Schwere Vorwürfe gegen ehemaligen Kärntner Bischof Schwarz

Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger kritisiert das "System Schwarz", der inzwischen in St. Pölten tätige Bischof sei "im Zusammenhang mit seiner Zölibatsverpflichtung erpressbar" gewesen.

Alois Schwarz bei seiner Amtseinführung in St. Pölten
Alois Schwarz bei seiner Amtseinführung in St. Pölten
Alois Schwarz bei seiner Amtseinführung in St. Pölten – (c) APA/HANS PUNZ

Das Gurker Domkapitel hat am Dienstag in einem Pressestatement schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz erhoben. Der Sprecher des Domkapitels, Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, sprach vor Journalisten von einem "System Schwarz", der Schlüssel dazu liege in dessen persönlichen Umfeld.

Vergangene Woche war eine angekündigte Pressekonferenz der Diözese über den Wirtschaftsbericht zur Gebarung des Bistums in der Ära von Schwarz auf Weisung Roms abgesagt worden. Dieser Bericht war nach dem Wechsel von Schwarz nach St. Pölten wegen bekannt gewordener Mängel, wie etwa fehlenden jährlichen Prüfungen, in Auftrag gegeben worden.

"Im Zusammenhang mit Zölibatsverpflichtung erpressbar"

Diözesanadministrator Guggenberger ging nun am Dienstag in die Offensive - und betonte, er spreche nicht als interimistischer Leiter der Diözese, sondern als Dompropst, also als gewählter Leiter des Gurker Domkapitels. Die Presseerklärung sei von allen acht Mitgliedern einstimmig so beschlossen worden. Als zentrales Problem sei die Abhängigkeit des Bischofs von Enzinger, die Schwarz vor einigen Jahren zur Leiterin des Bildungshauses in St. Georgen am Längsee gemacht hatte. Guggenberger: "Bischof Schwarz war durch dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Gutdünken und den Launen dieser Person bestimmt. So wurde dem Amt und der Kirche über Jahre Schaden zugefügt. Das hat vor allem Priester und Mitarbeiter sehr belastet."

Guggenberger meinte, aufgrund seiner Lebensführung sei der Bischof in seiner Amtsführung immer mehr beeinträchtigt gewesen, "weil er für Priester im Zusammenhang mit seiner Zölibatsverpflichtung erpressbar war". Das Fass zum Überlaufen gebracht habe schließlich das Engagement eines Ex-Geheimdienstchefs durch Bischof Schwarz mit dem Ziel, den Verfassern der anonymen Schreiben im Kreis der Mitarbeiter nachzuspüren.

Bischofskonferenz hatte seit 2008 Kenntnis von Zuständen

Der Dompropst ging auch auf den Vorwurf ein, dass man während Schwarz' Amtszeit nichts unternommen hätte. Er erklärte, das Domkapitel und auch andere Priester und Laien hätten Schwarz wiederholt mit den Zuständen konfrontiert, und zwar sowohl unter vier Augen als auch in Gremien. Die Nuntiatur in Wien und damit die römischen Stellen, auch Kardinal Schönborn sowie die jeweiligen Salzburger Metropoliten "sind seit Jahren in Kenntnis über die Auswirkungen des Systems Bischof Schwarz". Die Bischofskonferenz habe spätestens seit 2008 Kenntnis von den Zuständen, geändert habe sich aber nichts.

Der Schritt an die Öffentlichkeit sei erfolgt, weil sich das Domkapitel "unserem Gewissen verpflichtet" fühle. Daher wurde auch eine Zusammenfassung des Prüfberichts veröffentlicht. Diese zeigt, dass das Bistum 2016 und 2017 Verluste geschrieben hat, im vergangenen Jahr waren es 1,9 Millionen Euro. Tiefrote Zahlen brachte das Bildungshaus St. Georgen samt dem Hotelbetrieb im Stift, dessen Auslastung sehr zu wünschen übrig ließ. Die Mitarbeiterkosten im Hotel explodierten ab 2016, im Bereich des Bildungshauses findet sich der Vorwurf, dass Konzertbesucher einfach zu den Teilnehmern der hauseigenen Veranstaltungen dazuaddiert wurden. Enzingers Führungsstil wurde von Mitarbeitern als "inkompetent, willkürlich und sehr oft auf den Bischof verweisend" beschrieben.

Regressforderungen

Dazu wurde das Statut des Bistums nicht eingehalten, und zwar über Jahre hinweg. Da einzelne Mitglieder des Aufsichtsgremiums dagegen protestierten, wurde das Gremium von Bischof Schwarz kurzerhand aufgelöst und auch gleich das Statut geändert. Im Bericht heißt es dazu: "Ein so abgeändertes Statut entspricht nicht den im kirchlichen Vermögensrecht gegebenen Normen." So änderte Schwarz die Wertgrenzen für die Beratung durch den Fachbeirat bei Krediten und Veräußerungen von 100.000 Euro auf eine Million. Guggenberger kündigte an, man werde gegen Bischof Schwarz Regressforderungen stellen. Wie hoch diese sein werden, stand vorerst noch nicht fest.

Schwarz, nunmehr Diözesanbischof in St. Pölten, wollte sich zu den Vorwürfen des Gurker Domkapitels nicht äußern. Auf Anfrage wurde auf eine Stellungnahme vom Montag der Vorwoche zur Forderung der Bischofskongregation verwiesen, "die kirchenrechtlich legale Vorgehensweise betreffend der Prüfung des Wirkens eines Bischofs einzuhalten". Der Bischof werde "in dieser Causa keine weitere Stellungnahme abgeben", hieß es. Schon vergangene Woche hatte Schwarz wissen lassen, der Bericht hätte die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften festgehalten.

>> Link: Der Prüfbericht wurde am Dienstag auf dem Portal kath-kirche-kaernten.at veröffentlicht

(APA/Red.)

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