Zwanzig "höchst bedenkliche" Straßennamen in Graz

Eine Expertenkommission hat mehr als 1630 Verkehrsflächen untersucht. 82 sind historisch kritisch, einige andere sogar mehr als das - etwa die Hötzendorf-Straße.

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Die Stadt Graz hat vor knapp vier Jahren eine Expertenkommission eingesetzt, um die Grazer Straßen- und Platznamen historisch zu überprüfen. Der mehr als 1000 Seiten umfassende Abschlussbericht liegt nun vor und brachte 82 kritisch zu betrachtende Namen. 20 davon wurden von der Kommission gar als "höchst bedenklich" eingestuft - darunter etwa die Conrad-von-Hötzendorf-Straße. Der Feldmarschall der k.u.k. Armee ist u.a. wegen seiner Rolle beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs umstritten.

1630 Verkehrsflächen der steirischen Landeshauptstadt wurden untersucht, 793 davon sind personenbezogen. Davon wurden 86 von vornherein als "unverdächtig" ausgeschlossen. Die verbleibenden 707 wurden von der Kommission unter Leitung von Stefan Karner geprüft: 625 davon weisen keine historisch kritischen Ansätze auf, so die Schlussfolgerung. Aber 82 - das sind rund zwölf Prozent - sehr wohl. Handlungsempfehlungen waren nicht im Auftrag inkludiert.

Zusatztafeln oder Umbenennung

Der Bericht wird nun dem Gemeinderat in der nächsten Sitzung präsentiert. Dann soll fraktionsübergreifend diskutiert werden, welche Maßnahmen getroffen werden. Möglich sind sowohl Umbenennungen oder auch alternativ Zusatztafeln. Die Bevölkerung soll ebenfalls eingezogen werden. "Ich schließe nichts aus, wünsche mir aber eine gemeinsame Vorgehensweise", so Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP). In Salzburg habe man ähnliche Probleme mit Zusatztafeln gelöst, deren Aussagen von einer Historiker-Kommission formuliert wurden.

"Es ist eine äußert schwierige und auch besonders sensible Aufgabe. Viele Tatbestände lassen sich heute nicht mehr rekonstruieren, wir kennen oft nicht die Gründe für die einstige Zuerkennung des Straßennamens, es fehlen wichtige biografische Daten und so weiter", beschrieb Karner in einer Aussendung der Stadt die Problematik, die sich der Expertenrunde immer wieder stellte. "Es lag nicht an uns, Empfehlungen oder unsere Meinung abzugeben", betonte Karner.

Von Karl Lueger bis Turnvater Jahn

Die 20 "höchst bedenklichen" Straßennamen sind: Alfred-Coßmann-Gasse, Ambrosigasse, Conrad-von-Hötzendorf-Straße, Dr.-Hans-Kloepfer-Straße, Dr.-Karl-Lueger-Straße, Dr.-Muck-Anlage, Dr.-Robert-Graf-Straße, Etrichgasse, Gustav-Hofer-Weg, Jahngasse, Jaritzweg, Kernstockgasse, Leo-Scheu-Gasse, Luigi-Kasimir-Gasse, Max-Mell-Allee, Nernstgasse, Pambergergasse, Pfitznergasse, Rudolf-List-Gasse und Walter-Semetkowski-Weg.

Auch in Wien waren zuletzt die Straßennamen wieder in den Fokus geraten. Wie "Die Presse" berichtete, wollen die Neos den Dr.-Karl-Renner-Ring umbenennen. Der Grund ist Renners umstrittene Rolle beim sogenannten Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland. Der Renner-Ring ist zudem die Adresse des Parlaments. Mit dem alternativen Namensvorschlag wollen die Neos die Umbenennung auch der SPÖ schmackhaft machen.

(APA)

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