Wie die georgische Mafia funktioniert

Ganz oben fällen die Bosse ihre „Urteile“, ganz unten arbeiten – teils drogensüchtige – „Soldaten“.

Die „Operation Java“ gegen die georgische Mafia zeigt, wie die Hierarchien innerhalb derartiger Organisationen funktionieren: Die höchste Stufe, die ein Mitglied der organisierten Kriminalität in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion erreichen kann, ist die eines „Diebes im Gesetz“, vergleichbar mit dem Paten der italienischen Mafia.

Auch innerhalb der „Diebe im Gesetz“ gibt es eine Hierarchie: Der innerste Führungszirkel wird in der Regel von drei „Dieben“ gebildet. 2005/2006, bei der ersten Verhaftungswelle gegen die georgische Mafia, wurde mit der in Spanien erfolgten Inhaftierung von Zakhar K. und Tariel O. diesem Zirkel ein schwerer Schlag versetzt. Nach den Erkenntnissen der „Operation Java“-Ermittler ist mittlerweile ein weiterer Georgier in Westeuropa nachgerückt. Dieser wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Die normalerweise dreiköpfige Leitung bestimmt, wer sonst noch „Dieb im Gesetz“ werden und auch wer von unten in die zweite Führungsebene aufsteigen darf. Außerdem treffen diese „Diebe“ strategische Entscheidungen und sind letzte Instanz bei Streitigkeiten. Und sie fällen interne „Urteile“. „Diebe im Gesetz“ werden meist im Rahmen einer Krönungszeremonie inthronisiert.

Controlling wie bei einer Firma

Die beiden in Österreich verhafteten Paten gehörten offenbar der zweiten Ebene an. Sie waren verantwortlich für die Kontrolle der nächsten Instanzen und waren auch für die Gemeinschaftskassa zuständig, den „Obschak“. Daraus werden gemeinsame Auslagen bestritten, unter anderem Prozesskosten, falls ein Pate einmal vor Gericht gestellt wird. Außerdem ist die zweite Ebene für Geldwäsche verantwortlich.

Dass georgische Organisationen wie Firmen funktionieren, zeigt auch, dass zwischen oberster und zweithöchster Ebene eine Art Controlling geschaltet ist. Dieses besteht aus „Schauenden“, die den „Dieben im Gesetz“ auf die Finger sehen.

Die dritte Stufe ist bereits die mittlere Führungsebene. Sie kontrolliert die regional zuständigen Brigaden, erhält von diesen ihren Anteil. Die nächste Stufe sind die Brigadeführer. Sie sammeln Geld, kümmern sich um Inhaftierte, organisieren Straftaten und besorgen Drogen, Fahrzeuge sowie Wohnungen für die sogenannten Soldaten.
Letztere führen die Aufträge aus und begehen die Einbrüche. Die Trupps sind spezialisiert: Kundschafter erstellen Bewegungsprofile der Opfer, um sicher zu gehen, dass während der Tat niemand zu Hause ist. Spezialisten sind ausschließlich für die Öffnung der Tür zuständig, betreten die ausgewählten Objekte aber gar nicht. Dafür gibt es wieder eigene Trupps, die die Wohnungen nach bestimmten Vorgaben ausräumen.

Zentrales Prinzip ist wie bei der italienischen Mafia die Omerta, das Gesetz des Schweigens. Inhaftierte Mitglieder der Organisation haben die Gewissheit, dass ihre Familien und sie selbst gut versorgt sind, wenn sie den Mund halten. Entsprechend spielen sich auch meist die Einvernahmen ab: „Ich bin unschuldig“, „Ich weiß nicht, wovon Sie da reden“, „Sie erzählen nur Märchen“ sind die gängigen Aussagen. Viele der zuletzt festgenommenen „Soldaten“ waren drogensüchtig.

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