1600 protestieren gegen Burschenbundball und Türkis-Blau

In Linz gingen hunderte Personen auf die Straße, um gegen die Veranstaltung zu demonstrieren. Uni-Rektor Meinhard Lukas trat indes am Ball selbst gegen Antisemitismus auf.

Archivbild: Demonstrationen gegen den Burschenbundball
Archivbild: Demonstrationen gegen den Burschenbundball
Archivbild: Demonstrationen gegen den Burschenbundball – APA/RUBRA

Mit deutlich mehr Teilnehmern, aber ruhiger als im Vorjahr ist die Demonstration des Bündnisses "Linz gegen Rechts" am Samstagabend in der Linzer Innenstadt über die Bühne gegangen. Rund 1600 Personen - darunter auch die sogenannten "Omas gegen Rechts" - gingen laut Schätzungen der Polizei anlässlich des Burschenbundballs auf die Straße, der Protest richtete sich jedoch vor allem gegen den "Sozialabbau unter Schwarz-Blau" im Bund und in Oberösterreich.

Auf dem umstrittenen Ball selbst bekannte sich indes der Rektor der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Meinhard Lukas, in seiner Eröffnungsrede zum Ehrenschutz für dieses Fest. Gleichzeitig sprach er aber auch über eine "rote Linie", die "gewiss nicht allein das Strafrecht zieht". Konkret meinte er: Er kenne "null Toleranz, wo sich eine menschenverachtende Ideologie wie ein Chamäleon artikuliert". Universitäten würden sich gerade dort eine sorgsame Kommunikation erwarten, "wo uns als Gesellschaft eine besondere historische Verantwortung trifft", meint er in seiner Ansprache. Dies sei eine Botschaft vor allem an Studenten in nationalen Verbindungen.

"Muss sich historischen Ballastes bewusst sein" 

"Natürlich lässt das Liederbuch einer Verbindung keinen Schluss auf alle nationalen Verbindungen zu", trat er gegen Pauschalverurteilungen auf. "Wer aber die im Habsburgerreich geborene deutsch-nationale Idee auch heute hochhält, muss sich ihres historischen Ballastes bewusst sein." Umso wichtiger seien klare Abgrenzungen von den dramatischen historischen Fehlentwicklungen im Namen dieser Idee, so Lukas.

Überschritten wird für den Linzer Rektor die "rote Linie" dann, wenn der "Grundkonsens, der unsere freie, demokratische und humanistische Gesellschaft ausmacht", verlassen werde. Die JKU bekenne sich zu einer pluralen Gesellschaft, daher besuche die Universitätsleitung auch die Rote Nacht (Fest der SPÖ), den Ball des Cartellverbands sowie den Burschenbundball. "Mit unserem Ehrenschutz bekennen wir uns zu einer Universität der Vielfalt - zu nicht mehr und nicht weniger," stellte Lukas klar.

Jedes Jahr fordern die Gegner des Burschenbundballes die JKU sowie den Landshauptmann auf, den Ehrenschutz für diese "Festveranstaltung der extremen Rechten" nicht länger zu übernehmen.

(APA/dpa)

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