Hotline für Opfer, Kritik an "täternahen" Ombudsstellen

Die Plattform "Betroffene Kirchlicher Gewalt" bietet Missbrauchs-Opfern Hilfe an. Die Opferschutz-Organisation "Weißer Ring" kritisiert, dass die kirchlichen Ombudsstellen zu nahe bei den Tätern angesiedelt seien.

Hotline fuer Opfer Kritik
Hotline fuer Opfer Kritik
(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Die Plattform "Betroffene Kirchlicher Gewalt" hat eine Hotline für Opfer von "sexueller, seelischer oder physischer Gewalt" durch die katholische Kirche eingerichtet. Ab Dienstag erhält man unter der Nummer 0699/10369369 von 9 bis 12 Uhr psychologische und rechtliche Unterstützung. Gleich am ersten Tag sind 50 Anrufe und sieben Mails eingegangen. Viele der angesprochenen Fälle liegen 20 und mehr Jahre zurück, allerdings dürfte es auch Vorfälle geben, die sich innerhalb der Verjährungsfrist ereignet haben, erklärte ein Sprecher der Plattform.

Anrufe kamen aus ganz Österreich, viele der Opfer haben sich überhaupt erstmals an eine Stelle gewendet. Berichtet wurde von Übergriffen unter anderem in Klosterschulen, bei Ministranten sowie bei der Jungschar.

Nach Angaben des Sprechers werden diese Vorkommnisse zunächst einmal notiert und weiter angesehen. Viele der Anrufer hätten auch Interesse an anwaltlicher Hilfe gezeigt. Zusätzlich habe großes Interesse an einer Vernetzung der Opfer untereinander bestanden.

Kritik an Ombudsstellen

Bisher konnten sich Opfer nur an die kirchlichen Ombudsstellen wenden. Und genau an diesen übt nun die Opferschutz-Organisation "Weißer Ring" massive Kritik: Sie seien in der Nähe der Täter angesiedelt, was für Opfer wenig hilfreich sei, viele würden sich daher nicht melden.

Grundlage des Opferschutzes sei die Absonderung des Opfers vom Täter. Bei den Kirchlichen Ombudsstellen sei genau das nicht der Fall. Die Kirche solle sich einer der vielen Opferschutz-Organisationen bedienen, diese seien spezialisiert und könnten die Arbeit sofort aufnehmen.

(APA/Red.)

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