Hälfte der Schmetterlinge ist bereits gefährdet

Knapp 52 Prozent der heimischen Tagfalter und 40 Prozent der Nachtfalter sind laut einem Bericht des Biologen Peter Huemer gefährdet. Mit einer eigenen App soll nun sensibilisiert und mehr Datenmaterial erfasst werden.

Schmetterlinge, wie hier im Bild ein Segelfalter, gibt es in Österreich seit rund 40 Jahren immer weniger.
Schmetterlinge, wie hier im Bild ein Segelfalter, gibt es in Österreich seit rund 40 Jahren immer weniger.
Schmetterlinge, wie hier im Bild ein Segelfalter, gibt es in Österreich seit rund 40 Jahren immer weniger. – (c) APA/PETER BUCHNER

Wien. Zuerst waren es die Bienen, jetzt sind die Schmetterlinge dran. Die Rede ist allerdings nicht vom Aufkommen der Tiere, sondern vom Bewusstsein dafür, dass sie gefährdet sind. Laut einem aktuellen Bericht des Tiroler Biologen und Schmetterlingsexperten Peter Huemer (im Auftrag von Global 2000 und Rewe) sind nämlich mehr als die Hälfte der heimischen Tagfalter mittlerweile gefährdet.

Konkret sind 51,6 Prozent aller Tagfalterarten Österreichs und 40,3 Prozent der Nachtfalter gefährdet. Fünf heimische Arten sind bereits ausgestorben, darunter der südöstliche Feuerfalter, der vor 30, 40 Jahren in Niederösterreich und im Burgenland heimisch war. Wobei Studienautor Peter Huemer nicht nur von den gefährdeten Arten sprechen will. „Es gibt auch bei den nicht gefährdeten Schmetterlingen einen dramatischen Rückgang. Aufmerksamkeit bekommen aber oft nur die Schmetterlinge auf der Roten Liste.“ So sei etwa die Anzahl der Zitronenfalter massiv zurückgegangen. „Wenn man heute einen Zitronenfalter sieht, waren es vor hundert Jahren noch hundert.“

 

Dennoch große Artenvielfalt

Österreich hat dennoch im europäischen Vergleich eine recht große Artenvielfalt an Schmetterlingen. So sind hierzulande 4071 verschiedene Falterarten registriert. In Deutschland gibt es hingegen nur 3602 registrierte Arten.

Innerhalb Österreichs gibt es in Hinblick auf Vorkommen und Artenvielfalt große Unterschiede. „Der Osten ist doppelt betroffen, dort sind Schmetterlinge stärker gefährdet, gleichzeitig gibt es eine größere Artenvielfalt“, sagt Huemer. Generell seien die Lebensbedingungen für Schmetterlinge im Osten des Landes schwieriger. Huemer (Jahrgang 1959) befasst sich seit seinem siebten Lebensjahr mit Schmetterlingen und hat vor allem in den vergangenen 30, 40 Jahren einen massiven Rückgang beobachtet. Verantwortlich sind allen voran die Verbauung und die Intensivierung der Landwirtschaft (durch Düngung und Pestizide).

Pro Tag werden in Österreich 19 Hektar verbaut. Aber auch die Lichtverschmutzung macht den Tieren zu schaffen. Auch die Forstwirtschaft, etwa das Ausforsten von Mischwäldern zu Fichtenäckern, und teilweise der Klimawandel tragen zum Rückgang bei.

 

Heimische Pflanzen und LEDs

Mit dem Schmetterlingsbericht und Initiativen wie „Blühendes Österreich“ (von Rewe International AG und Birdlife Österreich) soll nun verstärkt auf das Thema aufmerksam gemacht werden. Auch Privatpersonen können dabei Lebensräume für Schmetterlinge schaffen und diese somit schützen. „Es gibt kein Universalrezept, es sind viele kleine Bedrohungen. Es braucht noch viel Aufmerksamkeit und Sensibilisierung“, sagt Huemer. Er empfiehlt Hobbygärtnern, auf heimische Pflanzen umzusteigen. „Die Thuja zum Beispiel ist ein Albtraum für Schmetterlinge. Sie ist eine giftige Pflanze und auch für Kinder ungeeignet. Besser man setzt zum Beispiel eine Ahorn- oder Fichtenhecke.“ Auch späteres und seltenes Rasenmähen bzw. das Auslassen beim Mähen einer kleinen Fläche, in der Pflanzen wachsen können, nutze Schmetterlingen ebenso wie ein Verzicht auf giftige Spritzmittel. Bei der Gartenbeleuchtung können Schmetterlinge durch den Umstieg auf LEDs, langwellige Beleuchtungskörper (Natriumdampflampen) oder schlicht Kerzen geschützt werden.

Um die Datenlage der heimischen Schmetterlinge zu verbessern, gibt es ab 24. Mai eine eigene Schmetterlings-App (für Android und Apple). Mithilfe einer Fotofunktion und eines Filters kann ein gesichteter Schmetterling bestimmt werden. Die Sichtungen werden in einer Datenbank gesammelt. Gegen Ende des Jahres sollen die Einträge evaluiert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2016)

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