Flucht aus Gerichtssaal: Angeklagter sprang aus Fenster

"Der Mann nutzte die Beratungssituation aus", sagt der Gerichtssprecher. Bei dem Geflohenen handelt es sich um den Innsbrucker Tiefgaragen-Räuber. Er wurde wieder gefasst.

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Die Festnahme in der Innsbrucker Altstadt
Die Festnahme in der Innsbrucker Altstadt – APA/ZEITUNGSFOTO.AT

Ein Mann, der als Innsbrucker Tiefgaragen-Räuber zu äußerst zweifelhafter Bekanntheit gelangte, ist am Freitag im Rahmen eines Strafprozesses geflohen. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung im Innsbrucker Landesgericht sprang er aus dem Fenster und lief davon.

"Der Mann nutzte die Beratungssituation mit seinem Verteidiger aus, rannte zum Fenster, riss dieses auf und sprang hinaus", schildert der Sprecher des Landesgerichts, Andreas Stutter.

Der Mann floh daraufhin in die Altstadt. Dort wurde er rund eine halbe Stunde nach seinem Entkommen von einem Großaufgebot von Polizei und Justizwache festgenommen.

Zu Konsequenzen aus dem Vorfall konnte Gerichtssprecher Stutter im "Presse"-Gespräch noch nichts Konkretes sagen. Naheliegend ist freilich, dass die gassenseitigen Fenster des betreffenden Gerichtssaals künftig versperrt werden.

Fehler der Justizwache?

Ob es sich um einen Fehler der Justizwachebeamten handelte, ist vorerst schwer einzuschätzen. Drei Mann sollen laut Gerichtsangaben den aus der U-Haft vorgeführten Mann bewacht haben. Dieser soll, noch ehe er sich mit seinem Anwalt hinsichtlich des ausgesprochenen Urteils beriet, zum Fenster gestürmt sein. Ein paar Meter Vorsprung reichten dem Mann, die Justizwache schaffte es knapp nicht mehr dessen Sprung aus dem ersten Stock in ein Gebüsch zu verhindern. Das Justizressort untersucht nun den Vorfall.

Bei dem geflohenen Angeklagten handelt es sich eben um jenen 26-jährigen Kroaten, der beschuldigt wird, im vergangenen Dezember eine Überfallserie auf drei Frauen in Innsbrucker Tiefgaragen verübt zu haben. Dies sagte Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr.

Am Freitag ist der Kroate jedoch wegen Einbrüchen vor Gericht gestanden. Er bekam ein Jahr Haft. Zudem wurde eine frühere, ursprünglich "nur" bedingt verhängte einmonatige Freiheitsstrafe in eine unbedingte Strafe umgewandelt.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Raubüberfällen waren dem 26-Jährigen laut Staatsanwaltschaft eine Reihe von Einbrüchen in Wohnungen und Wohnhäuser nachgewiesen worden.

Opfer: Tochter von Karl-Heinz Böhm

Im Zusammenhang mit den Überfällen in den Tiefgaragen wird gegen den Kroaten in zwei Fällen auch wegen versuchten Mordes ermittelt. Das erste Opfer war eine 34-jährige Schwangere, die am 20. Dezember gegen Mittag in einer Tiefgarage im Gewerbegebiet Mühlau/Arzl von hinten niedergeschlagen und beraubt wurde. Der Angreifer machte sich danach mit einem Fahrrad aus dem Staub.

Einen Tag später wurde die Tochter des bekannten Schauspielers Karl-Heinz Böhm, Sissy Böhm, Opfer des Gewalttäters. Die 61-Jährige wurde in der Tiefgarage ihres Hauses in ein Auto gezerrt und entführt. Ein Unfall in Hall stoppte schließlich die Entführungsfahrt. Die 61-Jährige schwebte daraufhin in Lebensgefahr.

Die Handschellen klickten für den 26-Jährigen schließlich am 22. Dezember. Er wurde in Zirl festgenommen, nachdem er bei einer Verfolgungsjagd gegen eine Mauer gefahren und anschließend zu Fuß geflüchtet war. Zuvor soll der Kroate abermals eine 61-Jährige Frau in einer Tiefgarage attackiert, beraubt und sich mit ihrem Pkw aus dem Staub gemacht haben.

Die Ermittlungen in den Fällen sind noch nicht abgeschlossen, erklärte Mayr. So sei noch ein psychiatrisches Sachverständigengutachten sowie der Abschlussbericht des Landeskriminalamtes ausständig.

(m. s./APA)

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