Diskussion um Spendenaufruf für private Imam-Schule in Linz

Ein türkischer Verein, der etwa vom bayerischen Verfassungsschutz als problematisch eingestuft wird, soll in Linz eine Imam-Schule planen. FPÖ und ÖVP sind strikt dagegen.

Ein Spendenaufruf für die Einrichtung einer privaten Imam-Schule in Linz sorgt seit seinem Bekanntwerden am Dienstag für Diskussionen. FPÖ und ÖVP erklärten in Presseaussendungen, dass sie strikt dagegen seien.

Das Neue Volksblatt berichtete, dass die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) mit Zentrale in Kerpen in Deutschland eine globale Spendenaktion initiiert habe, mit der neun Projekte in Europa finanziert werden sollen, darunter die Mescidi Aksa Moschee in Wien-Liesing und das Vorhaben "Regionalzentrum Linz und Imam Hatip Schule - Für eine gesunde und tugendhafte Gesellschaft". Die in der Türkei verbreiteten IHS-Schulen seien dort Gymnasien für die Ausbildung zum Imamen (Vorbeter) und Prediger. Laut Spendenaufruf sei sie für 200 religiöse Studenten geplant.

Die Zeitung zitiert in diesem Zusammenhang das Urteil des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz über IGMG: "Ihr erklärtes Fernziel ist ... die weltweite Einführung einer islamischen Staats- und Gesellschaftsordnung nach dem Vorbild des alten osmanischen Reichs unter Führung der Türkei. Die Bestrebungen der Milli-Görüs-Bewegung richten sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung." Die in den 1970er-Jahren als Gegenbewegung zur laizistischen Staatsordnung in der Türkei entstandene Bewegung sei heute in ganz Europa und drüber hinaus in den türkischen Gemeinden hochaktiv.

Alif: "Es gibt keine Imam-Schule"

Als Standort für das Projekt in Linz ist in dem Spendenaufruf die Zentrale der Austria Linz Islamische Föderation (Alif) genannt. Deren Chef Resul Koca erklärte in einem Gespräch mit dem Volksblatt: "Milli Görüs interessiert mich nicht. Ich bin Alif" und auf die Frage nach dem beworbenen Projekt: "Es gibt keine Imam-Schule". Dem hält die Zeitung ein IGMG-Video entgegen, in dem Koca im Insert als deren Regionalpräsident bezeichnet wird und das Projekt vorstellt.

Alif ist in mehreren oberösterreichischen Gemeinden aktiv. An einigen Standorten werde Religionsunterricht in einer Form angeboten, die die Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ) als "Koranschulen wie in Afghanistan" bezeichnet, schreibt die Zeitung. Türkische Kinder würden im Koran-Zitieren auf Arabisch gedrillt, selbst kleine Mädchen würden - tugendhaft - das obligate Kopftuch tragen.

Kritik von FPÖ und ÖVP

Der Linzer FPÖ-Obmann Vizebürgermeister Detlef Wimmer kritisierte die Pläne: "Eine derartige Imam-Schule hat in Linz nichts verloren und wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um dies zu verhindern. Ein Verein wie Milli Görüs, der die weltweite Einführung einer Islamischen Gesellschafts- und Staatsordnung in seinen Zielen verankert hat, ist in Linz sowie in ganz Österreich nicht willkommen."

Für die ÖVP lehnte auch Vize-Bürgermeister Bernhard Baier private Imam-Schule der Alif ab. Er verwies darauf, dass der Bund aufgrund des Islamgesetzes 2015 für Forschung und Lehre sowie die Heranbildung des geistlichen Nachwuchses islamischer Religionsgesellschaften eine theologische Ausbildung an der Uni Wien eingerichtet und entsprechendes Lehrpersonal vorgesehen habe. Zudem sei rein widmungsrechtlich ein Gymnasium an dem geplanten Standort überhaupt nicht möglich, es handle sich um ein Betriebsbaugebiet.

>> Bericht im "Neuen Volksblatt"

(APA)

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