Pater in Kremsmünster: "Ein Sadist wollte ich nie sein"

Fünf Patres wurden im oberösterreichischen Stift Kremsmünster mittlerweile wegen Missbrauchsvorwürfen suspendiert. Einer von ihnen wendet sich mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit und bittet um Entschuldigung.

Pater Kremsmuenster Sadist wollte
Pater Kremsmuenster Sadist wollte
(c) APA/RUBRA (RUBRA)

Der Abt des Stiftes Kremsmünster im oberösterreichischen Bezirk Kirchdorf hat zwei weitere Patres, gegen die Missbrauchsvorwürfe vorgebracht worden waren, ihrer Ämter enthoben. Abt Ambros Ebhart hat damit bereits fünf Geistliche seines Klosters suspendiert. Einer von ihnen hat sich schriftlich bei seinen Opfern entschuldigt. Er wolle sich am Montag "ohne Umwege über kirchliche Institutionen direkt den staatlichen Behörden stellen", heißt es auf der Website des Stiftes.

"Ein Sadist wollte ich nie sein! Wenn ich den entsprechenden Eindruck erweckt habe, tut mir das leid! Ich war leider oft gedankenlos, oft launenhaft und allzu oft unbeherrscht. Dafür möchte ich mich entschuldigen", schreibt der beschuldigte Pater. Er beteuerte, seine Schüler "ausnahmslos gern gehabt" zu haben.

"Mag sein, dass ich meine Gefühle oft zu wenig, manchmal auch gar nicht - bei anderen Gelegenheiten dann wieder zu deutlich und auf unzulässige Weise gezeigt habe." Wenn er jemanden traumatisiert und seelisch verletzt habe, bedaure ich das zutiefst und bitte um Entschuldigung, so der Geistliche.

Vorwürfe gegen fünf Patres

Insgesamt gibt es bisher gegen drei Patres Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs. Einer davon wird sich heute, Montag, den Behörden stellen. Die beiden anderen sind ebenfalls bereit, mit den zuständigen staatlichen Stellen und der diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt zusammenzuarbeiten. Gegen zwei weitere Geistliche stehen Anschuldigungen wegen physischer und psychischer Gewalt im Raum. Auch sie seien bis zur endgültigen Sachverhaltsklärung von ihren Ämtern entpflichtet.

In einem Brief an die ehemaligen Schüler des Stiftsgymnasiums, entschuldigen sich Abt Ebhart und Prior Daniel Sihorsch ebenfalls für die Vorkommnisse: "Wir (...) sind im Grunde dankbar, dass Ihr dies offen zur Sprache bringt", schrieben sie. Auch wenn sich die äußeren Strukturen des Internates seither vollständig verändert hätten, liege es nun an der Klostergemeinschaft, missbrauchsfördernde Strukturen ehrlich zu hinterfragen und aufzuarbeiten.

Vorfälle in 80er- und 90er-Jahren

Nachdem vergangene Woche Vorwürfe gegen zunächst drei Patres aufgetaucht waren, wurden diese am Mittwoch suspendiert. Am Sonntag tagte im Kloster ein Krisenstab aus Ordensbrüdern und weltlichen Beratern. Danach enthob der Abt noch zwei weitere Geistliche ihrer Ämter.

Er wolle damit ein deutliches Zeichen setzen, "dass mir und der Klostergemeinschaft an einer klaren und transparenten Aufklärung und Aufarbeitung des Geschehenen gelegen ist", so Ebhart in seiner Stellungnahme. Die Vorfälle sollen sich in den 1980er-Jahren, bzw. einer ein den 1990er-Jahren ereignet haben.

Grazer Priester tritt zurück

Inzwischen hat auch in der Diözese Graz-Seckau ein Priester die Leitung seiner Pfarren zurückgelegt. Der Pfarrer hat eingestanden, vor 20 Jahren bei einer Urlaubsreise einen Jugendlichen missbraucht zu haben. Näheres wurde am Montagnachmittag vorerst nicht bekanntgegeben. Die Diözesanleitung habe in den vergangenen Tagen die Dienstfreistellung dreier Priester wegen sexuellen Missbrauchs geprüft.

(APA)

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