Umfrage: Vier Prozent fahren unter Drogen Auto

Laut einer Dunkelzifferstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit waren vergangenes Jahr 177.000 Suchtgiftlenker auf Österreichs Straßen unterwegs.

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Symbolbild – Die Presse (Fabry)

Drogenlenker werden ein immer größeres Problem auf heimischen Straßen. Ihre Größenordnung wurde nun erstmals bei einer Dunkelzifferstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) beziffert. Da gaben vier Prozent der Befragten an, sich im vergangenen Jahr nach Suchtgiftkonsum ans Steuer gesetzt zu haben. Hochgerechnet waren damit 177.000 Suchtgiftlenker auf Österreichs Straßen unterwegs.

Das Ifes-Institut hat im Auftrag des KFV im Oktober 1.011 Autofahrer zwischen 17 und 65 Jahren befragt. Sieben Prozent meinten, nach Drogenkonsum schon einmal ein Fahrzeug gelenkt zu haben, obwohl sie sich nicht sicher gewesen seien, ob sie verkehrstüchtig waren. Vier Prozent haben das in den vergangenen zwölf Monaten getan.

Auf einen Drogenlenker kommen vier Alkolenker

"Besonders verbreitet ist der Drogenkonsum und Drogen am Steuer bei Männern unter 40 Jahren", sagte Othmar Thann, Direktor des KFV. 15 Prozent der befragten Lenker gaben an, sich im vergangenen Jahr alkoholisiert hinters Steuer gesetzt zu haben - hochgerechnet sind das 722.000 Menschen. "Das sind etwa vier mal so viele wie unter Drogeneinfluss, somit kommen auf einen Drogenlenker vier Alkolenker", erläuterte der KFV-Direktor.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die Statistik. Das Innenministerium verzeichnete im Vorjahr 27.896 Anzeigen wegen Alkohol am Steuer, um sechs Prozent mehr als 2015. Die Polizei führte 2016 insgesamt 1,674.157 Alkoholkontrollen durch. Dazu kamen 1.491 angezeigte Drogenlenker. Im Vergleich zu 2015 ist dies eine Zunahme um knapp 40 Prozent.

Deutlich fällt auch die Bilanz der Wiener Polizei für das erste Halbjahr 2017 aus. Bis 30. Juni wurden 597 Personen dem Amtsarzt vorgeführt, 515 von ihnen wegen Fahrens unter Drogeneinfluss auch angezeigt. Im selben Zeitraum erwischte die Wiener Exekutive 2.057 Alkolenker.

Mit betrunkenen Fahrern tut sich die Polizei leichter. Im Dezember 2005 wurden die Alkohol-Vortestgeräte eingeführt, rund 1.400 Geräte sind österreichweit im Einsatz. Eine Herausforderung ist hingegen das Erkennen von Lenkern unter Drogeneinfluss. Seit März 2017 gibt es in jedem Bundesland ein Drogen-Vortestgerät. Inklusive 2.700 Kits mit Teströhrchen kosteten die neun Vortester 55.620 Euro. Der Speicheltest erkennt Cannabinoide (THC), Opiate, Kokain, Amphetamin, Metamphetamin und MDMA/Ecstasy.

"Bewusstsein fehlt"

Zeigt das Gerät Suchtgiftspuren im Speichel an, wird der betroffene Lenker zum Amtsarzt gebracht, der bei der klinischen Untersuchung feststellt, ob der Fahrer beeinträchtigt ist. Erhärtet sich der Verdacht, muss der Arzt eine Blutabnahme durchführen. Zwangsweise ist das nicht möglich, bei einer Verweigerung droht jedoch eine Strafe.

"Es fehlt das Bewusstsein, wie sich Drogen am Steuer auswirken können", sagte Thann. Das Risiko, als Lenker schwer verletzt oder getötet zu werden, ist unter Einfluss von Suchtgift bis zu zehn mal höher. Das KFV forderte nun, den Kontrolldruck bei Drogenlenkern zu erhöhen. Ermöglicht werden soll dies durch "mehr Vortestgeräte und einen Pool an ausgebildeten Ärzten", sagte der KFV-Direktor. Denn vor allem am Land gibt es immer wieder Probleme, genügend Mediziner für die Untersuchung zu finden. Den Erfolg effizienter Überwachungsinstrumente habe die Einführung der Alkohol-Vortestgeräte gezeigt. Dadurch sei auch die Zahl der Alkoholunfälle zurückgegangen, erläuterte Thann.

(APA)

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