"Wanzenoffensive" in alpinen Hütten

Ein Betrieb in den Kärntner Bergen ist von den Insekten befallen. Laut Schätzungen sind zehn bis 20 Prozent aller Hütten betroffen.

Archivbild: Gemeine Bettwanze
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Archivbild: Gemeine Bettwanze
Archivbild: Gemeine Bettwanze – (c) imago/blickwinkel (imago stock&people)

Alpine Hütten haben immer öfter mit Bettwanzen zu kämpfen. Wie der Alpenverein Klagenfurt am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte, ist die Klagenfurter Hütte von den Insekten befallen - weil gegen die Quälgeister bisher aber nichts half, musste nun der Nächtigungsbereich gesperrt werden. Österreichweit sei das kein Einzelfall - beim Alpenverein ist sogar von einer "Wanzenoffensive" die Rede.

"Wir schätzen, dass zwischen zehn und 20 Prozent aller alpinen Hütten von Bettwanzen befallen sind", sagte Karl Selden, der Vorsitzende des Alpenvereins Klagenfurt gegenüber der Austria Presseagentur. Genauer lasse sich das nicht sagen, da nicht alle Wanzenarten gleich aktiv seien. Den Grund für die zunehmende Verbreitung ortet Selden einerseits darin, dass es einen Trend zu Weitwanderungen gibt, bei der die Alpinisten im Rucksack nicht nur ihre Ausrüstung, sondern auch die Parasiten von Hütte zu Hütte schleppen. "Und wie man von Experten hört, sind sie mittlerweile auch noch gegen viele Insektizide immun", so Selden.

Nächtigungstrakt wird zur Baustelle.

Das bekam man auch in der erst vor Kurzem neu renovierten Klagenfurter Hütte, einem Ausflugsziel in den Karawanken, zu spüren: Nachdem es im Frühjahr die ersten Bettwanzenstiche gab, erhitzte und begaste man die Räume - doch vergebens. Nun wird der Nächtigungstrakt im ersten Stock der Hütte zur Baustelle. Teile der Wände, des Bodens und der Decke in jedem Zimmer werden abgetragen, um den Wanzen auch im letzten Schlupfwinkel den Garaus zu machen. Die Kosten werden mit bis zu 100.000 Euro beziffert - nicht mit einberechnet die Verluste, die dem Pächter durch den Wegfall der Zimmervermietung entstehen.

Warum sich die Wanzen gerade in Hütten so wohlfühlen? "Der Grund dafür ist genau das, was alpines Nächtigen so schön macht - die Ausstattung der Zimmer mit viel Holz. Holz hat überall Spalten und Fluchtwinkel", sagte Selden, der auch glaubt, dass man bei der Gestaltung von Hütten in Zukunft umdenken wird müssen: "Die Zimmer werden in Zukunft wohl puritanischer und nicht mehr so gemütlich eingerichtet werden."

Keine mangelnde Hygiene

Dass der Befall mit mangelnder Hygiene zu tun haben kann, stellte Selden in Abrede: "Wanzenbefall wird definitiv nicht durch fehlende Reinlichkeit, sondern durch Einschleppung verursacht." Bettwanzen sind Fluchttiere, die sich bei Tag in Holzritzen verbergen und nur in der Nacht aktiv werden. Die Blutsauger sind unempfindlich gegen Kälte und können bis zu 40 Wochen ohne Nahrung auskommen. Doch zumindest eine weniger schlechte Nachricht gibt es für Wanderer, die sich über einen Stich ärgern: Wanzen übertragen keine Krankheiten und die Schwellungen, ähnlich einem Stich von anderen Insekten, verschwinden nach rund zwei Wochen rückstandslos.

(APA)

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