Protest gegen Schließung von Bädern in Oberösterreich

Jedes zweite Freibad in Oberösterreich könnte in den kommenden Jahren geschlossen werden – das sieht ein Plan des Landes vor. Rentabel zu führen sind Bäder selten.

Natur- und Strandbäder sollen nicht von Schließungen betroffen sein: Sie sind günstiger zu betreiben und touristisch wichtig.
Natur- und Strandbäder sollen nicht von Schließungen betroffen sein: Sie sind günstiger zu betreiben und touristisch wichtig.
Natur- und Strandbäder sollen nicht von Schließungen betroffen sein: Sie sind günstiger zu betreiben und touristisch wichtig. – Clemens Fabry

Linz/Wien. Eben erst ist die Badesaison angelaufen, da ist schon wieder von Badeschluss die Rede. In Oberösterreich zumindest, denn das Bundesland sei überdurchschnittlich mit Bädern versorgt, heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens Con.os im Auftrag des Landes. Und weil (nicht nur in Oberösterreich) Bäder meist nur dank öffentlicher Subventionen überleben, stehen zahlreiche vor der Schließung, wie es ein Plan des Landes Oberösterreich vorsieht. Von derzeit 230 Frei- und Naturbädern sollen mittelfristig, also in etwa bis 2025, nur 100 übrig bleiben.

Da die 86 Naturbadeanlagen günstiger zu betreiben und wichtig für den Tourismus sind, könnte die Schließungswelle jedes zweite der derzeit 144 Freibäder treffen. Von aktuell 20 Hallenbädern sollen nur die vier in Linz und acht oder neun zusätzlicher Bäder am Land übrig bleiben.

 

Plan ist schon in Kraft

Die Studie, die die Schließungen nahelegt, stammt aus dem Vorjahr, die Grünen Oberösterreich legen aber nun Protest dagegen ein. Am Donnerstag wollen sie einen Antrag zur Rettung der Freibäder im Landtag einbringen. Sie fordern, dass das Land ein Programm zum Erhalt der Bäder ausarbeitet und den Plan der Bäderschließung einer Prüfung unterzieht.

Schließlich hat der zuständige Landesrat, Michael Strugl (ÖVP), erst vorige Woche in einer Anfragebeantwortung bestätigt, dass der Schließungsplan bereits in Kraft sei. Eine konkrete Liste, welche Bäder zusperren sollen, gibt es aber nicht. Vielmehr sollen Förderungen für Sanierungen (der laufende Betrieb wird ohnehin nicht vom Land gefördert) nur noch nach strengeren Kriterien zugesprochen werden. Entspricht ein Bad diesen nicht, können die Kommunen eine Sanierung selbst zahlen – oder ein Bad muss früher oder später zusperren. Diese Kriterien gelten bereits: So soll es beispielsweise nur noch ein Freibad im Radius von 15 Kilometern oder 15 Minuten Anfahrtszeit geben, für Hallenbäder ist ein Einzugsgebiet von 100.000 Menschen bzw. ein Radius von 30 Kilometern vorgesehen. Sucht eine Gemeinde, deren Nachbargemeinde auch ein Freibad hat, künftig um eine Förderung an, soll diese erst erteilt werden, wenn sich die beiden Gemeinden geeinigt haben, welchen der beiden Standorte sie gemeinsam erhalten und welchen sie schließen wollen, wie aus der Anfragebeantwortung von Landesrat Strugl hervorgeht.

Der grüne Sportsprecher, Severin Mayr, fürchtet eine Schließungswelle, schließlich wurden die meisten Bäder in den 1970er-Jahren gebaut, damit stünden zahlreiche Sanierungen an. Die Grünen fordern, den Erhaltenswert eines Bades mit zusätzlichen Kriterien zu beurteilen: dem Wert für Lebensqualität und Gesundheit etwa. Oder ob ein Bad innovativ und energieeffizient saniert werden kann. Im Land argumentiert man den Schließungsplan mit Überversorgung und dem enormen Förderbedarf.

 

Problem für ganz Österreich

Das ist kein oberösterreichisches Problem: Hallenbäder wurden schon in etlichen Bundesländern geschlossen. Und selbst die stark frequentierten (und subventionierten) Wiener Bäder „erwirtschaften“ jedes Jahr ein Defizit im zweistelligen Millionenbereich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2016)

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