Alt-Schottenabt Ferenczy im 80. Lebensjahr verstorben

Der Priester und ehemalige Direktor des Wiener Schottengymnasiums machte das Schottenstift für Generationen von Schülern zu einem geistigen Ankerpunkt in einer weltlichen Zeit.

Abt Heinrich Ferenczy 1938-2018
Abt Heinrich Ferenczy 1938-2018
Abt Heinrich Ferenczy 1938-2018 – Markus Kommenda

Der frühere Abt des Schottenstifts und Direktor des Schottengymnasiums in Wien, Heinrich Ferenczy, ist am Freitagabend im 80. Lebensjahr verstorben. Ferenczy prägte als Geistlicher, Lehrer und späterer Direktor Generationen von Schottengymnasiasten; als Abt des Stiftes führte er im Jahr 2004 die Koedukation an der traditionsreichen Schule ein, sodass diese seither auch von Schülerinnen frequentiert werden kann. Ferenczy starb in Wien an den Folgen eines Sturzes.

Pál Béla Ferenczy, wie der spätere Priester vor seinem Eintritt in den Orden der Benediktiner hieß, wurde 1938 in Wien als Sohn des gebürtigen Ungarn Géza Ferenczy und dessen Frau Stephanie geboren. Nach seiner Matura im Schottengymnasium trat er ins Kloster an der Wiener Freyung ein, eine Oase des geistlichen Lebens inmitten der Großstadt. Es sollte zu einem der größten Verdienste Pater Heinrichs werden, diesen Ort des Gebetes vielen Menschen als geistigen Ankerpunkt in einer zunehmend weltlicher gewordenen Zeit zu vermitteln.

Feste und Messen im "Keller"

So war der „Keller“ im Untergeschoß der Schule, in dem ein von Ferenczy gegründetes Katholisches Jugendzentrum seinen Sitz hatte, nicht bloß der Veranstaltungsort ungezählter ausgelassener Feste; es gab dort auch wöchentlich Messen mit anschließendem Frühstück, bei dem sich die Schüler vor dem Unterricht stärken konnten. Um mehr Gläubige am geistlichen Leben des Stiftes teilhaben zu lassen, verlegte Ferenczy das Chorgebet der Mönche aus der weiter im Inneren des Schottenstifts gelegenen Johanneskapelle in die frei zugängliche Schottenkirche.

 Als Lehrer unterrichtete Ferenczy neben Religion auch Deutsch, Geschichte und Philosophie. Die von ihm geleiteten Maturareisen mit VW-Bussen in südliche Länder sind legendär. Von 1981 bis 1989 war er Direktor des Gymnasiums, zuletzt als Abt des Stiftes. Diese Funktion legte er 2006 zurück, um ins Stift St. Paul im Lavanttal zu übersiedeln. Auch dort wurde Ferenczy zum Abt gewählt – zu einer Funktion, die er vorigen Sommer zurückgelegt hat.

Wer je in der Osternacht in der dunklen, nur von einer Kerze erleuchteten Schottenkirche gehört hat, wie Pater Heinrich das „Lumen Christi“ gesungen hat, wird es nie wieder vergessen – auch wenn Ferenczys Stimme an diesem Freitag für immer verklungen ist.        

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