Zwei-Meter-Phallus neben Kreuzweg wurde verhüllt

Die umstrittene Statue in Traunkirchen wurde mit einer Plane - bedruckt mit dem Nietzsche-Zitat "Gelobt sei was hart macht" - verhüllt und soll nach Ostern für einen wohltätigen Zweck versteigert werden.

FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM

Die Teilnehmer des traditionellen Traunkirchner "Antlaß-Singens" in der Nacht auf Freitag sowie jene der Karfreitagsprozession müssen nicht an einem zwei Meter hohen Phallus vorbeiziehen. Die Statue neben einem Kreuzweg wurde Donnerstagnachmittag mit einer gelben Plane verhüllt. Darauf prangt nun allerdings ein Spruch von Friedrich Nietzsche: "Gelobt sei was hart macht".

Besitzer Jürgen Hesz und Bürgermeister Christoph Schragl (ÖVP) trafen einander am Donnerstag zu einem Gespräch. Das Fruchtbarkeitssymbol aus hellenistischer Zeit hatte in der Osterwoche in der Salzkammergutgemeinde für Aufregung gesorgt. Der meterhohe steinerne Penis im Garten der "Russenvilla" am Kalvarienberg wurde vor einigen Tagen im Zuge der Umgestaltung verrückt und zwar in unmittelbarer Nähe einer Kapelle, eine Kreuzweg-Station. Kein Zufall, wie Hausbesitzer und Antiquitätensammler Hesz in einer Pressekonferenz Donnerstagnachmittag zugab.

Er habe schon provozieren wollen. "Vor Gründonnerstag muss er noch prominenter stehen", ordnete Hesz seinen Mitarbeitern an. Natürlich habe es ihn geärgert, dass der Ausbau seiner Villa um einen Kunstspeicher an dem Kreuzweg, der durch sein Grundstück führt, scheiterte. Dass die Geschichte jedoch derartige Wellen schlägt, damit habe er nicht gerechnet. Allein am Mittwoch gab er Medien aus aller Welt 52 Interviews, teilweise musste er kritische Fragen einstecken.

Am Gründonnerstag zeigte er sich dann gesprächsbereit. "Jetzt haben wir uns den Osterfrieden gegeben", kommentierte Hesz den Kompromiss mit dem Bürgermeister. Die Skulptur wurde über Ostern verhüllt, bedankte sich Schragl für das Entgegenkommen. Denn eigentlich hätte der Besitzer auf seinem Privatgrund nichts unternehmen müssen, stellte der Bürgermeister klar.

Für Diakon Rudolf Schrödl ist damit die Angelegenheit erledigt. Auch wenn er persönlich mit dem Phallus kein Problem gehabt habe, respektiere er die Einstellung vieler, die ein Problem damit hätten, in unmittelbarer Nähe der Skulptur ein Glaubenszeugnis abzulegen.

Auf die Frage, was nach den Feiertagen mit der Statue passiere, kam Hesz eine spontane Idee. Er werde sie versteigern lassen und der Gemeinde den Erlös für einen wohltätigen Zweck zur Verfügung stellen. Laut Schätzung des Antiquitätenhändlers ist "das gute Stück" zwischen 85.000 und 100.000 Euro wert.

(APA)

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