Einspurig auf zwei ehemaligen Eisenbahntrassen

Dort, wo die Thayarunde über aufgelassene Bahnstrecken führt, spüren Radler die Vorzüge sanfter Steigungen und Kurven.

Das ist vom Bahnhof Pfaffenschlag-Aigen geblieben: der Bahnsteig mit Wartehaus.
Das ist vom Bahnhof Pfaffenschlag-Aigen geblieben: der Bahnsteig mit Wartehaus.
Das ist vom Bahnhof Pfaffenschlag-Aigen geblieben: der Bahnsteig mit Wartehaus. – (c) Kommenda

Bahn- und Radfahren können sich gemeinsam nicht nur rühmen, ökologisch zu punkten; Strecken, die für die Eisenbahn angelegt sind, eignen sich mitunter auch hervorragend dazu, abgeradelt zu werden. Das sieht – und spürt man vor allem – zum Beispiel dann sehr deutlich, wenn man auf dem Thayarunde-Radweg im nördlichen Waldviertel unterwegs ist. 52 von rund 100Kilometern führen über zwei aufgelassene Bahntrassen – mit sanften Steigungen, die einst auch Dampfloks derschnauft haben, und lang gezogenen Kurven. Ideale Bedingungen zum gemütlichen Radfahren.

Man muss natürlich nicht die ganze Runde fahren, zumal sie auf den restlichen 50 Kilometern stellenweise knackige Anstiege enthält (summiert sind es 650 Höhenmeter). Es ist eigentlich auch gar nicht zu empfehlen. Die Strecken, welche die beiden nördlichen und südlichen Enden der Bahntrassen miteinander verbinden, sind offen gestanden ein bisschen langweilig.


Start in Göpfritz. Beginnen wir unsere Fahrt in Göpfritz an der Wild. Von dort führt eine der beiden ehemaligen Eisenbahnstrecken, nämlich die östlich gelegene, bis Raabs an der Thaya. Am Kopfbahnhof, pardon, Beginn der Radroute, steht ein eigener Autoparkplatz zur Verfügung (erreichbar über den Nordrandweg). Alternativ kann man, wenn man schon ökologisch korrekt unterwegs sein möchte, samt Fahrrad mit der S-Bahn anreisen. Die Franz-Josefs-Bahn braucht nur etwas mehr als anderthalb Stunden von Wien zum wahren Bahnhof von Göpfritz; und der ist nicht weit von der Radroute entfernt.

Auf der ehemaligen Bahntrasse selbst, die durchgehend asphaltiert ist, sieht man links und rechts noch den Kies, auf dem früher die Schienen gelegen sind. Ohne diese können hier heute keine Eisenbahnen mehr fahren, Autos und Motorräder dürfen es nicht (E-Bikes natürlich schon).

Etwas erratisch steht noch manche frühere Haltestelle in der Landschaft, mit Bahnsteig, Wartehäuschen und Aufschrift (z.B. Sieghartsles, Pfaffenschlag-Aigen). In Raabs ist dann trassentechnisch Endstation, was auch bedeutet, plötzlich steiler bergab und bergauf fahren zu müssen. Hier sollte man überlegen, ob man genug zu essen und zu trinken hat; wer die Runde über tschechisches Gebiet bis Slavonice (Zlabings) fortsetzt, findet so bald keine weitere Möglichkeit dafür.

Der Grenzübergang ist unter EU-Partnern hier unspektakulär; aus einem Hüttchen ruft ein rastender Radler freundlich „Grieß dich!“. Entlang der Straße in Tschechien sind alte Festungsanlagen zu sehen. Hier in der Nähe ist bis vor 30 Jahren auch der Eiserne Vorhang verlaufen, dem man abseits der Thayarunde auf dem Iron Curtain Trail nachspüren kann. In Slavonice wiederum lohnt ein kleiner Abstecher ins Zentrum, an dem der Radweg leider vorbeiführt.

Und zwar ans nördliche Ende der zweiten Bahntrasse, die bis Waidhofen/ Thaya reicht. Dazwischen: der ehemalige Bahnhof von Waldkirchen/Thaya, auf dem sogar noch eine alte Verschublok und ein paar Waggons stehen.

Wer nicht die ganze Runde fährt, kann zum Beispiel hier einsteigen und ein Stück Trasse nach Norden oder Süden und retour fahren. Stufenweise abkürzen lässt sich die Thayarunde auch, indem man vom Süden kommend nur bis Groß-Siegharts oder Raabs fährt und von dort nach Westen steuert.

Zurück am Start in Göpfritz fällt erst ein lustig-ironisches Detail auf: ein sinnlos neben dem Asphalt stehen gebliebenes Eisenbahnsignal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2019)

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