"Ibiza-Detektiv" als Zeuge - Angeklagter mit 2,9 Promille

Prozess geplatzt: Sicherheitsexperte Sascha W., „Lehrmeister“ von Julian H. (er soll das Ibiza-Video produziert haben), sollte am Mittwoch als Angeklagter in einem Verleumdungsprozess vor Gericht erscheinen. Tat er aber nicht. W. hatte 2,9 Promille Alkohol im Blut.

Im Prozess geht es um Verleumdung. Doch Richterin Monika Fasching-Lattus vom Landesgericht Krems wartete - sichtlich verärgert - vergeblich auf den Angeklagten: Sascha W.

Dieser hatte sich via Anwalt Sebastian Lesigang sehr kurzfristig entschuldigen lassen. Er sei im Krankenhaus Krems aufgenommen worden, hieß es. Diese Botschaft hatte Lesigang per SMS erhalten. Der Prozess wurde notgedrungen unterbrochen.

Dann stellte sich heraus, dass W. mittlerweile nach Tulln ins Krankenhaus verlegt worden war. Mit 2,9 Promille Alkokohl im Blut, wie die Richterin bekanntgab. Eigentlicher Grund für das Fernbleiben seien aber psychische Probleme seines Mandanten, gab Anwalt Lesigang bekannt. Über diese Probleme habe ihn W. in der Früh telefonisch unterrichtet. Auch sehr kurzfristig.

Der Hintergrund des Prozesses ist äußerst brisant: W. hat in TV-Auftritten erklärt, er habe Julian H. ausgebildet. H. ist jener Detektiv (Branchenvertreter legen übrigens Wert auf die Feststellung, dass H. gar kein richtiger Detektiv sei), der als Produzent des Ibiza-Videos gilt. Er ist auch selbst in dem Video zu sehen. Nun, im Kremser Prozess, hätte H. als Zeuge aussagen sollen. 

In diesem Verfahren geht es nicht um „Ibiza“, sondern darum: W. soll andere, darunter H., falsch bezichtigt haben. Er hatte im Rahmen einer Selbstanzeige vor Behörden erklärt, dass er und sein „Team“ eine Gleisbau-Firma ausspioniert hätten. Im Auftrag einer anderen Gleisbau-Firma, nämlich Plasser und Theurer (letztere bestreitet, W. engagiert zu haben). Die Staatsanwaltschaft meint, W. habe die Spionagegeschichte erfunden. Somit habe W. andere Personen falsch verdächtigt - und der Gefahr einer behördlichen Verfolgung ausgesetzt.  

„Für heute hat es sich erledigt“ 

Zurück in den Gerichtssaal: "Für heute hat es sich erledigt", sagte die Richterin, als auch nach Ablauf von eineinhalb Stunden der Angeklagte (wenig überraschend) nicht auftauchte. Aber: "Nicht ausgeschlossen ist, dass wir morgen verhandeln." Als möglicher Startzeitpunkt wurde 7.30 Uhr in Aussicht gestellt. Wenig später war klar, was Beobachter gleich vermutet hatten: W. wird so rasch nicht wieder „einsatzfähig“ sein. Der Prozess wurde daher auf Herbst vertagt.

Julian H. sollte eigentlich am Mittwoch als Zeuge aussagen, und zwar ziemlich geheimnisvoll - per Skype. Wann die Einvernahme des mutmaßlichen Ibiza-Video-Machers erfolgen soll, ist nun offen.

Die Richterin meinte angesichts des großen medialen Interesses: "Es geht nicht einmal am Rande um Ibiza, diesbezügliche Fragen und Stellungnahmen werden nicht zugelassen." Das Ibiza-Video betreffe das gegenständliche Verfahren nicht. "Sollte sich jemand dafür interessieren, wissen Sie Bescheid, dass darüber hier nicht gesprochen wird", bekräftige die Juristin. Ob dies durchzuhalten sein wird ist fraglich, da zum Beispiel auch der Rechtsvertreter der laut W. ausspionierten Firma, der bekannte Anwalt Martin Nemec, ein Frage-/Rederecht hat. Und Nemec hält gewisse Parallelen zum Thema „Ibiza“ sehr wohl für relevant. 

Auffällige Parallelen

Es fällt jedenfalls auf, dass das Personal des nunmehrigen Verleumdungsprozesses jenem der Ibiza-Video-Produktion, welche Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus zu Fall brachte, stark ähnelt.

Der angeklagte Sicherheitsmann W. will, wie erwähnt, die Vorgangsweise, die beim Erstellen des Ibiza-Videos angewendet wurde, einst selbst gelehrt haben. Mit der Ibiza-Affäre selbst will W. aber nichts zu tun haben.

Der frühere Rechtsvertreter eines Managers des Gleisbauunternehmens Plasser und Theurer, ist Anwalt M. - jener Advokat mit Wiener Innenstadtkanzlei, der die Ibiza-Falle ausgelegt haben soll.

Julian H. - er hält sich an einem unbekannten Ort auf und ist nunmehr Zeuge - soll als Begleiter und Bewacher der angeblichen Oligarchin das Zustandekommen des Videos vorangetrieben haben.

Und die beiden Bosnier S. K. und E. S. - nunmehr ebenfalls als Zeugen geladen - sollen als Helfer von Julian H. auch an der Herstellung des Ibiza-Videos beteiligt gewesen sein.

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