Die Polizeiuniform könnte es bald einfacher geben

Ausbildung. Die Polizei hat schon jetzt massive Probleme, geeignete Bewerber zu finden – nur einer von zehn Kandidaten erfüllt die Ansprüche. Wer soll die neuen Planstellen besetzen?

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Wien. Die Zulassung zum Polizeidienst soll einfacher werden, das heißt es aus dem Innenministerium. Schon jetzt hat die Polizei das Problem, dass der Großteil der Kandidaten ungeeignet ist: Im Ministerium heißt es, neun von zehn Bewerbern scheiden aus, in der Gewerkschaft ist von sechs die Rede. Klar ist: Die Polizei hat ein Rekrutierungsproblem – und jetzt sollen zusätzliche Stellen besetzt werden?

Ein Lösungsansatz im Innenministerium: Das Auswahlverfahren soll in ein Stufenverfahren abgeändert werden – wer eine Stufe schafft, darf zur nächsten antreten. Und: Standards könnten gelockert werden. Zum Beispiel, was Tätowierungen betrifft, hat Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) anklingen lassen, mehr weiß man dazu noch nicht. Die Vorgaben für die zweijährige Grundausbildung sind derzeit klar: Mindestalter 18, einwandfreier Leumund, erfolgreicher Rechtschreib- und Grammatiktest, Intelligenz- und Persönlichkeitstest. Ein Bewerber muss voll handlungsfähig und körperlich geeignet sein.

„Jung, gesund und frei“?

Das heißt: Nicht unter- oder übergewichtig sein (wobei der Rahmen großzügig ist), keine Einschränkungen bei Sehschwächen oder Allergien, keine Tätowierungen, die bei kurzärmeliger Sommeruniform sichtbar sind. Und auch ein Sporttest aus Bewegungskoordinationstest, Liegestützen, 3000-Meter-Lauf, 100 Meter Schwimmen und einer Rettungssimulation muss bestanden werden.

„Bist Du jung, gesund und frei, komm zur Wiener Polizei“, so lautete in den Siebzigern ein Slogan – seither wurden die Anforderungen gelockert. Aus Antidiskriminierungsgründen, bzw. um Personal zu finden. So haben seit 2012 auch ältere (zuvor lag die Grenze bei 30 Jahren) und kleinere (zuvor galt 1,63 Meter bei Frauen, 1,68 bei Männern) Kandidaten eine Chance. Übergewichtig oder behindert darf man nicht sein. Seit 2010 dürfen sich (Ex-)Zivildiener bewerben. Auch, was die körperliche Erscheinung betrifft, wurden Richtlinien gelockert.
Die sechs bis neun von zehn Bewerbern scheitern aber ohnehin an anderem: Vor allem am Rechtschreib- und Grammatiktest, oft mangelt es überhaupt an Deutschkenntnissen, obwohl die Staatsbürgerschaft Voraussetzung ist. Laut Gewerkschaft habe sich auch der körperliche Zustand der Kandidaten verschlechtert.

Standards zu senken, dagegen wehren sich Polizeigewerkschafter: An psychologischer und körperlicher Eignung sowie bei Sprachkenntnissen dürfe man nicht rütteln, so der (FSG-)Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger. Lockerungen kann er sich bei Allergien oder Tätowierungen vorstellen. Auch bei Fehlsichtigkeit gebe es eventuell Spielraum. Das Aufstocken der Planstellen sieht er positiv, ortet aber andere Hindernisse: „Um die Leute auszubilden, brauchen wir 100 Lehrer mehr, wir haben jetzt schon 50 zu wenig und finden keine, weil Polizisten als Ausbildner weniger verdienen. So schnell wird das alles nicht gehen.“

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