Sturm "Burglind": 20 Personen aus Tiroler Gondelbahn abgeseilt

Der Höhepunkt der Sturmes naht, die bisher heftigsten Böen wurden in Galzig in Tirol gemessen. Katastropheneinsätze gibt es vor allem in Vorarlberg. In Kitzbühel wurde eine Seilbahn evakuiert.

Der Alptraum vieler Gondelfahrer, das Abseilen wegen eines Defekts.
Der Alptraum vieler Gondelfahrer, das Abseilen wegen eines Defekts.
Der Alptraum vieler Gondelfahrer, das Abseilen wegen eines Defekts. – APA/EINSATZREPORT/PATRICK KLINGLER

Der Sturm "Burglind" hat Mittwoch auch Tirol und Vorarlberg erreicht: Bis 14.00 Uhr wurden an der Messstation am Galzig (2.079 Meter) in Tirol 155,9 km/h verzeichnet, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Dahinter folgte der Brunnenkogel (3.437 Meter) ebenfalls in Tirol mit 137,5 km/h. 128,2 km/h erreichte eine Windböe am Valluga in den westlichen Lechtaler Alpen auf Vorarlberger Gebiet in 2.805 Metern Seehöhe. In den Nachmittagsstunden sollten vermehrt auch im Norden und Osten Sturmböen auftreten, so die Zamg. Vereinzelt dürfte es auch im Süden stürmen.

Der Sturm hat Mittwochnachmittag auch die Hornbahn der Kitzbüheler Bergbahnen zum Stillstand gebracht. Grund war vermutlich ein durch einen Windstoß ausgelöster technischer Defekt einer einzelnen leeren Gondel, wie die Bergbahnen mitteilten. Rund 20 Wintersportler mussten von Bergrettern in Sicherheit gebracht werden. Verletzt wurde niemand.

Zu dem Zwischenfall war es gegen 14.15 Uhr gekommen. Eine bergwärts fahrende Gondel dürfte im Einfahrtsbereich der Mittelstation von einer Windböe erfasst worden sein und löste den Defekt aus. Daraufhin wurde die Bergrettung im gesamten Bezirk Kitzbühel alarmiert.

Während alle von oben kommenden Wintersportler entweder selbst abfahren konnten oder mit Skidoos und Pistenfahrzeugen bis zum Restaurant Hagstein transportiert wurden, mussten etwa 20 Wintersportler, die sich in den Gondeln aus der "Sektion 1", also jener zwischen Tal- und Mittelstation, befanden, mit Seilen geborgen werden.

Der Einsatz wurde gegen 16.30 Uhr erfolgreich abgeschlossen. Mitarbeiter des Roten Kreuzes kümmerten sich um die Evakuierten. Die Hornbahn "Sektion 1" werde morgen, Donnerstag, den Betrieb nicht aufnehmen, damit sie technisch überprüft werden könne, hieß es.

Warum der Sturm Burglind heißt

Der Name Burglind mag für einen Sturm außergewöhnlich klingen. Er wird aber ebenso wie alle anderen Tief- und Hochdruckgebiete, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen, vom Meteorologischen Institut der Freien Universität Berlin vergeben. Die Tradition, dabei Vornamen zu verwenden, geht auf den US-Wetterdienst zurück, der schon im Zweiten Weltkrieg Taifune in alphabetischer Reihenfolge nach weiblichen Vornamen benannt hat. 1954 begann das Institut in Berlin damit Tiefdruckwirbel mit weiblichen und Hochdruckgebiete mit männlichen Vornamen zu benennen. Seit 1998 tragen Hochs und Tiefs abwechselnd weiblichen und männlichen Namen. Heuer erhalten übrigens alle Tiefs weibliche und die Hochs männliche Namen. Mittlerweile können auch Wetterpaten einen Namen kaufen. Die Patin des aktuellen Tiefs ist eine gewisse Burglind Gorn. (APA/ks)

Vorarlbergs Feuerwehren im Dauereinsatz

Der Sturm hat vor allem Vorarlbergs Feuerwehren im Dauereinsatz gehalten. In rund drei Stunden rückten die Feuerwehrleute nach Angaben der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) rund 260 Mal aus. Zwar wurden zahlreiche Straßen durch Bäume verlegt sowie mehrere Hausdächer abgedeckt, verletzt wurde aber niemand. Am frühen Nachmittag schien das Schlimmste überstanden. In Tirol wurden indes bedeutend weniger Einsätze verzeichnet.

