Amethyste suchen, Meteoriten berühren

Der weltweit größte freigelegte Amethystgang, viele Mineralien und Diamanten im Edelsteinhaus und ein Schatzgräberfeld für Kinder: Die Amethystwelt Maissau in Niederösterreich ist soeben wieder in die Saison gestartet.

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(c) Clemens Fabry

Die Chancen, dass man hier bald wieder wegkommt, sind eher gering: Wer seinen Kindern das Schatzgräberfeld zeigt, ist sozusagen selbst schuld: Einen Ort, an dem man sich schmutzig machen darf, mit Schaufel in der Erde wühlen und dabei mit etwas Glück mehrere schöne violette Steine – Amethyste – ausbuddeln kann, gibt man als Kind – zu Recht natürlich – nur sehr ungern auf.

Keine Frage, für die jungen Besucher der Amethystwelt Maissau – etwa 50 Minuten von Wien entfernt – ist das Schatzgräberfeld, in dem man sich im Schürfen versuchen kann, sicher das Highlight des Besuchs, für den man ruhig etwas Zeit einplanen sollte. Das wäre auch ganz im Sinn der Betreiber der Amethystwelt, die sie als Ausflugsziel und nicht nur als Ort der Wissensvermittlung positionieren wollen.

Wobei: Zu erfahren (und durchaus auch zu staunen) gibt es auch für erwachsene Besucher einiges. Es sind – neben einigen Spazierwegen auf dem Areal, die in der warmen Jahreszeit sicher nett sind – zwei zentrale Orte, die man hier im Rahmen von Führungen (und nur so) besuchen kann: Zum einen ist das der Amethyststollen, das Herzstück, das auch der Grund ist, wieso die Amethystwelt überhaupt vor rund fünfzehn Jahren als Ausflugsziel entstanden ist.

Wie man beim Besuch erfährt – ein Kurzfilm erklärt, wie Amethyste entstehen –, wurden in der Vergangenheit immer wieder violette Steine in der Gegend um Maissau gefunden, blieben aber unbeachtet, bis der Sache in den 1990ern genauer nachgegangen wurde.

Probebohrungen zeigten, dass sich unterirdisch tatsächlich ein ganz außerordentliches Amethystvorkommen befindet. Das zum Teil freigelegt (und nachträglich überdacht) wurde – der heutige Stollen. Was ihn besonders macht, erzählt Kurator Michael Zacek, ist, dass es den Amethyst in dieser Form – als Band, der sogenannte Bänderamethyst – weltweit nur selten gibt. (In Südamerika, auch das wird hier gezeigt, etwa kommt er eher in Geodenform vor). Es handelt sich bei der Maissauer Attraktion sogar um den global größten freigelegten Amethystgang.

Neue Inszenierung. Als Besucher nähert man sich diesem Stollen über Stufen, dann sieht man im Gestein auch schon das violett gefärbte Band, an dem man entlangspazieren kann. Daneben gibt es allerlei Infos über die Funde, Bohrungen und die Forschungsarbeiten auf dem Areal (alle paar Jahre führt die Montanuni in der Nähe wissenschaftliche Grabungen durch.) Der Amethyststollen wird demnächst einem Facelift unterzogen: So soll er etwa durch neue Beleuchtungen noch spektakulärer inszeniert werden.

Am Ende des Stollens geht es wieder hinauf und hinaus ins Freie – aber nur kurz. Gleich ein paar Meter weiter wartet das Edelsteinhaus auf alle, die wollen. 2012 als weitere Attraktion eröffnet, nachdem die Besucherzahlen nachgelassen haben, gibt es hier in der (räumlich nicht sehr großen, aber sehenswerten) Dauerschau eine Vielzahl an Steinen und Kristallen zu bestaunen. Manche Exponate, wie einen recht großen Meteoriten, darf man sogar angreifen, was nicht nur Kindern gefällt.

In den abgedunkelten Räumen kommen die Mineralien aus aller Welt gut zur Geltung: Da gibt es Bergkristalle aus Österreich, einen fast unnatürlich leuchtenden Opal oder den türkis-weißen Amazonit Albit, um nur einige Mineralien zu nennen, an denen man vorbeikommt, ehe man in die Räume eintaucht, in denen bis Jahresende die Sonderausstellung „Fancy Diamonds“ (siehe Artikel unten) gezeigt wird.

Wer noch nicht auf dem Schatzgräberfeld war, den wird es wohl spätestens jetzt dorthin ziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier an einem schönen Wochenendtag Dutzende Kinder graben, ist sehr hoch, am 22. April, am Kids Day (mit allerlei Events), sogar noch höher.

Das Schürfen, das durchaus auch als Erwachsener Spaß macht, ist aber nicht gratis: Man benötigt einen Schürfpass (für Kinder: sieben Euro für eine Stunde, die Familienkarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder kostet 22 Euro), dafür kann man sich Schaufel, Hammer und Kübel ausleihen – und eine Handvoll der gefundenen Amethyste mit heimnehmen. (Theoretisch auch mehr, kostet aber extra.)

Wer noch nicht genug Steine hat, kann auch im (kürzlich erweiterten) Shop fündig werden: Hier gibt es günstige Steine, die sich die Kinder vom eigenen Taschengeld um ein paar Euro kaufen können, aber auch teurere Steine und auch Schmuckstücke, nicht alle ganz kitschfrei. Der Fokus liegt auf dem Amethyst, aber auch andere Steine sind im Sortiment.

Hat man dann noch Energie, kann man den netten Spielplatz gleich beim Parkplatz (eine öffentliche Anreise ist machbar, aber mühsam) besuchen. Demnächst wird auch eine Tiererlebniswelt mit einigen Bauernhoftieren als neue Attraktion dazukommen. ?

Amethyst

Ein Amethyst ist ein meist hell- oder dunkelvioletter Quarz. Sein Name leitet sich vom griechischen amethystos ab, das „unberauschbar“ oder „nicht betrunken“ heißt. Schon im alten Ägypten wurde er als Schmuckstein geschätzt.

AmethystWelt

Die Amethystwelt ist täglich von 10 bis 17 Uhr, ab Mai bis 18 Uhr geöffnet. Amethyststollen und Edelsteinhaus sind nur im Zuge von (stündlich stattfindenden) Führungen zu besichtigen.

Erwachsene zahlen für eine Führung 11 Euro, Kombiticket: 18 Euro. Ermäßigungen für Gruppen und Kinder. Adresse: Horner Straße 36, 3712 Maissau. www.amethystwelt.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2017)

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