Unwetter: Hagelschäden und Brände nach Blitzschlägen

Teils unwetterartige Gewitter haben sich am Sonntag in weiten Teilen Österreichs entladen. Noch bis Mittwoch bleibt die Unwettergefahr bestehen.

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Symbolbild – imago/Gottfried Czepluch

Heftige Gewitter mit starkem Regen, Hagel und Sturmböen gingen am Sonntagnachmittag und -abend in weiten Teilen Österreichs nieder. Das Blitzortungssystem des Wetterdienstes Ubimet registrierte allein bis Mitternacht 118.442 Blitze, davon allein 43.977 in der Steiermark und 24.932 in Niederösterreich.

Neben den Blitzentladungen gab es lokal große Regenmengen in kurzer Zeit, Hagel und Sturmböen. Am meisten regnete es im niederösterreichischen Krumbach in der Buckligen Welt, wo insgesamt 83 Liter pro Quadratmeter zusammen kamen. "Das entspricht nahezu der durchschnittlichen Monatsmenge für Juli", wird Ubimet-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer in einer Aussendung zitiert. Aber auch im steirischen Kapfenberg summierten sich 54 Liter.

Lokal gab es laut Ubimet zudem massiven Hagel, etwa im Waldviertel oder im Raum Leoben in der Obersteiermark.

Unwettergefahr bis Mittwoch

Am Montag und am Dienstag geht es gewittrig weiter, nach wie vor können Unwetter mit großen Regenmengen, Hagel und Sturmböen dabei sein. Dazu bleibt es mit 23 bis 31 Grad sommerlich warm und oft drückend schwül.

Am Mittwoch erreicht schließlich eine Kaltfront Österreich und verdrängt bis zum Donnerstag die heiße, schwüle und unwetterträchtige Luft nach Osten. Am Donnerstag wird es somit zunehmend sonnig und die 19 bis 29 Grad fühlen sich mit lebhaftem Nordwestwind deutlich kühler an.

Mehr als 50 Feuerwehreinsätze in Niederösterreich

Am Sonntag hat der starke Regen zu mehr als 50 Einsätzen von 41 Feuerwehren in Niederösterreich geführt. Wasser war u.a. in den Keller des Landesklinikums Baden eingedrungen, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando am Montag. Zudem wurden Hagelschäden gemeldet.

Die Front am Sonntag war Resperger zufolge über das Waldviertel herein- und bis in den Süden weitergezogen. Einsätze gab es etwa in Krems, in Droß und Langenlois (Bezirk Krems-Land). Im Landesklinikum Baden wurde der Keller laut dem Sprecher bis zu fünf Zentimeter unter Wasser gesetzt. Auch hier half die Feuerwehr.

In Neunkirchen brannte eine Holzhütte in einer Kleingartensiedlung nach Blitzschlag ab. In Trumau (Bezirk Baden) fing der Dachstuhl eines neu errichteten Einfamilienhauses Feuer. Ursache war Resperger zufolge vermutlich ebenfalls Blitzschlag. Die Österreichische Hagelversicherung bezifferte die in den Bezirken Gmünd und Zwettl entstandenen Schäden in der Landwirtschaft mit etwa 700.000 Euro. Ackerkulturen und Grünland auf einer Fläche von rund 3.500 Hektar wurden getroffen.

Umgestürzte Bäume in Tirol

Auch im Tiroler Unterland und Osttirol sind teils heftige Gewitter niedergegangen.  Umgestürzte Bäume und ein Erdrutsch sorgten für Behinderungen. In Außervillgraten durchtrennte ein Blitz die Stromleitung im Bereich der "Trojer Almen", wodurch die Stromversorgung teilweise ausfiel, berichtete die Polizei. Zudem musste die Feuerwehr zu einem durch einen Blitzschlag ausgelösten kleinen Flächen- bzw. Wiesenbrand im Bereich "Bichler Wald" ausrücken. Das Feuer war aber schnell unter Kontrolle.

Im Bezirk Schwaz ging auf der Rotholzer Straße (L218) ein Erdrutsch ab. Dabei wurde das Auto einer Einheimischen beschädigt. Die Straße musste bis auf Weiteres gesperrt werden. Ein Landesgeologe werde die Situation am Montag beurteilen.

Dachstuhl im Flachgau in Brand

Auch im Salzburger Flachgau und im Glemmtal (Pinzgau) mussten die Feuerwehren ausrücken. Insgesamt hielten sich die Schäden aber in Grenzen, berichtete die Landesfeuerwehrzentrale am Montag. In erster Linie mussten die Einsatzkräfte vollgelaufene Keller auspumpen, am Wallersee rückte wegen des Sturms die Wasserrettung aus.

In Mattsee (Flachgau) schlug gegen 19.45 Uhr ein Blitz im Dachstuhl eines Einfamilienhauses ein. Das Haus war zu dem Zeitpunkt leer. Es kam zu starker Rauchentwicklung, die Feuerwehr konnte die Flammen aber rasch unter Kontrolle bringen und löschen. In Neumarkt am Wallersee (Flachgau) unterbrachen umgestürzte Bäume kurzzeitig die Stromversorgung.

Am Wallersee rückte während des Sturms gegen 19.30 Uhr die Wasserrettung mit zwei Motorbooten aus. Laut Alarmierung war auf Höhe des Fenninger Spitzes ein Boot mit Personen gekentert. Die Rettungskräfte fanden zwei unbemannte Ruderboote, die zurück in den Hafen nach Seekirchen geschleppt wurden. Die Insassen hatten sich zuvor an Land retten können und waren über den Landweg zurück zum Ruderbootverleih gekommen.

Blitz zertsört Kinderzimmer in Oberösterreich

Ein Blitz hat am Sonntag während eines Gewitters kurz nach 21.00 Uhr in ein Einfamilienhaus in Sierning bei Steyr eingeschlagen. Auf beiden Dachseiten wurden mehrere Quadratmeter Ziegel in den Garten geschleudert, im Innenraum stürzte ein Teil der Decke mitsamt Dämmung zu Boden. Zwei Mädchen, die in diesem Raum schlafen, waren nicht zu Hause, weil sie bei den Großeltern schliefen, teilte die Polizei am Montag mit. Ihre Eltern und der zweijährige Bruder hielten sich im Erdgeschoß auf. So wurde niemand verletzt.

Im Raum unter dem Dach wurden auch die Steckdosen und Lichtschalter aus der Wand gefetzt. Der Verteilerkasten im Keller und elektrische Leitungen nahmen Schaden. Das ganze Haus war verraucht und roch nach verschmorten Elektrokabeln. Die Feuerwehr räumte auf und dichtete das Dach provisorisch ab.

(Ubimet/APA/Red.)

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