Das beispielhafte Leben von Ali Johannes Hosseini

Als sich Ali Johannes Hosseini im Dezember 2018 das Leben nimmt, zieht seine Geschichte Kreise: Sein Tod wird von manchen als politischer Suizid dargestellt. Dabei ist die Angelegenheit viel komplexer. Es geht um Eltern, Omas, Freunde, Träume. Und darum, psychische Gesundheit ernst zu nehmen.

Heidi S. und ihre Mutter, Ursula. Sie waren Alis Quartiergeber – und Freunde.
Heidi S. und ihre Mutter, Ursula. Sie waren Alis Quartiergeber – und Freunde.
Heidi S. und ihre Mutter, Ursula. Sie waren Alis Quartiergeber – und Freunde. – Die Presse/Clemens Fabry

Es gibt Faschingskrapfen und süßen Kaffee aus Vietnam. Draußen ist es kalt und windig, die dicken Steinmauern des Pfarrtreffs, der in einem Nebenraum der Kirche untergebracht ist, haben die Kälte aufgesaugt und strahlen sie jetzt aus. Die Heizkörper sind auf Anschlag aufgedreht. Mit beiden Händen umfasst Heidi S. ihre Tasse, rechts von ihr kocht ihre Mutter noch mehr Kaffee, links von ihr sitzt ihre Tochter. Es ist ein grauer Tag in Schwechat, es ist Februar. Seit Dezember ist Ali tot.

Heidi S. sagt oft, dass sie sich wünschen würde, Ali hätte Franz geheißen. Dann, so meint sie, würden die Leute besser hinhören, wenn sie von Ali erzählt, würden sein Leben als ein Ganzes betrachten – mit Licht und Schatten und vielem dazwischen. Ein Franz, das könne der Nachbar sein, meint Heidi. Ein Ali – das sei ein Fremder. Ein Mensch, dessen Geschichte gleich in eine Kategorie passt, in die Kategorie „fremd“.

Tatsächlich muss man ganz genau hinhören, wenn es um Ali geht. Ali kommt aus Afghanistan, aufgewachsen ist er im Iran. Seit 2015 lebte er in Niederösterreich, in Schwechat. 2018 nahm er sich das Leben.

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