Konzerthaus: Früher Weihnachtsfrieden Bund-Wien

Türkis neben rot: Wie Republik und Stadt Schulden verschwinden lassen.

Bund und Stadt Wien lassen in einer Kraftanstrengung mit einer Bank 6,41 Millionen Schulden verschwinden. Das heißt, sie tilgen die Verbindlichkeiten des Konzerthauses.
Bund und Stadt Wien lassen in einer Kraftanstrengung mit einer Bank 6,41 Millionen Schulden verschwinden. Das heißt, sie tilgen die Verbindlichkeiten des Konzerthauses.
Bund und Stadt Wien lassen in einer Kraftanstrengung mit einer Bank 6,41 Millionen Schulden verschwinden. Das heißt, sie tilgen die Verbindlichkeiten des Konzerthauses. – (c) APA/HANS PUNZ

Wien. Das rot-grüne Wien klagt, vom türkis-blauen Bund schlechtgemacht und/oder schlecht behandelt zu werden. Der Bund wiederum sieht in Wien viele Missstände. Am Mittwoch war plötzlich alles ganz anders. Im Wiener Konzerthaus wurde ein ziemlich früher Weihnachtsfrieden geschlossen. Zumindest in einem Punkt.

Wie das? Bund und Stadt Wien lassen in einer Kraftanstrengung mit einer Bank 6,41 Millionen Schulden verschwinden. Das heißt, sie tilgen die Verbindlichkeiten des Konzerthauses. 17 Jahre nach Abschluss der Generalsanierung ist das Wiener Konzerthaus per Jahresende schuldenfrei. Bund und Stadt wenden je 1,5 Mio. Euro auf, dazu kommen Eigenmittel der Wiener Konzerthausgesellschaft (3,09 Mio. Euro) und 320.500 Euro, die die kreditgebende Bank erlässt.

Bei einem Pressetermin zeigte sich Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) erfreut, „dass wir gemeinsam dazu beitragen können, das Konzerthaus von einer Bürde zu befreien“. Und in Richtung an die neben ihm stehende Wiener Kulturstadträtin, Veronica Kaup-Hasler (SPÖ): „Fast immer, wenn wir gemeinsam auftreten, gibt es gute Nachrichten für Kunst und Kultur. Wir sind eine Good-News-Factory.“

 

Ein Wunsch

Die Stadträtin konterte so: „Ich wünschte mir, wir könnten andere Probleme mit ähnlicher Leichtfüßigkeit klären.“ Beide lobten ebenso wie Konzerthaus-Präsident Christian Konrad die professionelle Führung des Hauses. 2,6 Mio. Euro hat das Konzerthaus bisher an Zinszahlungen für den nun getilgten Kredit geleistet, berichtete Intendant Matthias Naske. Er bedankte sich für die Anstrengung. Und weiter: „Für mich ist das ein ganz besonderer Tag. Wir bekommen etwas los, was uns durchaus belastet hat. Ohne den Schuldenberg im Rucksack können wir noch mutiger sein. Das stimmt uns zuversichtlich.“ Man wolle künftig stärker auf soziale Durchlässigkeit achten und mit anderen Institutionen kooperieren.

Die Kosten der in den Jahren 1998 bis 2001 durchgeführten Generalsanierung waren von 28 Millionen auf 42,6 Millionen Euro explodiert. (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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