Der Weg ist das Ziel

Bevor man sich in Tiefschnee, Firn und Bruchharsch wagt, muss man Fahrtechnik und den Umgang mit dem Lawinenrisiko verinnerlichen.

Skifahren
Skifahren
Skifahren – (c) Clemens Fabry

Vorausgesetzt, es gibt Naturschnee, ist es einfach, sich mit der Materie des Skitourengehens vertraut zu machen: Für manche Skigebiete bedeutet der Tourenboom ein zweites, zartes Leben nach dem Tod, auf dem man vielleicht in der Zukunft aufbauen können wird. Der Lift ist weg, aber die Piste bleibt – nicht oder nur ein wenig präpariert und von vielen zerfahren, wobei gerade solche verspurten Strecken eine gute Übung für den späteren Ausflug ins unverspurte Gelände sind. Auf der Bichlalm in Kitzbühel oder am Mieminger Plateau hinter Innsbruck etwa ist das zum Beispiel der Fall, ebenso am Dobratsch oder am Verditz bei Villach. Auch explizite Tourenlehrpfade wie in Dienten am Hochkönig freunden den Beginner mit den Gefahren und Fertigkeiten an: Aufmagazinieren der Ski mit Fellen, gehen beziehungsweise schieben mit Tourenbindung, Steilstellen meistern in Spitzkehren.

Ziel ist das klassische Tourengehen in der freien Natur – nicht das leistungsorientierte Sporteln am Pistenrand. Man geht eine Tour der besonderen alpinen Landschaft wegen, sucht sich je nach Lawinengefahrenstufe (3 bedeutet bereits „erheblich“), Wetter, Schneebeschaffenheit, Hangneigung und -disposition eine spezielle Route, legt eigene Spuren, wenn keine da sind. Vor allem: Die Höhenmeter nach oben sind so wichtig wie jene nach unten. Ohne Druck, im lockeren Flow und mit großen Abständen sollte man in beide Richtungen unterwegs sein. Schön, wenn man allein auf weiter Flur unterwegs ist, denn viele Tourengeher belasten die Spannung der Schneedecke und steigern das Risiko, dass sich die von Wind, Niederschlag und Temperaturschwankungen geformten Schichten entladen. Doch ganz auf sich gestellt sollte man im Hinblick auf Schneebretter auch nie sein. In Kursen des Alpenvereins oder bei den SAAC-Lawinen-Camps lernt man, was im Ernstfall zu tun ist. Einfache Methodiken helfen Skifahrern am Berg in jeder Situation über „Stop or Go“ zu entscheiden. Denn ein „Wird schon gut gehen“ kann unter Umständen die letzte Entscheidung sein.

In Zahlen

1/3 der Aufstiegszeit braucht es in der Regel hinunter.

34 Prozent Hangneigung und darüber hinaus sind sehr kritisch bei Lawinenwarnstufe 3 (von 5).

15 Minuten ist das Überlebenszeitfenster unter einer Lawine.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2017)

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