Stadtflucht

Ein Schlossgespenst und eine alte Burg

Mit etwas Glück wird man vom Grafen persönlich durch Schloss Ruegers geführt, ehe man die Burg Hardegg erkundet. Ein Besuch im nördlichen Waldviertel.

Die Burg Hardegg: mit 600 Metern  Umfang eine der imposanteren Burgen in Österreich.
Die Burg Hardegg: mit 600 Metern  Umfang eine der imposanteren Burgen in Österreich.
Die Burg Hardegg: mit 600 Metern Umfang eine der imposanteren Burgen in Österreich. – (c) Clemens Fabry

Ja, das ist ein echter Graf. Einer mit sieben oder acht Vornamen, genau weiß er es selbst nicht, sagt er, und ein junger noch dazu. Mit Ende zwanzig ist Octavian Graf Pilati einer der jüngsten Schlossherren des Landes und mit etwas Glück – oder wenn man rechtzeitig auf die Website schaut – wird man bei einer der Führungen sogar von ihm persönlich durch sein Schloss Ruegers geführt.
Seit 2017 ist Pilati, den die meisten im Ort Riegersburg nur „Herr Graf“ nennen, Herr über das Schloss und die Burg Hardegg im Waldviertel. Das Schloss, das er von seiner Mutter übernommen hat, benannte er gleich einmal von „Riegersburg“ in „Ruegers“ um. Ein sehr ungewöhnlicher Schritt: Wie oft bekommt eine uralte Institution – das Schloss wurde schon 1290 das erste Mal urkundlich erwähnt – schon einen neuen Namen? Ein Grund dafür ist, dass man nun sein Schloss nicht mehr mit der gleichnamigen Riegersburg in der Oststeiermark verwechseln kann, was in der Vergangenheit regelmäßig zu fehlgeleiteter Post geführt hat, aber auch zu Besuchern, die bei der „falschen“ Riegersburg gelandet waren.


Nun heißt das hübsche Schloss eben Ruegers. Da sich der Graf künftig auf die Burg konzentrieren will, sucht er derzeit einen Käufer für das Schloss: Bis dieser gefunden ist (was mehrere Jahre dauern könnte), bleibt aber für die Besucher alles beim Alten.

Saisonstart im Schloss. So startet das Schloss auch am 1. Mai (14 Uhr) regulär in die Saison. Einen Besuch sollte man genau planen: Denn die geführten Besichtigungen (und nur so kann man das Schloss besuchen) gibt es nur einmal am Tag, im Mai und Juni nur an den Wochenenden und an Feiertagen. Immer wieder gibt es auch Veranstaltungen wie den Sommerball (23. Juni) oder das Mittelalterliche Schlossfest (4. und 5. August).


Beim Rundgang erfährt man viel über die lange Geschichte des Schlosses (samt Park und idyllischem Schlossteich), das seit 1730 im Besitz der Familie des heutigen Schlossherrn steht. Damals kaufte es der Staatsbeamte und Landeshauptmann von Kärnten, Sigismund Friedrich Reichsgraf von Khevenhüller, und ließ das Wasser- zu einem prunkvollen Barockschloss umbauen. Bei der sehr persönlichen Führung erfährt man etwa auch, dass im großen Festsaal, in dem heute immer wieder Konzerte stattfinden, einst Fahrprüfungen abgenommen wurden. Unvorstellbar, aber wahr: Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Grafenfamilie längst geflohen war, war das Schloss nämlich von den Russen besetzt, die hier die Fahrprüfungen durchführten. Mit einem Jeep mussten die Anwärter über die prunkvolle Stiege hinauf in den ersten Stock fahren und im Festsaal eine Runde im und eine Runde gegen den Uhrzeigersinn drehen.


Mit Augenzwinkern wird die Führung nicht nur mit den Prunk- und Wohnräumen und dem Schlossgarten beworben, sondern auch mit der Aussicht, „eventuell Schlossgeister“ zu treffen. In einem der Schlafgemächer, so die Legende, soll es nämlich spuken. Immer wieder sei hier morgens das Bett sichtlich benutzt gewesen, der Polster eingedrückt, die Decke durcheinander, obwohl niemand im Raum genächtigt hatte. Wie Octavian Graf Pilati erklärt, wird vermutet, dass hier sein Vorfahre Johann Carl Khevenhüller (1839–1905) spukt. Spannende Geschichte, auch wenn man nicht an Übersinnliches glaubt. Der Graf selbst ist jedenfalls von der Geistergeschichte überzeugt, da ihm bislang keine bessere, wissenschaftliche Erklärung für das zerwühlte Bett untergekommen ist.


Nach dem Besuch im Schloss bietet sich ein Abstecher – etwa zehn Autominuten weiter – nachHardegg an, wo die Burg (auch ohne Führung) besichtigt werden kann. Wenn im Pressetext steht, dass die Burg „majestätisch auf einem Felsen über der Stadt thront“, klingt das ein wenig dick aufgetragen – der Eindruck bestätigt sich aber, wenn man sich der Burg nähert. Mit 600 Metern Umfang ist sie eine der imposanteren Burgen des Landes. Und eine der unbekannteren: Die meisten Touristen kommen aus dem nahen Tschechien, Österreicher besuchen die Burg seltener. Beeindruckend ist vor allem der riesige Rittersaal. Die ein wenig altmodisch anmutende Ausstellung ist Kaiser Maximilian gewidmet. Hardegg selbst ist mit etwa 80 Einwohnern übrigens die kleinste Stadt Österreichs.
Auch auf der Burg gibt es immer wieder Programm: Am kommenden Wochenende (5. und 6. Mai) etwa können Besucher den Hardegger Bund, eine Vereinigung von Mittelalterbegeisterten, beim Schmieden, Bogenschießen und Schaukochen beobachten.


Schloss Ruegers: Nur mit Führung: Im Mai, Juni: Sa, So, feiertags um 14 Uhr. Im Juli und August täglich um 14 Uhr. www.schlossruegers.at
Burg Hardegg: Ab Mai täglich von 10 bis 17 Uhr, im Juli und August bis 18 Uhr. www.burghardegg.at

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