Bestandsaufnahme: Kirche steuert auf Austrittsrekord zu

Immer mehr Gläubige kehren der katholischen Kirche nach den jüngsten Meldungen über Missbrauchsfälle den Rücken. Die Zahlen könnten schlimmer werden als im Rekordjahr 2009.

Bestandsaufnahme Kirche steuert Austrittsrekord
Bestandsaufnahme Kirche steuert Austrittsrekord
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die römisch-katholische Kirche ist in Sorge wegen der vermehrten Austritte aufgrund der nicht abreißenden Meldungen von sexuellem Missbrauch. In sämtlichen Diözesen kehren immer mehr Gläubige dem Klerus den Rücken.

So könnte es dieses Jahr bei den Austritten noch schlimmer werden als das Rekordjahr 2009.

Im Folgenden eine Bestandsaufnahme in den einzelnen Bundesländern/Diözesen:


Wien. Genaue Zahlen zu den bisherigen Austritten im März kann die Erzdiözese Wien nach Bekunden ihres Sprechers noch nicht vorlegen. Allein aus den Rückmeldungen persönlicher Natur könne man die Tendenz ablesen: "In diesem Monat werden es sicherlich sehr viel mehr."

Niederösterreich. Der Diözese St. Pölten hat seit Anfang März bereits 300 Kirchenaustritte verzeichnet. Im gesamten Februar waren es 399 Fälle. "Es ist jedenfalls eine Zunahme", gibt Karl Pflügl von der Diözese zu. Im Durchschnitt habe die Austrittszahl 2009 zwischen 200 und 300 Personen pro Monat gependelt.

Oberösterreich. In Oberösterreich sind die Kirchenaustritte seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Patres des Stiftes Kremsmünster vergangene Woche sprunghaft angestiegen. Die Februarzahlen waren aber im Vergleich zum Vorjahr eher niedrig. Grund dürfte die Affäre rund um den verhinderten Weihbischof Gerhard Maria Wagner sein, die Ende Jänner 2009 ins Rollen kam.

Salzburg. In Salzburgs Bezirkshauptmannschaften laufen seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle die Telefone heiß. In der Stadt Salzburg sind in der ersten Märzhälfte bereits 120 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, das ist ungefähr das Dreifache einer "normalen" Märzhälfte.

Steiermark. Das für Austritte zuständige Grazer Bürgeramt hat seit Anfang März 339 Austritte verzeichnet. Der März ist wegen des vierteljährlich einzuzahlenden Kirchenbeitrags tendenziell ein eher stärkerer Austrittsmonat. In den Jahren 2005 bis 2008 sind im Durchschnitt 200 bis 230 Grazer in diesem Monat ausgetreten.

Kärnten. Seit Beginn der Debatte haben in den größeren Städten Kärntens zahlreiche Katholiken ihren Austritt angekündigt. Bei der Diözese spricht man von einem "signifikanten Anstieg". In den ländlichen Gebieten ist der Unmut zwar ebenfalls groß, eine Austrittswelle gibt es dort bisher aber nicht.

Tirol. Seit 1. Jänner hat die Diözese Innsbruck 658 Kirchenaustritte verzeichnet. Das sind laut Diözese um 27 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vergangenes Jahr hat auch in Tirol die Causa Gerhard Maria Wagner im ersten Quartal für rund 900 Austritte gesorgt.

Vorarlberg. Die Vorarlberger Bezirkshauptmannschaften verzeichnen im März eine regelrechte Austrittswelle. Bis Monatsmitte haben rund 220 Personen ihren Austritt aus der Kirche angezeigt - das sind schon jetzt um 70 Personen mehr als im März-Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2008. Schon im Jänner haben sich 350 Personen abgemeldet, das waren mehr als doppelt so viele wie 2009 (168).

(APA)

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