Hauptverband-Chef: Praktische Ärzte sollen auch Kinder mitbetreuen

Um den Mangel an Hausärzten zu beheben, schlägt Hauptverband-Chef Alexander Biach eine bessere Entlohnung der Mediziner vor. Praktische Ärzte könnten künftig auch Aufgaben von Kinderärzten übernehmen, um besser zu verdienen.

In den nächsten Jahren droht ein Mangel an praktischen Ärzten.
In den nächsten Jahren droht ein Mangel an praktischen Ärzten.
In den nächsten Jahren droht ein Mangel an praktischen Ärzten. – Clemens Fabry

Immer mehr Praxen von Hausärzten bleiben in Österreich leer, durch die bevorstehende Pensionierungswelle in der Ärzteschaft wird sich das Problem weiter verschärfen. Der Chef des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, möchte den Beruf des Hausarztes nun attraktiver machen, um das Problem unter Kontrolle zu bekommen.

Wie das gelingen soll? Biach kündigt eine bessere Honorierung der praktischen Ärzte an. "Ich könnte mir vorstellen, dass viele Allgemeinmediziner auch die Möglichkeit bekommen sollen, Kinder untersuchen zu können", sagt  Biach gegenüber dem Radiosender Ö1. Denn auch Kinderärzte seien "extreme Mangelware". Dadurch würden sich für die Hausärzte "neue Untersuchungs- und Abrechungsmöglichkeiten" ergeben. Anders gesagt: Eine Ordination zu übernehmen würde interessanter werden, da die Ärzte besser verdienen würden als bisher.

Noch mehr leere Ordinationen

Denn die vergleichsweise schlechtere Bezahlung in eigenen Ordinationen lässt viele junge Ärzte davor zurückschrecken, eine Ordination zu eröffnen oder zu übernehmen. Derzeit sind laut Ö1 österreichweit 65 Ordinationen unbesetzt. Das mag bei 3.800 niedergelassenen praktischen Ärzten nicht nach viel klingen - gerade auf dem Land aber bedeutet das für viele Menschen, dass sie keinen Arzt mehr in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes haben und weite Wege auf sich nehmen müssen. Da demnächst viele Ärzte in Pension gehen, wird sich das Problem weiter verschärfen.

 

Hauptverband-Chef Alexander Biach – Apa/Anna Rauchenberger

Biach meint, man sei "auf einem guten Weg und in guten Gesprächen mit der Ärzteschaft". Diese - konkret die Ärztekammer - reagierte auch positiv auf Biachs Ankündigung. "Höhere Honorare für Hausärzte und die von der Ärztekammer seit Langem geforderte generelle Möglichkeit, dass Ärzte andere Ärzte in ihrer Ordination anstellen können, wären zwei ganz wesentliche Schritte hin zu einer konkreten Aufwertung des Hausarztberufs", sagte Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassener Ärzte und Vize-Präsident der Österreichischen Ärztekammer.

Er sei gespannt, ob auf die positiven Ankündigungen des Hauptverbandchefs nun auch wirklich zeitnah Taten folgen. "Wir stehen jederzeit für weitere Gespräche zur Verfügung, möchten aber so rasch wie möglich Nägel mit Köpfen machen."

Hausärzte betreuen schon jetzt Kinder mit

Vom Vorschlag Biachs, dass praktische Ärzten Aufgaben von Kinderärzte übernehmen, hält der Vizepräsident der Ärztekammer allerdings nicht viel: Erstens würden Hausärzte im Rahmen ihrer Möglichkeiten Kinder ohnehin mitbetreuen, und zweitens sei auch der Mangel an Kinderärzten wesentlich auf die schlechte Honorarsituation zurückzuführen 

Von den Neos gibt es Kritik an Biachs Vorschlägen. "Problem richtig erkannt - messerscharf die falschen Schlüsse gezogen", kommentierte Gesundheitssprecher Gerald Loacker den Vorschlag des Hauptverband-Chefs. "Eine Erweiterung der Leistungen ändert daran aber gar nichts, wenn diese weiterhin so schlecht honoriert sind, dass Hausärztinnen und -ärzte damit kaum ihre Kosten decken können."

(red.)

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