftskammer wurden die Schäden durch Hageln Sturm und Regen mit bis zu vier Millionen Euro beziffert. Weingärten, Obst- und Gemüsefelder wurden schwer getroffen.

Rätsel um Auto in der Neuen Donau

Eher mit Skepsis betrachteten die Exekutivkräfte folgende Geschichte: In der Früh entdeckten Passanten in der Neuen Donau ein Auto.

Die Zulassungsbesitzerin gab laut Polizei an, im Unwetter am Abend auf dem Parkplatz Kaisermühlen die Orientierung verloren zu haben und ins Wasser gefahren zu sein. Die Frau und ihr Beifahrer konnten sich befreien und wollten sich am Freitag um das Auto kümmern.

Schwere Verwüstungen in Niederösterreich

Auch in Niederösterreich gab es einen Großeinsatz der Feuerwehren. Es waren rund 300 Feuerwehren mit 3800 Mann im Einsatz. Schwere Verwüstungen gab es vor allem in den Bezirken Tulln, Gänserndorf und St. Pölten. Mehrere Brände wurden durch Blitzschläge ausgelöst.

Zwischen Rappoltenkirchen (Bezirk Tulln) und Tullnerbach (Bezirk Wien-Umgebung) stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto mit zwei Insassen. In Klosterneuburg und Purkersdorf (beides Bezirk Wien-Umgebung) wurden mehrere Menschen aus ihren Fahrzeugen geborgen, die in überschwemmten Unterführungen stecken gelieben waren.

Im Raum Neulengbach brach der Sturm zwei Stahlmasten der EVN ab. Rund 50000 Haushalte im ganzen Bundesland waren vorübergehend ohne Strom. Am Freitagvormittag war ein Großteil der Ausfälle schon wieder provisorisch behoben: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die wirklichen Reparaturarbeiten können aber noch Wochen dauern", erklärte EVN-Sprecher Stefan Zach.

Der Stromausfall sorgte auch für einen Großeinsatz des Roten Kreuzes in Pressbaum: Ein Pflegeheim stand kurz vor der Evakuierung, weil viele lebensnotwendige medizinische Geräte nicht mehr funktionierten. Mit Hilfe von Notstromaggregaten und Scheinwerfern wurde dies verhindert.

5400 Feuerwehrleute in OÖ im Einsatz

Vier Verletzte, zehn Millionen Euro Schaden an landwirtschaftlichen Flächen, 500 Gebäudeschäden - so lautet die vorläufige Unwetter-Bilanz in Oberösterreich. 5400 Mann der Feuerwehren leisteten bei über 920 Einsätzen insgesamt 30.000 Stunden Hilfe.

Am Vormittag waren immer noch mehr als 700 Mitglieder mit Aufräumarbeiten beschäftigt. In der Landwirtschaft sind ersten Schätzungen zu Folge 40.000 Hektar betroffen. In manchen Gebieten kam es zu einem hundertprozentigen Ausfall der Ernte, die noch auf den Feldern stand. Besonders schwer getroffen hat es die Maiskulturen. Die Hagelversicherung rechnet landesweit mit etwa 3.500 Schadensmeldungen.

In den Bezirken Braunau und Vöcklabruck fielen teils faustgroße Hagelkörner vom Himmel, drei Personen wurden getroffen und verletzt. Ein Feuerwehrmann stürzte beim Abdecken eines Daches mehrere Meter in die Tiefe. In manchen Ortschaften blieb kein einziges Dach heil. Im gesamten Bundesland wurden Keller und Straßen überflutet sowie Bäume entwurzelt. Westautobahn (A1) und Westbahnstrecke waren blockiert. Rund 9000 Haushalte mussten zeitweise ohne Strom ausharren.


Landwirtschaft: 15 Millionen Euro Schaden

Das Unwetter vom Donnerstag hat in Österreich zu katastrophalen Hagelschäden in der Landwirtschaft geführt, teilte die Österreichische Hagelversicherung am Freitag mit. Insbesondere in den Bundesländern Oberösterreich, Wien, Tirol, Salzburg und Niederösterreich seien vor allem Ackerkulturen, Grünland, Wein, Obst und zahlreiche Gärtnereien betroffen.

