Viele Waffen, viele Stile: Eine Burg als Museum

Nahe Wien liegt mit der Burg Kreuzenstein eine hübsche Burganlage mit außergewöhnlicher Geschichte.

Die mächtige Burg Kreuzenstein wurde in dieser Form nie als Burg genutzt: Der leidenschaftliche Sammler Graf Wilczek ließ sie erst im 19. Jahrhundert errichten.
Die mächtige Burg Kreuzenstein wurde in dieser Form nie als Burg genutzt: Der leidenschaftliche Sammler Graf Wilczek ließ sie erst im 19. Jahrhundert errichten.
Die mächtige Burg Kreuzenstein wurde in dieser Form nie als Burg genutzt: Der leidenschaftliche Sammler Graf Wilczek ließ sie erst im 19. Jahrhundert errichten. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sie ist so etwas wie ein Paradebeispiel für eine Burg: Prächtige (und strategisch günstige) Lage über Leobendorf mit wunderbarem Weitblick, eine mächtige Zugbrücke, die über einen Burggraben führt, ein Burgtor, ein Bergfried. Alles da. Und doch war die Burg Kreuzenstein in der heutigen Form nie in Betrieb: Wurde sie doch als eine Art Museum des Mittelalters erst im 19. Jahrhundert errichtet.

Obwohl der Burg somit ein Stück authentische Geschichte fehlt – die ursprüngliche Burganlage wurde im 30-jährigen Krieg von den Schweden zerstört –, ist sie dennoch ein beliebtes Ausflugsziel, in dem auf wohl einzigartige Weise verschiedene Epochen und Stilrichtungen zusammengeführt wurden. Wer etwa in den großen ersten Hof kommt, sieht auf der einen Seite Teile eines Nürnberger Fachwerkhauses. Der Spitzbogen, der die beiden Höfe verbindet, kommt aus der Slowakei: Arkaden und Brüstungen eines Doms aus Košice wurden in der Burg Kreuzenstein verbaut. Teile des Ziehbrunnens stammen aus Venedig.

Zusammengetragen hat das alles (und noch viel, viel mehr, wie man während der Führung sieht) der frühere Burgherr, Graf Johann Nepomuk Wilczek, ein leidenschaftlicher Sammler, der die Burg ab 1874 errichten ließ. Es ist ein ziemliches Sammelsurium, auf das man hier stößt, das aber auf wundersame Weise ein recht stimmiges Bild ergibt. Mit 30.000 Objekten ist es auch eine der größten Privatsammlungen, die man hierzulande besuchen kann. Beeindruckend ist etwa die Waffenkammer, die von Bauernwaffen über Schandmasken (für jene, die an den Pranger gestellt wurden) bis zu Rüstungen viele Stücke aus mehreren Epochen zeigt. Und ganz nebenbei lernt man den Ursprung vieler Sprichwörter (etwa „Von der Pike auf lernen“).

Burg Kreuzenstein, 2100 Leobendorf. Täglich von zehn bis 16 Uhr (sonntags bis 17 Uhr). Besichtigung nur mit Führung (stündlich). www.kreuzenstein.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2018)

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