Burger und WM-Bier: Wie Essen unsere Gesundheit schädigt

Die Österreicher sind zu dick. Die Situation sei laut Experten „dramatisch“, falsche Ernährung ist zum größten gesundheitlichen Problem Europas geworden. Was kann man dagegen tun?

3,4 Millionen Österreicher sind zu dick, 14 Prozent davon gar adipös.
3,4 Millionen Österreicher sind zu dick, 14 Prozent davon gar adipös.
3,4 Millionen Österreicher sind zu dick, 14 Prozent davon gar adipös. – Michaela Bruckberger

Es gibt schlechte Nachrichten für Freunde des Hamburgers. Das Weißbrot mit Käse, Salat und Rindfleisch ist laut Studien, noch vor Hot-Dog und Speck, jenes Lebensmittel, bei dem man die größte negative Auswirkung auf den Stoffwechsel ausmachen kann. Und auch Alkohol hat es in sich: Wer sich während der Fußball-WM ein zusätzliches Krügel Bier am Tag angewöhnt, nimmt 8,8 Kilogramm mehr Fett pro Jahr in Kauf.

Kleine Angewohnheiten wie ein Bier mehr könnten schnell drastische Folgen haben, sagt die Internistin und Ernährungsmedizinerin Gabriele Müller-Rosam. „Jeder zweite Patient kommt wegen seiner Ernährungsgewohnheiten oder dem falschen Lifestyle zu mir in die Praxis.“

3,4 Millionen Österreicher zu dick

Am Donnerstag schlug das Österreichische Akademische Institut für Ernährungsmedizin (ÖAIE) Alarm. In einer Pressekonferenz erklärten Experten die Problematik von Krankheiten, die durch eine falsche Ernährung ausgelöst werden können. Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE, spricht vom größten gesundheitlichen Problem Europas und appelliert deshalb: „Wir wollen nicht nur das Wissen der Bevölkerung ändern, sondern auch das Verhalten.“

Die Pressekonferenz fand zwischen deckenhohen Bücherregalen im Billrothhaus statt. – Eva Walisch
Denn 3,4 Millionen Österreicher sind zu dick, 32 Prozent davon übergewichtig und 14 Prozent adipös. Tendenziell sind mehr Männer als Frauen betroffen. Fast die Hälfte der 60 bis 74-jährigen Männer im Land und auch immer öfter junge Männer bringen mehr als das für ihre Körpergröße empfohlene Gewicht auf die Waage. Der Ost-Österreicher ist statistisch gesehen übergewichtiger als der West-Österreicher.

Ruf nach höheren Steuern

„Die Situation ist dramatisch“, sagt der Gesundheitsökonom Markus Pock. Denn Übergewicht kann zu Krankheiten wie Atherosklerose, Verfettung der Organe, Diabetes, einer Überlastung der Bauchspeicheldrüse oder zu Krebsarten führen. Nun sei die Politik am Zug, so die Experten unisono. Mit Bewusstseinsschaffung, schon bei Kindern und Jugendlichen in den Schulen und besseren Vorsorgeuntersuchungen.

Was man (nicht) essen sollte

Die Gesunden
1. Ungesüßtes Joghurt
2. Meeresfrüchte
3. Huhn ohne Haut
4. Walnüsse
5. Erdnussbutter

Die nicht so Gesunden
1. Hamburger
2. Hotdogs
3. Schweinefleisch
4. Huhn mit Haut
5. Butter

Pock spricht sich für höhere Steuern auf Alkohol und Tabak aus, Müller-Rosam sieht Bedarf Richtung besserer Nachbetreuung übergewichtiger Patienten. Um den Lebensstil nachhaltig ändern zu können, bräuchte es neben der Behandlung noch zusätzlich ein Motivationstraining, das zurzeit aber nicht durch die Krankenkassen gedeckt sei. „Natürlich können wir durch Übergewicht ausgelöste Probleme mit Medikamenten behandeln – aber das ist wie das Überschminken von Falten,“ sagt Müller-Rosam.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht sieht Pock dringend Handlungsbedarf. Fünf Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben des Landes, nämlich 1,5 Milliarden Euro, werden nach den Zahlen einer Joanneum Research Studie alleine für die Behandlung von Diabetes mellitus ausgegeben. „Das ist eine teure Krankheit, die man oft gut verhindern könnte“, sagt Pock.

Die Nahrungsmittelindustrie gehöre mit ihrem Motto „viel und billig“ durch Maßnahmen wie einem Werbeverbot für Energydrinks in die Pflicht genommen, fordert Müller-Rosam. „Wie viel Zucker brauchst du noch?“, fragt der Rewe-Konzern seit Mai in einer neuen Marketingkampagne. Beim Kauf eines Viererpacks Schokopudding, mit jeweils unterschiedlich dosiertem Zuckergehalt, kann der Österreicher noch bis Ende Juni online abstimmen, wie viel Zucker er bevorzugt. Die ÖAIE gibt die Antwort darauf schon vorab: Zu viel.

(ewa)

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