Eine Fläche von rund 50.000 Hektar sei in Mitleidenschaft gezogen worden, hieß es. Die Schadensbilanz für die Landwirtschaft würde mehr als 15 Millionen Euro betragen.

Beträchtlicher Sachschaden in Salzburg

Salzburg wurde ebenfalls schwer getroffen. Der entstandene Sachschaden dürfte beträchtlich sein. Am stärksten betroffen war der nördliche Flachgau, wo die Gemeinden Lamprechtshausen, Bürmoos, St. Georgen und Michaelbeuern von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg Umgebung zum Katastrophengebiet erklärt wurden. Tennisballgroße Hagelkörner und heftige Sturmböen verursachten in diesen Gemeinden zahlreiche Beschädigungen an Häusern und Kraftfahrzeugen.

Fünf leicht verletzte Personen wurden im Krankenhaus Oberndorf und Salzburg versorgt. Die Feuerwehr war im Bundesland Salzburg mit über 1.200 Personen bei rund 365 Notfällen im Einsatz. Durch abgeknickte Äste wurde im Gemeindegebiet von Saalfelden (Pinzgau) eine 30 KV-Leitung von der Salzburger AG beschädigt, und ein Teil der Ortschaft Lenzing war für kurze Zeit ohne Strom. Der Schaden konnte rasch von Mitarbeitern der Salzburger AG behoben werden.

Tennisballgroße Hagelkörner in Tirol

Schwere Verwüstungen gab es auch in Tirol. Heftige Gewitter und teilweise tennisballgroße Hagelkörner beschädigten Autos, Häuser wurden abgedeckt, zahlreiche umgestürzte Bäume blockierten Straßen. Hauptbetroffen von den Unwettern waren die Bezirke Kufstein und Kitzbühel im Tiroler Unterland. Die Inntalautobahn (A12) Richtung Osten wurde im Bereich Langkampfen zeitweise gesperrt.

In Kufstein wurden laut Polizei zwei Einfamilienhäuser und das Dach einer Firma in Unterlangkampfen abgedeckt. Bis in die Morgenstunden blieb die Hinterthierseestraße (L30) auf ihrem gesamten Verlauf gesperrt. Wegen Überflutung wurde außerdem eine Unterführung in Kufstein gesperrt. Sieben Leichtverletzte wurden im Bezirkskrankenhaus in Kufstein behandelt. Hagelkörner hatten ihnen Platzwunden am Kopf zugefügt. Sie konnten nach einer ambulanten Behandlung wieder entlassen werden. Im Bezirk Kitzbühel traf es die Gemeinden Kirchdorf, Erpfendorf und Waidring am härtesten. In Waidring fiel ein Baum auf einen Sattelschlepper und beschädigte ihn schwer.

Orkanartike Böen in der Steiermark

Orkanartige Böen richteten in den Obersteiermark erheblichen Sachschaden an Hausdächern, Stromleitungen und Fahrzeugen an. Im Bezirk Liezen waren rund 250 Feuerwehrleute im Einsatz, um zahlreiche blockierte Straßen und auch die Bahnstrecke zwischen Haus und Schladming von umgestürzten Bäumen zu räumen. Zu einem Wassereinbruch kam es im Keller des LKH Rottenmann, es waren aber nur derzeit ungenützte Räume betroffen. Ähnlich war die Situation im Bezirk Mürzzuschlag: Auch hier verursachte Windwurf Sachschäden und Straßensperren, rund 200 Feuerwehrleute mussten ausrücken.

Auch im Burgenland hatte die Feuerwehr einiges zu tun. Bei den 20 bis 30 Einsätzen fanden insgesamt rund zehn Feuerwehren vor allem im Landesnorden entwurzelte Bäume und abgedeckte Dächer vor. Auch am Neusiedler See mussten sechs Feuerwehr-Boote ausrücken, da drei Boote in Seenot geraten waren.

In Vorarlberg wurden auf einer Alpe des Bergs Kanisfluh im Gemeindegebiet von Au (Bregenzerwald) vier Alphütten abgedeckt worden. Insgesamt wurden die Vorarlberger Feuerwehren in den Abendstunden des Donnerstag zu 20 Einsätzen gerufen, meist wegen überfluteter Keller oder umgestürzter Bäume.

 

(APA/red.)

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