Wofür die Flaktürme heute verwendet werden

Die verbliebenen ehemaligen Flaktürme in Wien werden sehr unterschiedlich genutzt. Ihre Weiterverwendung lässt die Emotionen regelmäßig hochgehen.

FLAKTURM IM AUGARTEN
FLAKTURM IM AUGARTEN
(c) APA (Roland Schlager)

Die beschauliche Ruhe im Arenbergpark ist zu Ende. Die Stadt Wien will das Betonmonster an einen privaten Betreiber vermieten. Hinter den meterdicken Stahlbetonmauern soll das sicherste Datencenter Österreichs entstehen, also ein Bunker für sensible Daten von Banken bzw. Firmen, die einen sicheren Platz für geheime Forschungsdaten suchen.

Am Montag mobilisierten die Grünen gegen die Pläne der Stadt und forderten den Erhalt des Kriegsrelikts als Gedenkstätte, was von Denkmalschützern unterstützt wird: Der betreffende Leitturm sei der einzige der sechs Flaktürme, der im Inneren noch weitgehend historisch erhalten sei, erklärte Heidemarie Uhl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Denn die Berliner und Hamburger Türme seien abgetragen oder zerstört worden. Der Erhalt des 39 Meter hohen Arenbergpark-Flakturms habe daher eine europäische Dimensionen, so Uhl. Die Flaktürme seien einerseits autoritäre Bauwerke aus dem Geist der NS-Herrschaft und andererseits Mahnmale für die Zwangsarbeiter, durch deren Ausbeutung der Bau ermöglicht wurde, ergänzte Ute Bauer vom Interdisziplinären Forschungszentrum Architektur und Geschichte. Deshalb fordert die grüne Planungssprecherin Sabine Gretner, dass der Turm für Führungen genutzt wird. Eine NS-Gedenkstätte sei gerade jetzt, „da einige Parteien knapp an der Wiederbetätigung kratzen“, so Gretner, von enormer Bedeutung für die Aufklärung der Jugend. Im zuständigen Ressort von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig wird betont, dass bei brachliegenden Kriegsrelikten immer die Frage der Nutzung und deren Finanzierbarkeit wichtig sei. Ein Datencenter habe den Vorteil, dass es keine großen Umbauarbeiten geben müsse, die dem Denkmalschutz widersprächen.

Sängerknaben statt geheimen Datencenters

Während im Arenbergpark die Verhandlungen über ein Datencenter im Flakturm laufen, die Nutzung des NS-Relikts heftig diskutiert wird, ist das Datencenter im Augarten gestorben. Hinter meterdicken Stahlbetonwänden wollte ein EDV-Unternehmen den sichersten Datenspeicher der Welt errichten. Die Pläne, die lange Jahre zurückreichen, scheiterten am heftigen Widerstand des Bezirks und der Anrainer. Auslöser: Der denkmalgeschützte Augarten hätte umgegraben werden müssen.

Derzeit beschäftigen den Bezirk aber andere Dinge. Das Datencenter ist zwar Geschichte, dafür wird ein Investor im Augarten-Spitz eine Konzerthalle für die Sängerknaben errichten – wogegen eine Bürgerinitiative Sturm läuft und ein Widerstandscamp errichtet hat.

Kommandozentrale der Republik

Er bildet mit dem Flakturm im Esterházypark ein Paar, steht im siebenten Bezirk und militärische Sperrmaßnahmen sorgen dafür, dass ihm keiner zu nahe kommt. Die Rede ist vom ehemaligen Gefechtsturm im Innenhof der Stiftskaserne, der seit den späten 50er-Jahren militärisch genutzt wird.

Heute sind u. a. ein Krisenzentrum, Besprechungsräume und EDV-Systeme untergebracht. Für den Fall einer Katastrophe liegen Alarmpläne bereit, um die Regierung aus dem Parlament unterirdisch in den Bunker zu schleusen. Dort steht alles bereit, um die Regierungsgeschäfte im Krisenfall fortführen zu können. Versuche des Bezirks, (militärisch nicht genutzte) Bereiche des Areals für die Bevölkerung öffentlich zugänglich zu machen, scheiterten bisher am Veto des Bundesheeres.

Ein Gefechtsturm für die Fische

Der Manta ist tot. Diese Nachricht gab Franz Six, Vereinspräsident der Freunde des Haus des Meeres (HdM), am Montag bekannt. Das Dahinscheiden des Mantas bezieht sich allerdings nicht auf einen der Rochen im Becken des HdM, von denen sich jeder bester Gesundheit erfreut, sondern auf ein markantes architektonisches Element im Zuge der geplanten Neugestaltung des Flakturms im Esterházypark. In anderen Worten: Das HdM wird auf den geplanten obersten Dachaufbau in Form eines Mantarochens, der über dem „Aqua-Terra-Zoo“ positioniert werden sollte, verzichten. Auf der geplanten blauen Plattenverschalung des Turms, deren Luftblasen die Atemluft eines Tauchers symbolisieren, sollen die Comiczeichnungen von Unterwasserbewohnern entfallen. „Die Fischlein gibt es nicht mehr“, so Vereinspräsident Six launig.

Zur Erinnerung: Im Mai 2009 stimmten die Anrainer im Rahmen einer Bürgerbefragung für das HdM-Projekt, das eine Aufstockung des Turms mit einem riesigen Aquarium und einem Panorama-Café vorsieht. Damit ist ein Hotelprojekt, das ein Wiener Gastronom auf dem Flakturm trotz heftiger Anrainerproteste umsetzen wollte, gestorben. Obwohl: Der Flakturm im Esterházypark wurde in seiner Geschichte bereits einmal als Hotel genutzt, wie eine Meldung vom 8. April 1947 zeigt: „Heute wurde im Flakturm ein Bunkerhotel eröffnet. 38 Zimmer mit 44 Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden. Die einfachen, freundlichen Räume werden durch eine Entlüftungsanlage stets mit temperierter Frischluft versorgt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2010)

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