Als der Sturm mit Orkanböen gegen 11.00 Uhr in Vorarlberg Einzug hielt, wurden die Feuerwehrleute im Minutentakt gerufen. Am stärksten betroffen war der Großraum Feldkirch, in dem etwa die Hälfte der Feuerwehreinsätze anfielen. Aber auch im Großraum Bregenz und im Bregenzerwald hinterließ Burglind deutliche Spuren. In Sulzberg im Bregenzerwald kam es laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zu Windspitzen von 127 km/h, rund um den Bodensee wurden um die 100 km/h gemessen. "Wettering Vorarlberg" verzeichnete in Mellau (Bregenzerwald) auf 1.400 Meter Seehöhe sogar maximale Windstöße von über 140 km/h. In den übrigen Landesteilen lagen die Windgeschwindigkeiten bei etwa 80 km/h. Gegen 14.00 Uhr beruhigte sich der Sturmwind so plötzlich, wie er gekommen war.

Dabei sorgten die umgestürzten Bäume für etliche Schäden. So wurde bei der Bahnhaltestelle Feldkirch-Altenstadt die Oberleitung abgerissen, von den ÖBB wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. In Langen bei Bregenz kam es laut RFL zu einem kurzzeitigen Stromausfall. In Einzelfällen landeten abgebrochene Baumstämme auch auf Hausdächern und auf Fahrzeugen, wie Betroffene berichteten. Weil die Straßen blockiert waren oder auch aus Sicherheitsgründen waren mehrere Verbindungen zumindest vorläufig nicht befahrbar, darunter die Langener Landesstraße (L2), die Achrainstraße (L49), die Eichenberger Straße (L11) oder auch ein Abschnitt der Feldkircher Straße (L66).

In den höher gelegenen Regionen Vorarlbergs wurden viele Liftanlagen und Seilbahnen aus Sicherheitsgründen gar nicht in Betrieb genommen. So blieben etwa am Arlberg 21 von 88 Bahnen geschlossen, im Skigebiet Silvretta Montafon standen schon am Vormittag 14 von 36 Anlagen still. Im Bregenzerwald war unter anderen das Skigebiet Andelsbuch-Bezau betroffen, das bei Windgeschwindigkeiten von 90 km/h geschlossen blieb.

Weniger Einsätze in Tirol

In Tirol war vor allem das Tiroler Außerfern von Burglind betroffen. Bis Mittag verzeichneten Polizei und Landeswarnzentrale keine nennenswerten "Burglind-Einsätze". Auch etwaige Stromausfälle waren Fehlanzeige. Abgesehen von den Seilbahn-Problemen gab es noch einige weitere Ausfälle. Großteils nicht in Betrieb waren etwa die Bahnen am Stubaier Gletscher, auch am Arlberg sowie in den Tourismushochburgen Sölden und Ischgl kam es zu Ausfällen. In der Skiregion Serfaus Fiss Ladis im Tiroler Oberland ging der Seilbahnbetrieb hingegen fast ausnahmslos seinen gewohnten Gang.

Am Nachmittag kam es dann im Bezirk Reutte zu einigen Einsätzen. Umgestürzte Bäume und die ein oder andere Straßensperre wurden verzeichnet, sagte eine Sprecherin des Landes. Aus dem Bezirk Landeck indes, in dem ebenfalls ein Wüten des Sturms prognostiziert war, seien keine nennenswerten Einsätze gemeldet worden.

(APA)

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