Krankenhaus Nord: Neue Vorwürfe

Die Wiener Grünen vermuten, dass der Sieger des Architekturwettbewerbs über interne Informationen verfügte, die anderen Teilnehmern vorenthalten wurden. Nun soll das Kontrollamt prüfen.

(c) Ywu

Wien. Einen „Freudentag“ nannte die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely den 18. Dezember 2008: An diesem Tag präsentierte man der Öffentlichkeit den Sieger des Architekturwettbewerbs des geplanten Krankenhauses Wien-Nord. Den ersten Platz unter 38 Einreichungen in einem EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerb erlangte das Büro des Wiener Architekten Albert Wimmer. Ein – oft zitiertes – „Wohlfühlspital“ soll das neue Krankenhaus in der Brünner Straße werden, ein lichtdurchfluteter Bau, mit einem länglichen Hauptgebäude (einer sogenannten „Magistrale“), von dem kammartig die Bettenbauten wegführen.

Mehr als ein halbes Jahr nach der Präsentation ist von den damaligen Freudengefühlen nicht mehr viel übrig. Gegenwärtig steht die Stadt Wien nicht nur wegen des undurchsichtigen Vergabeverfahrens an das Konsortium Porr/Siemens/Vamed und der nach oben revidierten Kostenangaben des Neubaus unter Beschuss.

 

 

Nun vermuten die Rathaus-Grünen, dass beim damaligen Architekturwetttbewerb einiges nicht korrekt gelaufen ist. Im Detail: Planungssprecherin Sabine Gretner und Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz präsentierten gestern interne Unterlagen des Krankenanstaltenverbundes (KAV), die einen Vorentwurf des Krankenhauses aus dem Jahr 2005 zeigen. Das Frappierende daran: Der Planungsentwurf, mit dem Architekt Wimmer den Wettbewerb gewann, gleicht dem KAV-Konzept, das den Grünen zugespielt wurde. Die bezweifeln nun, dass der Architekturwettbewerb fair verlaufen sei.

Der Vorwurf: Nicht alle Teilnehmer hätten über dieselben Unterlagen – und damit das Wissen um die Präferenzen der Bauherren – verfügt. Die Grünen wollen nun das Kontrollamt einschalten.

 

Wer kannte den Vorentwurf?

Tatsächlich ist in den Unterlagen, die den Teilnehmern des Wettbewerbs vom Architekturbüro Hans Lechner (seines Zeichens Abwickler der Ausschreibung) zur Verfügung gestellt wurden, der Vorentwurf nicht zu finden. Auch in den Fragekolloquien der Bewerber war der KAV-Vorentwurf offiziell „kein Thema“, sagt Gretner. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely dürfte der Vorentwurf dafür bekannt gewesen sein: Eine Studie der MA21 (Stadtteilplanung), in der das Modell angeführt wird, erging auch an sie. „Wehsley muss ein Déjà-vu gehabt haben, als sie später Wimmers Entwurf sah“, vermutet Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz.

 

Informationen vorenthalten?

Beim Auftraggeber KAV findet man diese Vorwürfe „an den Haaren herbeigezogen“, wie Sprecherin Astrid Zimmermann sagt. „Alle Wettbewerbsteilnehmer haben genau dieselben Unterlagen bekommen.“ Bis zur Kür des Siegers habe man nicht gewusst, welches Planungsbüro für die jeweiligen Entwürfe verantwortlich war. Das Zustandekommen des KAV-Vorentwurfs, dem das spätere Siegerprojekt gleicht, erklärt Zimmermann so: „Unsere hausinterne Architektenabteilung hat ein Schema-F-Krankenhaus entwickelt.“ Dass das Gewinnermodell diesem ähnle, hänge lediglich damit zusammen, dass diese Struktur eben die derzeit gängige Krankenhausbauweise sei. Zimmermann: „Die schauen alle so aus.“

 

„Haar in der Suppe“

Noch ein zweiter Aspekt stößt den Grünen sauer auf. Zwei der vom KAV vergebenen Planungsaufträge im Krankenhausprojekt erhielten Firmen mit identer Geschäftsführung: So besorgte das Unternehmen VCE die Bau- und Ausstattungsbeschreibung. Die Firma ARGE FCP soll sich als Teil eines Dreierteams um die „begleitende Kontrolle“ kümmern. Normalerweise werden Ausführung und Kontrolle aber getrennt, kritisiert Gretner.

Beim KAV hält man die Vergabe an die beiden Firmen für unproblematisch. Das sei „ohne Bedeutung“, wie der KAV in einer der „Presse“ vorliegenden schriftlichen Stellungnahme schreibt. „Die Bau- und Ausstattungsbeschreibung gibt allgemeine Standards vor (z.B. welche Vorgaben hinsichtlich ökologischer und hygienischer Aspekte einzuhalten sind)“– sie bestimme weder über konkrete Leistungen noch über einen Preis. KAV-Sprecherin Zimmermann in Richtung Grüne: „Man kann immer ein Haar in der Suppe finden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2009)

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