Tirol: Tierschützer bekennen sich zu Brandanschlag

Die Brandstiftung in der Jagdvilla von Novartis-Chef Daniel Vasella geht auf das Konto militanter Tierrechtsaktivisten. Die Tiroler Exekutive hat die Ermittlungen dem Bundesamt für Verfassungsschutz übertragen.

(c) AP (Ennio Leanza)

INNSBRUCK. In der Nacht auf Montag brannte das Jagdhaus des Schweizers Daniel Vasella, Vorsitzender des Pharmakonzerns Novartis, im Tiroler Ort Bach nieder. Seitens der Konzernleitung in Basel wurde von Beginn an Brandstiftung vermutet. Dieser Verdacht bestätigte sich gestern, Donnerstag, als auf Internetseiten militanter Tierschutzorganisationen ein Bekennerschreiben auftauchte.

Darin rühmt sich eine Gruppe namens „Militant Forces Against Huntingdon Life Sciences“ (MFAH-Austria), Vasellas Haus niedergebrannt zu haben. Die Huntingdon Life Sciences (HLF) ist jene Firma, die im Auftrag großer Konzerne wie Novartis Tierversuche durchführt. Novartis-Chef Vasella war öfter Zielscheibe von Angriffen militanter Tierschützer. Vor Kurzem haben Tierrechtsaktivisten in der Schweiz sogar die Urne mit der Asche von Vasellas Mutter gestohlen und ihren Grabstein geschändet. In der Konzernzentrale ist man besorgt, wie Sprecher Eric Althoff sagt: „In letzter Zeit nehmen Aktionen gegen unsere Mitarbeiter zu und sie werden immer radikaler.“ Zerstörte Autos, Schmierereien auf Hauswänden und Drohungen stehen auf der Tagesordnung.

Die Tiroler Exekutive hat die Ermittlungen dem Bundesamt für Verfassungsschutz übertragen. Im Vorjahr sorgte etwa der Fall von neun österreichischen Tierschützern für Aufsehen, die Monate in U-Haft verbrachten, weil man ihnen Verbindungen zur militanten Szene unterstellt hatte. Ein Verdacht, der sich nicht bestätigte. Dass diese Szene in Österreich existiert, zeigt eine kurze Internetrecherche. Auf einer einschlägigen Seite finden sich Namen, Fotos, Firmen- und Privatadressen sowie Telefonnummern unzähliger Mitarbeiter von Novartis-Österreich und anderer heimischer Pharmafirmen, die mit HLF zusammenarbeiten. Die Betreiber der Seite listen sogar private Angaben zu Angehörigen auf. Und sie machen kein Hehl aus ihren Zielen, wie dort zu lesen ist: „Es ist unsere Absicht, euch fertigzumachen, Huntingdon, und den ganzen dreckigen Abschaum an Angestellten.“ Im Zuge der Recherchen konnte „Die Presse“ Angehörige hochrangiger Pharmamanager erreichen, deren Privatnummern und Wohnadressen aufgelistet werden. Diese zeigten sich schockiert und wollen die Polizei einschalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2009)

Kommentar zu Artikel:

Tirol: Tierschützer bekennen sich zu Brandanschlag

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen