Polizeieinsatz beim Wiener Derby landete vor Verwaltungsgericht

Der Polizeieinsatz beim bisher letzten Wiener Fußball-Derby zwischen Austria und Rapid wird seit dieser Woche beim Wiener Verwaltungsgericht untersucht. 28 Rapid-Anhänger haben Beschwerde eingebracht, stundenlang festgehalten worden zu sein.

Austria gegen Rapid, das letzte Derby sorgte für einen Polizeieinsatz mit Folgen vor Gericht
Austria gegen Rapid, das letzte Derby sorgte für einen Polizeieinsatz mit Folgen vor Gericht
Austria gegen Rapid, das letzte Derby sorgte für einen Polizeieinsatz mit Folgen vor Gericht – APA/HANS PUNZ

Der Polizeieinsatz beim bisher letzten Wiener Fußball-Derby zwischen Austria und Rapid wird seit dieser Woche beim Wiener Verwaltungsgericht untersucht. 28 Rapid-Anhänger haben Beschwerde eingebracht, weil sie am 16. Dezember 2018 mit mehr als 1.300 Gleichgesinnten im Zuge des Fanmarsches vom Reumannplatz über die Laaer-Berg-Straße zur Generali-Arena der Austria stundenlang festgehalten wurden.

Der Rechtsanwalt Christian Podoschek, der die meisten der Beschwerdeführer vertritt und auch für die "Rechtshilfe Rapid" als Kooperationspartner agiert, sagte im Vorfeld des Verfahrens am Freitag, dass es darum gehe, ob der Polizeieinsatz rechtmäßig und verhältnismäßig war. "Für Identitätsfeststellungen muss man eine Begründung liefern. Die Polizei hätte jedem einzelnen der 1.338 Fans eine Begründung für die Identitätsfeststellung liefern müssen, und das hat sie meines Erachtens nicht getan. Das wäre so, als würde am Wiener Christkindlmarkt eine Handtasche gestohlen, und die Polizei lässt niemand vom Markt ohne Identifizierung weg. Mit dem Unterschied, dass es dort etwas zu trinken gibt."

Die Verfahren sind auf mehrere Wochen anberaumt und werden vom Verwaltungsrichter Wolfgang Helm geführt. Er vernimmt zunächst jeden Beschwerdeführer und will ab 1. Juli die Verfahren zusammenlegen. Helm hofft, dass die Causa zwei Wochen später beschlussreif ist. Am Freitag waren unter anderem zwei Frauen an der Reihe, die an dem Fanmarsch teilgenommen hatten.

Die Polizei hat als Begründung für die rund siebenstündige Einkesselung unter anderem angeführt, dass aus dem Fanblock Anrainer, die das Geschehen von offenen Fenstern aus beobachteten, mit teils harten Schneebällen beschossen wurden, dass Fans Polizisten mit Pyrotechnika bewarfen und Schneebälle, Getränkedosen sowie pyrotechnische Gegenstände von der Laaer-Berg-Brücke auf die Fahrbahn der Südosttangente (A23) geworfen wurden. Laut Polizei wurde die meistbefahrene Straße Österreichs daraufhin vorübergehend gesperrt.

Laut Helm sind diese Vorwürfe auf einem Video zu sehen, das am 1. Juli vorgeführt wird. Podoschek sagte namens seiner Mandantin, dass sie diese Anschuldigungen bestreitet, weil sie keine Wahrnehmungen dazu habe. "Wenn die Polizei das im Beweisverfahren anführen will, muss sie es auch beweisen."

Die Frau gab bei Gericht an, sie habe sich mit ihrer 13-jährigen Tochter und ihrem Cousin im hinteren Teil des Zuges aufgehalten. Dass sie überhaupt bei dem Marsch dabei waren, sei die Idee des Cousins gewesen: "Er hat gesagt, er will nicht mit mir und meiner minderjährigen Tochter allein zum Stadion fahren, weil wenn uns Austrianer abfangen, kann er mich nicht verteidigen." - "Geht es so gewalttätig zwischen den Wiener Clubs zu?", wollte Helm daraufhin wissen. - "So genau weiß ich das nicht, ich bin nicht so in der Fanszene aktiv", lautete die Antwort.

Den Einsatz von Pyrotechnik habe sie natürlich wahrgenommen. "Ich musste mir einmal den Schal vors Gesicht halten", schilderte die Beschwerdeführerin. Aber von Würfen auf Beamten habe sie nichts gesehen, ebenso wenig von Schneebällen auf Passanten oder Geschosse auf die Südosttangente.

Beim Absbergsteg sei der Fanzug zum Stehen gekommen. "Wir sind relativ lange gestanden. Ich dachte mir, dass wieder gewartet wird, bis der Zug zusammenrückt oder dass zuerst die Austrianer ins Stadion gelassen werden und wir danach. Ich weiß nicht mehr, wie lange das gedauert hat, ich hatte kein Zeitgefühl mehr", erzählte die Beschwerdeführerin. Irgendwann sei jemand mit einem Megafon durchgegangen und habe gesagt, dass es eine polizeiliche Anhaltung gibt und "wir die Ausweise bereithalten sollen".

Ihre Tochter habe Schmerzen in den Füßen vom langen Stehen gehabt und habe bei einem Sturz auch noch eine Knieprellung abbekommen, schilderte die Frau weiter. Ein Versuch, auf der Hinterseite aus dem Kessel zu kommen, scheiterte. Sie wurden von der Polizei zurückgeschickt. Als ihre Tochter immer mehr jammerte, wurden sie von anderen Fans nach vorne gebracht, wo die Identitätsfeststellungen stattfanden. "Ich habe einem Beamten gesagt, das ist ein Kind. Und ich habe gelogen, dass mein Cousin der Vater ist, damit er auch gleich rauskommt", sagte die Beschwerdeführerin. "Wir sind dann auf die Seite geführt worden. Ich wollte schon meine Bauchtasche für den Ausweis aufmachen, aber der Beamte hat gesagt: 'Gehts' und Richtung U-Bahn gedeutet." Sie hätten während der Zeit im Kessel nichts zu essen und nichts zu trinken bekommen. Auch die anderen Fans seien nicht verpflegt worden.

Sie selbst habe keine Pyrotechnik verwendet, "im Gegenteil, ich habe Angst davor". Zahnschutz oder Sandhandschuhe (schlagkraftverstärkende Handschuhe, Anm.) haben weder sie noch ihre Tochter getragen. "Ich habe keine strafbaren Handlungen begangen, ich habe dann nur schön langsam zu schimpfen begonnen", betonte die Beschwerdeführerin. Helm stellte daraufhin klar, dass alle Beschwerdeführer bisher behördlich nicht aufgefallen sind.

Die Einvernahme einer zweiten Beschwerdeführerin verlief ähnlich, nur befand sich diese weiter vorne im Fanzug. Auch diese Frau bekam nichts von Würfen pyrotechnischer Gegenstände auf Beamte mit. Sie wies auch zurück, dass der harte Kern der Rapid-Ultras die anderen Fans im Kessel aufgefordert hätte, nicht zur Identitätsfeststellung zu gehen.

In der kommenden Woche wird Helm weitere Beschwerdeführer einvernehmen. Am 1. Juli werden alle Verfahren zusammengelegt, an diesem Tag soll auch das - zusammengefasste - Video gezeigt werden. Helm plant ab dann Verhandlungen an jedem Tag für zwei Wochen und will so die Causa beschlussreif machen.

(APA)

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