Lobbying für Jugend: Bundeskinderbeirat gefordert

Was die Senioren bereits haben, soll es auch für Kinder und Jugendliche geben: ein eigenes Gremium, das die Regierung berät.

Clemens Fabry

Kurz vor der Nationalratswahl formulierte am Dienstag die Österreichische Liga für Kinder und Jugendgesundheit (ein Dachverband von rund hundert Einzelorganisationen) ihre Wünsche an die nächste Bundesregierung, darunter: ein Bundeskinderbeirat.

„Es ist eigentlich eine Zumutung, dass eine so große und für die Zukunft Österreichs relevante Bevölkerungsgruppe keine Interessensvertretung hat! Unser Wunsch an die kommende Regierung wäre ein eigenes Ministerium für Kinder und Jugend – unsere realpolitische rasch umsetzbare Forderung ist ein Bundeskinderbeirat. So etwas gibt es für Senioren ja auch“, sagt Christoph Hackspiel, Präsident der Liga. Er spielt damit auf den bestehenden Bundesseniorenbeirat an, der als beratendes Gremium beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz eingerichtet ist. Ihm gehören der Minister und 34 weitere Mitglieder an, seine Aufgabe ist der institutionalisierte Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Seniorenorganisationen.

Lange Wartezeiten bei Psychotherapie

Inhaltlicher Schwerpunkt bei der Präsentation des Jahresberichts zur Kinder- und Jugendgesundheit war heuer die psychische Gesundheit. Seit Jahren ist bekannt, dass es in Österreich an niedergelassenen Kinderpsychiatern mit Kassenvertrag mangelt. Im Zugang zur Psychotherapie werden lange Wartezeiten und mangelnde Kapazitäten auf Kosten der Krankenkassen beklagt. Derzeit ist es bei einem Bedarf von rund hundert Kinderpsychiatern mit Kassenvertrag erst ein Viertel dieser Zahl.

Apropos Zahlen: Legt man internationale Studien auf Österreich um, müssten zumindest 170.000 Kinder und Jugendliche deutlich psychisch krank sein. Aber nur etwa 36.000 würden eine psychiatrische oder psychotherapeutische Versorgung erhalten, hieß es. In einer Anfang Juni 2017 präsentierten repräsentativen Studie mit 3615 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 18 Jahren berichteten fast 38 Prozent der Buben und etwas mehr als 34 Prozent der Mädchen, schon einmal unter psychischen Problemen gelitten zu haben.

(APA)

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