Viele Kinder nicht geimpft – mehr FSME-Fälle

Das Risiko, durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken, wird in Österreich immer noch unterschätzt. Dabei ist die Zahl der Erkrankungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – besonders stark bei Kindern und Jugendlichen.

Gemeiner Holzbock
Gemeiner Holzbock
Gemeiner Holzbock – (c) imago/blickwinkel (H. Bellmann/F. Hecker)

Wien. Obwohl Österreich bei FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, Entzündung des Gehirns sowie der Hirnhäute) die weltweit höchste Durchimpfungsrate aufweist, ist die Zahl der Erkrankten zuletzt wieder gestiegen – von 64 im Jahr 2015 über 89 im Jahr 2016 auf 116 im Vorjahr. Mehr als 100 Fälle wurden das letzte Mal 2011 registriert.

2017 besonders auffällig: 17 Prozent der Erkrankten waren unter 15 Jahre, weitere sechs Prozent zwischen 15 und 20. Europaweit ist diese Verteilung nicht untypisch, in Österreich aber trat sie seit 15 Jahren nicht mehr auf. Eine Entwicklung, die auf unterschätzte Risken und nicht eingehaltene Impfintervalle zurückzuführen ist. Dabei gibt es bei FSME keine Herdenimmunität (wie bei Viren, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden), die Krankheit ist also nicht ausrottbar.

1. Gibt es in Österreich sichere Gegenden, in denen man sich nicht anstecken kann?

Nein, ganz Österreich gilt als Zeckengebiet. Auch Wien, da sich Zecken (zumeist der Holzbock) beispielsweise zwischen Brennholz oder in Gestrüpp einnisten. Da sie zudem bei sehr tiefen Temperaturen überleben können, sind sie in Österreich das ganze Jahr über aktiv – am aktivsten zwischen März und November. Der typische Aufenthaltsort von Zecken ist die Wiese, selbst auf der Liegewiese im Schwimmbad kann man sich Zecken einfangen.

Auf ihren Wirt lauern sie zumeist auf der Spitze von Grashalmen, auf Büschen und anderen Pflanzen – zumeist bis zu einer Höhe von eineinhalb Metern. Zecken-Larven und -Nymphen klettern nur ein paar Zentimeter hoch, sind aber ebenfalls Überträger, wobei ihr Stich (nicht Biss) zumeist gar nicht bemerkt wird, was sie besonders gefährlich macht. Zecken sitzen im Übrigen nicht – wie oft behauptet – auf Bäumen. Eine Ansteckung mit FSME ist auch durch (nicht pasteurisierte) Kuh- und Ziegenmilch möglich, kommt in Österreich aber selten vor.

2. Wie hoch ist die Impfrate in Österreich, und welchen Schutz bietet die Impfung?

82 Prozent der Österreicher haben sich schon einmal gegen FSME impfen lassen, aber nur 62 Prozent lassen sich ausreichend auffrischen und sind geschützt. Bei den unter Dreijährigen sind lediglich 40 Prozent geimpft, im Jahr 2011 waren es noch 61 Prozent. „Man sollte seine Kinder auch dann impfen lassen, wenn man keine großen Wanderungen unternimmt, sondern etwa nur mit der Familie in den Stadtpark geht“, sagt Kinderarzt Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. Er präsentierte am Mittwoch mit Vertretern des Vereins zur Förderung der Impfaufklärung die FSME-Impfaktion 2018. Denn gerade kleine Kinder seien beim Herumkrabbeln im Gras verstärkt der Zeckengefahr ausgesetzt. Schmitzberger: „Und eine Infektion kann auch bei Kleinkindern schwere Folgen haben.“ Die Impfung bilde also den einzigen Schutz vor einer Ansteckung bzw. Erkrankung. Eine spezifische Heilbehandlung gibt es nicht. Bei gut 40 Prozent der Erkrankten kommt es zu schweren Komplikationen.

3. Wie lange ist man nach einer Impfung geschützt, und was kostet der Impfstoff?

Die beiden vorhandenen Impfstoffe sind für Personen ab dem ersten Lebensjahr zugelassen. Für eine komplette Durchimpfung sind drei Teilimpfungen im Abstand von vier Wochen bzw. einem Jahr notwendig. Die erste Auffrischung erfolgt nach drei Jahren. Bis zum 60. Lebensjahr reicht dann eine Auffrischung alle fünf Jahre, danach alle drei Jahre. Die aktuelle FSME-Impfaktion hat am 1. Jänner begonnen und läuft bis zum 31. Juli. Der Impfstoff für Kinder kostet während der Aktion 30,30 Euro (statt 45,70 Euro), der für Erwachsene 34,80 Euro (statt 49,10 Euro). Die Krankenkassen leisten jeweils Zuschüsse von rund vier Euro.

4. Haben Kälte- oder Hitzewellen oder späte Wintereinbrüche einen Einfluss auf Zecken?

Nein, weder Hitze noch Kälte können Zecken nennenswert schaden. Selbst bei einer außergewöhnlich langen Kältewelle, von der hauptsächlich Larven betroffen wären, würden die Folgen erst Monate später bemerkbar sein – wobei wegen der vielen anderen Faktoren (Vegetation, Tierpopulation in diesem Gebiet) Rückschlüsse auf den Einfluss des Wetters nur sehr schwer zu ziehen sind.

5. Wie sollten Zecken auf der Haut am besten entfernt werden?

Öl, Klebstoff und Benzin sind zur Zeckenentfernung nicht geeignet, weil sie dabei oft ihren Darm entleeren und die Giftstoffe so in das Blut gelangen. Zecken sollten mit einer feine Pinzette oder einer Zeckenzange (in einer drehenden Bewegung) herausgezogen werden. Wichtig ist dabei, die ganze Zecke noch lebend zu entfernen. Gegen Borreliose (Infektionskrankheit, die ebenfalls von Zecken übertragen wird und verschiedene Organe angreift) gibt es keine Impfung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2018)

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