Hausarzt genießt höchstes Vertrauen

95 Prozent wollen, dass der Hausarzt unbedingt erhalten bleibt. 41 Prozent sind der Meinung, dass das Gesundheitssystem Österreichs generell in eine falsche Richtung geht.

(c) HELMUT FOHRINGER / APA

Wien. Verständnis für die Sorgen der österreichischen Ärzte, kaum Optimismus über die künftige Entwicklung des Gesundheitssystems sowie grundsätzliche Zufriedenheit, was Öffnungs- und Wartezeiten bei praktischen bzw. Fachärzten angeht. Das ist das Fazit des Gesundheitsbarometers im Auftrag der Wiener Ärztekammer, der am Dienstag präsentiert wurde. Befragt wurden zwischen 20. September und 4. Oktober 1000 Personen ab 16 Jahren. Im Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse.

 

Stimmung

41 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass das Gesundheitssystem generell in eine falsche Richtung geht. 46 Prozent sind gegenteiliger Meinung, der Rest machte keine Angaben. Für Peter Hajek, Leiter der Befragung, ein eindeutiges Votum – vor allem, weil die Stimmung noch vor einigen Jahren deutlich besser war. Besonders pessimistisch äußerten sich Frauen, die Stadtbevölkerung und Personen mit höherer Bildung. Zudem finden 56 Prozent, dass vonseiten der Gesundheitspolitik zu wenig auf die Meinung der Ärzte gehört wird.

 

Spitäler

72 Prozent gaben an, die Sorgen der Spitalsärzte zu teilen und für ihre Protestmaßnahmen (gemeint ist etwa der Streik der Wiener Spitalsärzte vor einigen Wochen, die gegen die Reduzierung von Nachtdiensten protestiert haben) Verständnis zu haben. In Wien sind es sogar 75 Prozent. Noch mehr Verständnis zeigen Personen, die mit dem Gesundheitssystem im Allgemeinen nicht zufrieden sind, und wiederum Frauen. „Auch die Patienten erkennen, dass hier seit Jahren ein gesundes System krankgespart wird“, sagt Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart.

 

Ordinationen

Obwohl die Ärztekammer ihre Forderung nach 1400 neuen Kassenärzten, davon 300 in Wien, vor allem auch mit langen Wartezeiten für Patienten begründet, haben sich die Befragten mehrheitlich zufrieden mit den Öffnungs- und Wartezeiten in Ordinationen gezeigt. Bei praktischen Ärzten sind 66 Prozent sehr oder eher zufrieden mit Wartezeiten, bei Fachärzten 55Prozent. Was den Verwaltungsaufwand der Ärzte in Ordinationen angeht, würden 53 Prozent einer Reduktion zustimmen. 82 Prozent sind der Meinung, dass die Krankenkassen viel mehr Leistungen bei der Prävention und Vorsorge übernehmen sollten.

72 Prozent gaben an, dass es mehr Fachärzte braucht. 70 Prozent sprachen sich für mehr praktische Ärzte aus – dabei hat Österreich laut einer OECD-Studie mit fünf Ärzten pro 1000 Einwohner die höchste Ärztedichte Europas. Bei Pflegekräften hingegen befindet sich Österreich im Mittelfeld.

 

Gruppenpraxen

Viel Aufklärungsbedarf besteht noch beim Konzept des Primary Health Care (PHC), also Gruppenpraxen mit Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen und längeren Öffnungszeiten. 60 Prozent der Österreicher kennen diesen Begriff nicht einmal. Von jenen, die wissen, was ein PHC ist, vertraut bei der Umsetzung weiterer Zentren lediglich jeder Fünfte (22 Prozent) dem Gesundheitsministerium – der Ärztekammer hingegen vertraut mit 51 Prozent der Befragten jeder Zweite.

Ein noch höheres Vertrauen genießt nur einer: der klassische Hausarzt. 95 Prozent (Hajek: „nordkoreanische Verhältnisse“) fordern, dass er unbedingt erhalten bleiben muss. Steinhart: „Für die Patienten sind und bleiben unsere Hausärzte die Zukunft.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2016)

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