Fragen zum Unwetter: Werden Gewitter heftiger?

Warum die Gewitterwolken oft Stunden über demselben Ort stehen bleiben, wie man sich im Ernstfall verhält und ob uns ein Rekordsommer bevorsteht. Fragen und Antworten.

 Aufräumarbeiten nach den schweren Unwettern am Mittwoch im Raum Warth im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich.
 Aufräumarbeiten nach den schweren Unwettern am Mittwoch im Raum Warth im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich.
Aufräumarbeiten nach den schweren Unwettern am Mittwoch im Raum Warth im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich. – APA/EINSATZDOKU.AT

Am Dienstag sorgten heftige Unwetter in weiten Teilen Österreichs für Chaos. Konstantin Brandes, Meteorologe beim Wetterdienst Unimet, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur aktuellen Wetterlage.

Wie wird das Wetter in den kommenden Tagen?

Am Donnerstag und Freitag kehrt zumindest für zwei Tage Ruhe ein. Es sind keine derart starken Regenfälle mehr zu erwarten. Zum Wochenende zieht jedoch die nächste Schlechtwetterfront auf: Im Osten Österreichs kommt es voraussichtlich wieder zu Gewittern - aber nicht zu ganz so heftigen Unwettern wie am Dienstag.

Warum regnet es oft so lange an derselben Stelle?

Gewitter ziehen in erster Linie mit dem Höhenwind, also mit dem Wind in 3.000 bis 6.000 Metern Höhe. In den vergangenen Wochen war dieser nur sehr schwach ausgeprägt. Die Folge waren nahezu ortsfeste Gewitter, die Wolken haben sich in mehreren Stunden an Ort und Stelle ausgeregnet. Die Hauptgefahr bei diesen stationären Gewittern sind die großen Regenmengen. Es gibt kaum Studien, aber es gibt Hinweise, dass die Höhenwinde tendenziell abnehmen. Da die immer wärmer werdende Luft auch mehr Wasser aufnehmen kann, werden die Gewitter ebenfalls tendenziell immer niederschlagsreicher.

Wie verhält man sich bei einem Unwetter am besten?

Grundsätzlich gilt immer: Wetterbericht studieren und den Himmel beobachten - so erkennt man, ob sich in der Nähe Gewitter entwickeln. Wo ziehen die Wolken hin? Türmen sich die Quellwolken schon mächtig auf? Blitze halten sich nicht an die seit jeher bekannte Weisheit, dass er sich die höchsten Objekte als Einschlagstelle sucht. Das Risiko, in der Nähe eines Einschlags zu sein, ist nicht zu unterschätzen. Die extrem hohe Spannung springt nämlich von Objekten auf alle Leiter im unmittelbaren Umfeld über - schwere Verletzungen sind die Folge. Wenn man sich im Freien befindet, sollte man hohe und stromleitende Gegenstände und Gewässer meiden. Am besten ist der Unterschlupf in einem Haus mit verschlossenen Fenstern und Türen - oder im Auto. Ist man im Freien, sollte man sich auf den Boden zusammenkauern, wobei die Beine ganz angezogen sein müssen.

Kann man einen heißen Rekordsommer erwarten?

Der Juni war bisher um 4,3 Grad wärmer als das langjährige Mittel von 1981-2010 für den gesamten Monat. Damit wären wir aktuell klar auf Rekordkurs in der Messgeschichte. In den kommenden Tagen, genauer gesagt bis Montag, sind aber nicht mehr ganz so hohe Temperaturen in Sicht, bis dahin dürfte die Abweichung also auf knapp unter 4 Grad zurückgehen. Viel kälter kann das Mittel für diesen Monat aber fast nicht mehr werden, dafür bräuchte es schon einen markanten und nachhaltigen Kaltlufteinbruch - und der ist bisher weit und breit nicht in Sicht. Für den Juli gibt es noch keine verlässlichen Prognosen, bis dahin ist es noch zu weit hin. Experimentelle Langfristvorhersagen deuten aber auf einen durchschnittlich warmen Juli hin.

(ewa)

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