„Best Ager“-Report: „Alt“ sind nur die anderen

60 ist das neue 50: Österreichs Generation 50 plus fühlt sich im Schnitt zehn Jahre jünger. Sorgen bereiten Zuwanderung, Kriminalität und Umweltzerstörung.

(c) imago/Westend61 (Daniel Ingold)

Wien. Ältere Leute werden grantig gebrechlich, und vereinsamen. Spätestens mit 60 trägt man ausschließlich Pensionisten-Grau, lehnt Modernes ab und sehnt sich nach einer alten Zeit? Diese Klischees vom Älterwerden stimmen längst nicht mehr. Das geht aus dem „Golden Ager Report“ der Agentur Marketagent hervor.

Dafür wurden 1525 Menschen im Alter von 50 bis 79 Jahren befragt, und diese fühlen sich überwiegend fit, hungrig nach neuen Erfahrungen, modebewusst, optimistisch. „Alt“ ist man demnach frühestens mit 70, für die Generation 60 plus überhaupt erst ab 75 Jahren.

Das entspricht auch der Lebenserwartung und dem Wunschalter: Aktuell liegt die Lebenserwartung bei Männern in Österreich bei 79 Jahren, Frauen dürfen auf fünf Jahre mehr hoffen. Das Wunschalter geben beide Geschlechter im Mittel mit 90 Jahren an. „Im Schnitt fühlen sich die befragten Best Ager um zehn Jahre jünger, als es in ihrem Pass steht. 60 ist also tatsächlich das neue 50“, sagt Thomas Schwabl, der Geschäftsführer von Marketagent.

Das beste Alter beim Älterwerden ist zwischen 60 und 69. Während die 50- bis 59-Jährigen meist noch im Berufsleben stehen und verstärkt über Stress und Erschöpfung klagen, werden bei 70- bis 79-Jährigen körperliche Beschwerden mehr. Die 60- bis 69-Jährigen haben den Berufsstress hinter sich, die Kinder sind aus dem Haus, sie sind noch fit – und von einem Pensionsschock weit weg, so Schwabl.

 

Mehr Umweltsorgen als Junge

Kann man sich also beruhigt aufs Älterwerden freuen? Nicht nur, denn Sorgen bereiten vor allem Umweltprobleme, Zuwanderung und Kriminalität. 54 Prozent der befragten Über-50-Jährigen nehmen die Umweltverschmutzung und Klimawandel als drängendstes Problem unserer Zeit wahr. Die 15- bis 24-Jährigen sind diesbezüglich im Vergleich weniger alarmiert (44 Prozent). Der Generation 50 plus verursacht zudem Zuwanderung (44 Prozent) und Kriminalität (38 Prozent) Kopfzerbrechen.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter rangiert dagegen weit unten auf der Problemskala. 17 Prozent der Befragten zufolge sei Gleichberechtigung weitgehend hergestellt. Nur jeder zweite „Golden Ager“ meint, Hausarbeit müsse fair zwischen Männern und Frauen geteilt werden. Ebenso viele denken, Frauen sollten Kinder haben und dennoch beruflich Karriere machen können. Diese Meinung ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.

Der Report offenbart zudem, dass ältere Frauen (mit 54 Prozent) stärker darauf achten müssen, mit dem Geld über die Runden zu kommen, als Männer (41 Prozent). Vier von zehn Befragten meinen, sie hätten besser für die Pension vorsorgen sollen. Das tägliche politische Geschehen interessiert (mit 43 Prozent) die Älteren tendenziell mehr als die junge Generation: Bei 15- bis 24-jährigen verfolgt nur jeder Fünfte die Tagespolitik. Lediglich 46 Prozent der Anfang Februar befragten Österreicher im Alter 50 plus gaben an, sehr oder eher zufrieden mit der türkis-blauen Regierung zu sein. Demgegenüber glauben knapp mehr als 60 Prozent, dass sich Österreich politisch auf dem richtigen Weg befinde.

 

Kein Verzicht aufs Handy

Die täglichen Nachrichten beziehen Ältere viel eher über Fernsehen und die Print-Tageszeitung als Jüngere. Soziale Netzwerke nutzt jeder fünfte Umfrageteilnehmer zur Nachrichtenbeschaffung. Beinahe jeder zweite „Golden Ager“ nutzt diese fast täglich. Nur jeder fünfte Befragte meidet sie komplett. In einem sind sich alle Generationen einig: Auf das Mobiltelefon will niemand verzichten. (cim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2019)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      „Best Ager“-Report: „Alt“ sind nur die anderen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.