Toter Rekrut hatte akuten Infekt

Blutuntersuchung. Keime führten laut Staatsanwaltschaft zu hohem Fieber. Diese Krankheit sei selten. Das Bundesheer wurde informiert, um über Verabreichung von Antibiotika zu entscheiden.

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Symbolbild – APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Wien. Die Blutuntersuchung des in Horn verstorbenen Rekruten hat einen akuten Infekt ergeben. Es seien die Keime Haemophilus influenzae B und Streptokokkus pneumoniae festgestellt worden, informierte die Staatsanwaltschaft Krems an der Donau. Dies habe der Sachverständige am Freitag telefonisch mitgeteilt. Bei der Obduktion konnten demnach keine Entzündungsspuren an den Organen festgestellt werden.

„Es handelte sich um einen akuten Infekt, die Keimeinschwemmung ins Blut bewirkte offensichtlich das hohe Fieber und war geeignet, eine Sepsis herbeizuführen“, teilte die Anklagebehörde am Freitagnachmittag mit. „Diese Form der Erkrankung ist extrem selten.“ Man habe das Bundesheer über dieses Ergebnis bereits informiert, damit über das allfällige Verabreichen von Antibiotika an Heeresangehörige entschieden werden könne.

Ermittlungen fortgesetzt

Die neuen Erkenntnisse deuten also darauf hin, dass Überhitzung nicht die einzige Ursache für das hohe Fieber und den dadurch bedingten Herzstillstand des 19-jährigen Rekruten sein könnte. Die von der Staatsanwaltschaft Krems angeordneten Erhebungen werden aber dennoch weitergeführt, hieß es am Freitag weiter. Die Blutuntersuchung wurde durch das Hygiene-Institut durchgeführt, der gerichtsmedizinische Sachverständige Wolfgang Denk habe das Ergebnis der Anklagebehörde telefonisch mitgeteilt.

Der Rekrut der Garde war am Donnerstag vergangener Woche nach einem Marsch in Horn verstorben. Der behandelnde Arzt hatte laut Verteidigungsministerium den Verdacht auf eine bakterielle Erkrankung geäußert. Vonseiten des Ministeriums wurde am Freitag auf Anfrage darauf verwiesen, dass aufgrund dieses Verdachts vorbeugende medizinische Maßnahmen für die Gardesoldaten sowie das Personal der Kaserne in Horn ergriffen worden seien. Ob nun weitere Maßnahmen notwendig seien, werde geprüft.

Nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der Untersuchung sagte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, dies „ändert nichts am tragischen Tod eines Kameraden“. Dass eine Vorerkrankung bestanden habe, sei nun ein „wesentlicher Bestandteil der Untersuchungen“. Es sei für die Kommandanten nicht nachvollziehbar gewesen, dass ein junger, sportlicher Mann bei einem Marsch nach rund drei Kilometern zusammenbricht und „trotz aller medizinischer Fürsorge stirbt“.

Lebensgefährliche Keime

Pneumokokken (Streptokokkus pneumoniae) und Haemophilus influenzae B sind zunächst aus der Kinderheilkunde bekannte Bakterien. Erstere treten bei etwa jedem zweiten Menschen im Nasen- und Rachenraum auf und sind in der Regel harmlos. Sie sind aber auch in der Lage, Mittelohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündung auszulösen, eitrige Meningitis oder Lungenentzündungen. Für Kinder ist die Immunisierung gegen Pneumokokken im Gratisimpfplan vorgesehen. Während Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung äußerst unangenehm, aber per se nicht gefährlich sind, können die sogenannten invasiven Pneumokokkenerkrankungen mit Sepsis inklusive Lungenentzündungen sehr gefährlich werden. Auch Haemophilus influenzae B ist ein Keim, der außerhalb von Spitälern bei älteren Menschen oft Lungenentzündungen hervorruft. Prinzipiell sind Infektionen durch Pneumokokken oder Haemophilus influenzae B gut mit Antibiotika behandelbar.

Nach dem Tod des Rekruten hatte die Staatsanwaltschaft Krems Ermittlungen wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen aufgenommen. Bisher noch gegen unbekannt. Auf fahrlässige Tötung steht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen. Fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen wird mit bis zu drei Jahren bestraft. In den Ermittlungen steht eine Vielzahl von Zeugenbefragungen an. Die Klärung der Sachlage werde jedenfalls einige Zeit in Anspruch nehmen.

Der Rekrut war laut vorläufigem Obduktionsergebnis an Überhitzung des Körpers gestorben. Zunächst hatte es keinen Hinweis auf eine relevante bakterielle Erkrankung gegeben. Die Überhitzung des Körpers habe zum Herzstillstand geführt.

(APA/red.)

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