Greenpeace: Folgen der Erderhitzung in Österreich schon jetzt sichtbar

Hitze, Stürme, sterbende Almen und Wälder: Die NGO Greenpeace hat die Auswirkungen der Klimakrise in allen Bundesländern dokumentiert. Im internationalen Vergleich ist Österreich überdurchschnittlich betroffen.

++ THEMENBILD ++ KLIMA/KLIMAWANDEL/ERDERWAeRMUNG/ HITZE /SOMMER
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APA/HARALD SCHNEIDER

Gletscherschmelze, tauende Permafrostböden und sterbende Almen im Westen; Dürre, Waldsterben, Stürme und Hochwasser im Osten - Österreich werde von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sein - und ist es bereits, hat die Umwelt und Klimaschutzorganisation Greenpeace einmal mehr betont. In einem 28-seitigen Report hat die NGO die  gegenwärtigen Auswirkungen des Klimawandels in Österreich auf Basis von Analysen des Climate Change Centre Austria (CCCA) analysiert und mit Fotos dokumentiert.

Die Klimakrise ist längst in Österreich angekommen, schrieb Greenpeace und selbst der Neusiedlersee trocknet immer weiter aus, hieß es weiter. Diese Aussage basiert auf einer Studie des Instituts für Meteorologie der Universität für Bodenkultur, die eine vollständige Austrocknung des Sees in den nächsten Jahren als reale Bedrohung registriert hat. Die Mitarbeiter der NGO haben für allen neun Bundesländer neben der aktuellen Lage auch einen Ausblick für die Zukunft prognostiziert.

Wien: Bis zu 3,8 Grad Temperaturanstieg

Dabei wurde aufgrund der CCCA-Daten einerseits ein Szenario berücksichtigt, bei dem sich bis 2100 nichts an der aktuellen Situation ändert, wie auch eines, bei dem eine Reduktion der Treibhausgasemissionen zu einem geringeren Temperaturanstieg in der Zukunft führen kann. Am Beispiel Wien ging man so beim Negativ-Szenario von einem Temperaturanstieg von 3,8 Grad Celsius aus, bei einem "einem sehr moderaten Klimaschutz-Szenario" - dies geht von einer Reduktion der Treibhausgase um die Hälfte bis ins Jahr 2080 aus - könne in der Bundeshauptstadt der Anstieg bis Ende des Jahrhunderts aber auf rund 2,2 Grad eingedämmt werden. Ähnliche Unterschiede ergaben sich für alle neun Bundesländer.

Durch die Temperaturzunahme sei in Wien unter anderem mit einer
verlängerten und erhöhten Pollenproduktion der Pflanzen zu rechnen, Allergien würden sich verstärken. Zudem seien die Bäume „durch die extreme Hitze, wenig Niederschlag, Abgase und Staub“ anfälliger für neue Krankheiten und Schadorganismen. Am stärksten treffe die Klimakrise Wien durch den sogenannten Hitzeinsel-Effekt, heißt es in dem Bericht. Beton und Asphalt würden die Wärme speichern und Hitze stauen, was zu den Hitzeextremen untertags und Tropennächten führe. Die Folgen seien unter anderem Schlaf- und Gesundheitsprobleme sowie ein Anstieg der Todesfälle, die auf extreme Temperaturen zurückzuverfolgen sind.

Klimakrise schon da

Zusammenfassend hat Greenpeace die gesamte Lage in Österreich dahin gehend beschrieben, dass im Westen vor allem alpine Landschaften leiden: "Gletscherschmelze, tauende Permafrostböden und sterbende Almen sind die Folgen der Klimakrise in Vorarlberg, Tirol und Salzburg", schrieb die NGO. In Kärnten, Oberösterreich und die Steiermark zeitigt sich der Klimawandel hingegen mit Dürre, Waldsterben und Extremwetterereignissen wie Hagel oder Stürmen und Landwirte seien hier die größten Leidtragenden. Der Osten mit Niederösterreich, Wien und dem Burgenland ist wiederum von extremer Trockenheit und Hitze geprägt, diese Region leide zudem auch unter Starkregen und Hochwasser.

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Gletscherschmelze am Rettenbachferner in Tirol. – APA/HANS KLAUS TECHT

"Schon heute ist die Klimakrise in Österreich angekommen, deutlich in jeder dieser Regionen zu spüren und hat in jedem einzelnen Bundesland unterschiedlich fatale Folgen", heißt es im Bundeslandreport von Greenpeace. Die NGO betont, dass Österreich ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich von der Erderhitzung betroffen ist: Während die globale Durchschnittstemperatur seit 1880 um knapp ein Grad Celsius angestiegen sei, ist der Anstieg in Österreich mit rund zwei Grad doppelt so hoch. "Klimaschutz muss endlich Priorität in der Politik haben. Nur so können wir das schützen, was uns lieb ist: unsere Berge, unsere Wälder und unsere Seen", forderte Kampagnendirektorin Sophie Lampl.

>> Zum Greenpeace-Report

(APA/red.)

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