Innsbruck: Umstrittener Umzug verlief friedlich

„Los von Rom“-Parolen, aber keine Zwischenfälle beim Landesfestumzug. Insgesamt marschierten rund 26.000 Mitglieder von Traditionsverbänden, aber auch Verbände der ehemaligen Feinde Frankreich und Bayern durch die Stadt.

(c) APA (Robert Parigger)

Innsbruck (APA/red.). Sogar ein Fernsehteam aus Australien war angereist, um dabei zu sein: Am Sonntag fand in der Innsbrucker Innenstadt der im Vorfeld heftig diskutierte Landesfestumzug statt. Der Höhepunkt im Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009, bei dem man dem 200-Jahr-Jubiläum der Bergiselschlachten gedachte, verlief weitgehend friedlich und ohne die befürchteten Zwischenfälle.

Und das, obwohl es im Vorfeld durchaus Spannungen gegeben hatte. Auslöser dafür waren vor allem einige teilnehmende Südtiroler Verbände, die den Festumzug wie angekündigt dazu nutzten, um die Unabhängigkeit Südtirols von Italien zu fordern. „Selbstbestimmung für Südtirol“ stand etwa auf einem der Transparente. Eine Schützenkompanie aus dem Südtiroler Pustertal hatte „Los von Rom“ in großen, schwarzen Blockbuchstaben auf ein Transparent gedruckt, das sie auf dem 7,5 Kilometer langen Umzug vor sich hertrug. Im Vorfeld war darüber diskutiert worden, ob derartige Spruchbänder beim Umzug, der vom Tiroler ÖVP-Politiker Andreas Khol koordiniert wurde, verboten werden sollten: Sie blieben erlaubt– und sorgten zwar bei manchen der rund 70.000 Teilnehmer für Kopfschütteln, nicht aber für die befürchteten Konflikte.

 

Dornenkrone wurde „entschärft“

Auch die umstrittene überdimensionale Dornenkrone aus Metall, die als Symbol für die Unterdrückung der Südtiroler durch Italien gilt, hätte beim Umzug eigentlich nicht dabei sein sollen. Man einigte sich auf eine „entschärfte“ Version: 2009 Rosen zierten die Krone auf ihrem Weg durch die Stadt. Beim letzten großen Umzug vor 25 Jahren hatte die Dornenkrone für Proteste Italiens gesorgt.

Insgesamt marschierten bei Schönwetter und sommerlichen Temperaturen rund 26.000 Mitglieder von Traditionsverbänden, darunter zahlreiche Schützen aus dem Trentin, Nord- und Süditrol, Burschenschafter und Trachtenvereine wie auch das Bundesheer, aber auch Verbände der ehemaligen Feinde Frankreich und Bayern durch die Stadt. Die Polizei zählte 70.000 Zuschauer – statt der erwarteten 50.000 –, der ORF übertrug den Umzug live.

Begonnen hat der Festakt vor der Innsbrucker Hofburg, vor der die Tribüne für die Ehrengäste, darunter Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll, aufgebaut war. Bundespräsident Heinz Fischer schritt zu Beginn die Ehrenkompanie ab. Aus sieben historischen Kanonen wurden 21 Salutschüsse abgegeben. Fischer sprach in seiner anschließenden Rede von Tirol als geschichtsbewusstem Land. Man habe nicht vergessen, was vor 200 Jahren geschehen sei, und auch nicht, was Hitler und Mussolini in Südtirol angerichtet hätten. Heute schätze man die erreichten Lösungen.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter sprach in seiner Rede davon, dass sich in den letzten Jahren „viel getan“ habe. Die Grenzen seien gefallen, man habe eine gemeinsame Währung, vieles wachse zusammen. Der Umzug sei ein „Symbol für den Aufbruch in einem gemeinsamen, friedlichen Europa“.

AUF EINEN BLICK

Der Landesfestumzug am Sonntag in Innsbruck war der Höhepunkt im Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009. 26.000 Mitglieder diverser Traditions- und Schützenvereine nahmen teil, die Polizei zählte 70.000 Besucher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2009)

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