Linz richtet Park für Randgruppen her

Seit es in Linz Verbotszonen gibt, haben sich Alkoholkranke, Drogensüchtige oder psychisch Kranke andere Plätze gesucht. Die Stadt will nun einen Park als Aufenthaltsort für gesellschaftliche Randgruppen anbieten. Ein Modell "ohne Erfolgsgarantie", sagt Bürgermeister Luger.

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Symbolbild – APA/ROLAND SCHLAGER

Nachdem Verbotszonen das Problem nur verlagert haben, will die Stadt Linz nun einen neuen Versuch starten, um Konflikte zwischen gesellschaftlichen Randgruppen wie Sucht- oder psychisch Kranken und der Bevölkerung zu minimieren. Der Bergschlössl-Park soll diesen Personen als Aufenthaltsort angeboten werden. Man hofft, die Szene so vom OK-Platz im Zentrum ins Bahnhofsviertel zu transferieren.

Das Problem gärt in Linz seit langem. Im Vorjahr wurde an drei Drogen-Hotspots Verbotszonen eingerichtet, an denen die Polizei Personen unbürokratisch wegweisen kann, am Hessenplatz wurde zudem ein Alkoholverbot erlassen. Seither wird laut Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) in den einschlägig bekannten Parks zwar nicht mehr so viel gedealt, aber Alkoholkranke, Drogensüchtige oder psychisch Kranke haben sich einfach andere Plätze gesucht. Mit Beginn des Frühlings scheint sich die Szene auf den OK-Platz zu verlagern, wenige Meter neben der zentralen Einkaufsmeile Landstraße.

Toiletten, Unterstand, Streetworker

Die Stadt will deshalb den Bergschlössl-Park, der in ihrem Eigentum ist, als "Ersatzfläche" heranziehen. Streetworker sollen ihren Klienten das Angebot entsprechend näherbringen. Zudem will man die Infrastruktur - Stichwort Toiletten, Unterstand etc. - verbessern, um die Fläche attraktiver zu machen, erklärte Vizebürgermeisterin Karin Hörzing (SPÖ). Es gebe keine Erfolgsgarantie und das Vorhaben sei auch "sicher nicht der Stein der Weisen", so Luger, aber man wolle es versuchen. "Probieren geht über studieren", findet auch der für Sicherheit zuständige Stadtrat Michael Raml (FPÖ), der betont: Die Fläche sei aber "keine rechtsfreie Zone".

Viele Drogenkranke würden ohnehin nur Ersatzstoffe nehmen, erklärte Polizei-Stadtkommandant Karl Pogutter, von Passanten würden sie aber als Junkies wahrgenommen. Die meisten würden auch keinen Konflikt mit der Gesellschaft suchen, erklärte der Geschäftsführer der Notschlafstelle B37, Christian Gaiseder, der das Projekt optimistisch sieht: "Es könnte eine Erleichterung werden."

ÖVP nicht begeistert

ÖVP-Vizebürgermeister Bernhard Baier ist von der Wahl des Grundstücks nicht begeistert: "Eine Tagestruktur für Alkohol- und Drogenkranke in Linz ist absolut wichtig und dringend notwendig", aber die "Innenstadt-Naherholungsoase Bergschlössl-Park" sei als Ersatzfläche denkbar ungeeignet. Baier beklagt, dass er, obwohl für Grünflächen zuständig, nicht in die Suche nach der Ersatzfläche eingebunden worden sei.

Die Grüne Gemeinderätin Marie-Edwige Hartig wies darauf hin, dass ihre Fraktion bereits vor zwei Jahren vergeblich eine Ersatzfläche gefordert habe. Auch sie kritisierte fehlende Einbindung in die Auswahl der Location und könne daher "nicht beurteilen, ob die Fläche geeignet ist".

(APA)

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