Wiener Fiaker: Das Ende eines Touristenmagnets?

Nach einer neuen Studie sind interne Streitigkeiten, Tierschützer und der "schlechte Ruf" der Kutscher ein Problem für die Fiakerunternehmen, die wirtschaftliche Situation der Kutscher sei schlechter geworden.

(c) REUTERS (Heinz-Peter Bader)

Wien (duö/np). „Pferde sind nie so empfindlich wie der Mensch“, sagt Kutscherin Martina Michelfeit ob der brütenden Hitze in der Stadt. Denn im Gegensatz zu vielen Menschen würden die Pferde gut mit der Hitze klarkommen. Auch seien nicht dieselben Fiakergespanne ständig unter der Sonne, „sie sind ja auch in Bewegung“. Die Kutscher müssten allerdings besonders darauf achten, dass die Tiere ausreichend trinken und manchmal zur Abkühlung abgespritzt werden.

Dennoch: Die Fiaker sind – nicht nur während den „Hundstagen“ – vielen Tierschützern ein Dorn im Auge. Viele Kutscher würden auf der Straße oft als „Tierquäler“ beschimpft. Das geht aus einer neuen Studie von Cornelia Ehmayer hervor. Die Stadtpsychologin hat die Lage der Kutscher in der Stadt untersucht. Dazu hat sie 34 von insgesamt ungefähr 100 Kutschern befragt und Michelfeit bei ihrer Arbeit begleitet. Das Ergebnis: Das Überleben des „typischen“ Wiener Fiakers wird zunehmend schwieriger. Dabei beteuern beinahe alle Kutscher, dass es ihren Tieren gut gehe. Einige meinen, dass Pferde ohnehin Arbeitstiere seien, wiederum andere geben an, ihre Pferde vor dem Schlachthof gerettet zu haben.

 

Druck von den Behörden

Außer den Tierschützern ist für die Fiaker die Rivalität untereinander ein Problem. Denn die Stadt Wien gibt nur 58 Platzkarten aus: Nicht alle Kutscher können täglich fahren, die meisten würden daher einer zweiten Beschäftigung nachgehen, heißt es in der Studie.

Der behördliche Druck fördere zudem die Konkurrenz: „Die Fiakergesellschaft ist zerstritten, wir haben keine Interessenvertretung. Viele sind daran gescheitert, die verschiedenen Unternehmen an einen Tisch zu bringen“, klagt Michelfeit.

„Ein Fiakerfahrer verdient monatlich zwischen 700 bis 1000 Euro“, sagt die Kutscherin. Die Preise für die kleine (20 Minuten für 40 Euro) und große Rundfahrt (40 Minuten für 65 Euro) werden von der Stadt als Höchstpreise angegeben. Bei Sonderfahrten dürfen die Kutscher den Preis vorgeben. Die wirtschaftliche Situation der Kutscher sei jedoch schlechter geworden, da die Kunden fast nur mehr Touristen sind. Festfahrten, etwa bei der Firmung, kommen nur mehr selten vor, so Michelfeit.

Zudem schade den Kutschern das negative Bild ihres Berufs in der Öffentlichkeit, heißt es weiter in der Umfrage. Freilich gebe es solche, die ihre Pferde nicht artgerecht halten. Allerdings dürfe man nicht alle 30 Fiakerunternehmen in einen Topf werfen.

Um das Fiakerproblem richtig lösen zu können, schlägt Martina Michelfeit eine „Illusion“ vor: den Verkehr aus der Innenstadt verbannen und nur noch Rösser zulassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2010)

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