Verhindert Saharasand Rekord-Hitze?

Am Samstag soll der Höhepunkt bevorstehen. Die 37,7 Grad Celsius aus dem Juni 2012 könnten geknackt werden.

Abkühlung: Erst am Sonntag sollen sich im Osten die Temperaturen auf normale 30 Grad einpendeln.
Abkühlung: Erst am Sonntag sollen sich im Osten die Temperaturen auf normale 30 Grad einpendeln.
Abkühlung: Erst am Sonntag sollen sich im Osten die Temperaturen auf normale 30 Grad einpendeln. – (c) GEORG HOCHMUTH / APA / picturede (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Tag für Tag steigen bis Samstag die ohnedies jetzt schon hohen Temperaturen. Ob der Wiener Juni-Rekord von 37,7 Grad, der am 30. Juni 2012 gemessen wurde, eingestellt wird? Nicht sicher, aber möglich.
Das hängt auch von Sandkörnern ab. Von Sand, der aus der Sahara verfrachtet wird und der Freitag und Samstag in Österreichs Höhen ankommen soll. Der aber nimmt nicht nur dem Himmel das typische Blau sondern verringert auch die Kraft der Sonneneinstrahlung.

Für UBIMET-Chefmeteorologe Manfred Spatzierer ist jedenfalls klar, dass am Samstag der Höhepunkt der Hitzewelle erreicht werden wird. Es werde „im östlichen Flachland extrem heiß für die Jahreszeit“ – Tropennächte inklusive. Davon spricht man, wenn die 20 Grad-Grenze nicht unterschritten wird. In der Nacht auf Dienstag gab es schon an 24 Messstellen eine Tropennacht. Die erste in der Messgeschichte für Bad Mitterndorf mit 20,2 Grad. Spitzenreiter war Windischgarsten mit einer Tiefsttemperatur von 23,7 Grad.

Immer mehr Hitzetage über 30 Grad lassen den Bedarf nach umweltfreundlicher, platzsparender Gebäude-Klimatisierung stark steigen. Wien Energie investiert bis zum Jahr 2024 insgesamt 65 Millionen Euro in umweltfreundliche Kühlung. So ist etwa am Stubenring eine zusätzliche Fernkältezentrale geplant.

 

Wien baut Fernkälte aus

Seit 2007 setzt Wien Energie auf Fernkälte. Ein Großteil der Kühlenergie kommt aus Abwärme von Verbrennungsprozessen. Im Sommer ist Wärme aus der Müllverbrennung in Wien wichtigster Energieträger für die Kühlung. Als Antriebsenergie wird Wärme anstelle von Strom verwendet. Dadurch können Strom und Treibhausgasemissionen eingespart werden. Über ein eigenes Fernkältenetz wird auf etwa fünf bis sechs Grad Celsius abgekühltes Wasser direkt zu den Abnehmern transportiert und dort über die hauseigenen Kühlsysteme in den Gebäuden verteilt. Durch Nutzung von Abwärme zum Antrieb der Kältemaschinen wird im Vergleich zu Klimaanlagen rund 50 Prozent CO2 eingespart, wie Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) erklärt.

Derzeit werden vor allem Großabnehmer wie Krankenhäuser, die Uni Wien oder Hotels mit Fernkälte versorgt. Allerdings soll diese Technologie künftig auch Privatkunden zur Verfügung stehen. Noch im Sommer sollen Projekte präsentiert werden, sagte Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl.

Aktuell verfügt Wien über 16 Fernkältezentralen und ein zwölf Kilometer langes Fernkältenetz. Wien Energie plant, im ersten Bezirk eine flächendeckende Kälteversorgung anbieten zu können. Daher wird eine Fernkältezentrale am Stubenring im Bereich der Alten Post errichtet. (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2019)

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